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Buchcover: Kim Fupz Aakeson: Babyalarm

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Babyalarm von Kim Fupz Aakeson

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

Die Liebe ist eine Konstante mit unberechenbaren Wendungen. Das versucht Jonas zu verstehen, obwohl er doch gerade erst das Schreiben und Lesen lernt. Keine leichte Aufgabe, denn für die Erkenntnis dass jede „Liebesgeschichte“ anders ist, hat schon so manch kluger Kopf länger als eine Woche gebraucht …

 …und genau das ist die Zeit, die wir Jonas bei seinen Nachforschungen begleiten. Alles beginnt am Montag mit einem Gespräch mit seinem „schlechtesten“ Freund Willy – seine besten Freunde sind leider anderweitig befreundet oder fortgezogen – der bemerkt, dass Jonas´ Mutter ganz schön rund geworden ist. Als Jonas ihm erklärt, dass er bald ein Geschwisterchen bekommen wird, signalisiert Willy mit einem ganz speziellen „Oh“, dass damit gar nichts in Ordnung ist. Willy ist der Meinung, dass Eltern, sobald sie ein Baby haben, das Interesse an ihrem Erstgeborenen verlieren würden. Er meint, wenn ein so süßes, rosiges Baby auf die Welt kommt – das noch dazu so gut riecht – bleibt Jonas nur noch, anderswo sein Glück zu suchen: Im Kinderheim, bei Adoptiveltern oder in der Bibliothek.

Jonas aber macht sich selbst auf die Suche nach Antworten. Zunächst möchte er seinen Eltern aber zeigen, was für ein toller Sohn er ist. Er räumt sein Zimmer auf, stellt sein Geschirr in die Spülmaschine und geht ohne Murren ins Bett. Doch seine Eltern scheinen seine Bemühungen nicht recht wahrzunehmen. Am Mittwoch dann fragt er seinen Vater nach der Liebe – ob er Mama auch dann lieb hat, wenn er sie eine „Zicke“ nennt – und findet heraus, dass Liebe auch mal kurz weggehen, dann aber sofort zurück kehren kann.

Es ist bereits Donnerstag, als Jonas dazu einfällt, dass er seinen alten Bären, Herrn Brix, auch mal sehr geliebt hat. Er muss ganz tief unter dem Bett nachsehen und alles hervorsuchen, was er darunter geschoben hat, bis er hin findet. Jonas fragt sich, ob er Herrn Brix immer noch liebte, als er nicht mehr an ihn gedacht hatte.

Als Jonas´ Oma am Freitagabend auf ihn aufpasst, erfährt er von ihr, dass die Liebe auch wachsen kann. Wie bei der Frau im Fernsehen, mit ihren vielen Hunden. Wie bei Oma, die mit jedem Kind, das sie zur Welt gebracht hat, mehr Liebe empfand. Sogar das Kind, das leider zu früh gestorben ist, liebt sie auch heute noch sehr.

Und dann gibt es ja noch die Liebe zwischen Liebespaaren. Aber damit wollen weder Jonas noch Willy etwas zu tun haben – sehr zum Leidwesen von Augusta. Willy erzählt, dass seine Eltern kein Liebespaar mehr sind, dass sein Vater ausgezogen ist und nun mit einer neuen Frau ein neues Kind hat. Ein rosiges, süßes Baby.

Zum Glück erfährt Jonas von seiner Mama, als sie ihn am Samstagabend badet, dass man nicht unbedingt eine rosige, duftige Haut haben muss, um geliebt zu werden – und dass braune Haut genauso schön ist: „Braun und zum Anbeißen“.

Kim Fupz Aakeson spiegelt in seinem einfühlsamen Bilderbuch für Kinder ab fünf Jahren humorvoll aber auch auf eine sehr nachdenklich machende Weise die Situation eines Kindes, das befürchten muss, nicht länger unangefochtener Liebling für seine Eltern zu sein.

Wenngleich auch der Ursprung aller Nachforschungen die bevorstehende Geburt des Geschwisterkindes ist, handelt Aakesons Geschichte doch mehr von der Liebe im Allgemeinen, von ihrer Kraft und ihrer Verlässlichkeit – von einer Frage, die so ebenso universell wie schicksalhaft ist: Glaubt jedes Kind daran, immer geliebt zu werden? Wie können „Zweifler“ mit ihren Gefühlen umgehen und jene, die wie Willy bereits enttäuscht wurden? Dieses Urvertrauen, das Jonas zweifellos in seiner ruhigen, beharrlichen Suche beweist, ist von elementarer Bedeutung. Das wird auch in Kim Fupz Aakesons kleiner Geschichte über die Liebe deutlich, weshalb auch der Titel „Babyalarm“ es nicht so ganz trifft.

Jonas´ Eltern scheinen sich jedenfalls wenig Gedanken über das Gefühlsleben ihres Erstgeborenen zu machen. Obwohl er doch ziemlich eindeutige Fragen stellt und ganz offensichtlich versucht, ein tadelloser Sohn zu sein, scheinen sie viel zu sehr mit ihrem Alltag beschäftigt zu sein. Dies spiegelt sich auch in den Illustrationen von Eva Eriksson wieder. Der Blick der Eltern richtet sich zunächst nicht auf Jonas, sondern wirkt meist abwesend. Die zurückhaltende und doch so bedeutsame Geschichte, wie man sie auch in den Bilderbüchern von Ulf Nilsson findet, wird auch hier von Eva Eriksson mit ihrem unverwechselbaren zarten Strich und ihrem besonderen Augenzwinkern in Szene gesetzt. Sehr gelungen finde ich vor allem die Bildverläufe innerhalb eines Schauplatzes; So blickt Jonas auf der linken Zimmerhälfte (linke Seite der doppelseitigen Illustration) unglücklich auf die Unordnung, die er beseitigen muss, während auf der rechten Zimmerseite (rechte Seite der doppelseitigen Illustration) bereits alles unter seinem Bett hat verschwinden lassen. Dabei zeigt Eva Eriksson Jonas mit seinem strubbligen braunen Haaren immer als einen sehr ruhigen und bedächtigen Jungen. Und das scheint auch der wiederentdeckte Herr Brix zu mögen, der ihn am Ende – da er nun wieder im Bett neben Jonas liegen darf – liebevoll anblickt.

Liebevoll ist auch der Ausblick, den der vielfach ausgezeichnete dänische Autor an dem Sonntagmorgen gibt: Jonas liegt zwischen seinen Eltern im Ehebett, neben ihm Herr Brix, vor ihm sein Frühstück. Er fühlt sich geborgen und hofft, dass Oma recht hat, dass genug Liebe für alle da sein würde. Doch Kim Fupz Aakeson´s Geschichte, ist viel zu nahe am Leben – trotz oder wegen seiner augenzwinkernden Anklänge – als dass damit nun alles für immer gut wäre. Jonas ist sich sicher, dass im Augenblick alles gut ist, er aber noch eine ziemlich turbulente Zeit vor sich haben wird. Nicht, dass er bereits alles verstanden hat, was mit der Liebe zu tun hat – wer hat das schon? – aber er ist schon ein ganzes Stück weiter und fühlt sich gut gewappnet für sein kleines Geschwisterchen.

Fazit:

Was passiert, wenn man seine Eltern bald mit einem Geschwisterchen teilen muss? Da kommen viele neue Gefühle auf, die Kinder verstehen möchten. „Babyalarm“ von Kim Fupz Aakeson kann dabei helfen, ein offenes Gespräch anzustoßen. Darüber was war, was sein kann und bestimmt niemals aufhört: Die Liebe.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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