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Buchcover: Isabel Abedi: Prinzessin Vivi und die wilden Räuber

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Prinzessin Vivi und die wilden Räuber von Isabel Abedi

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Wenn Räuber räubern wollen, es aber gar nichts zu räubern gibt, dann wird es langweilig. Nicht bei den wilden Räubern. Die Bande um Hauptmann Glatze heckt mit der Idee, die Königstochter zu entführen und von Waldemar dem Zweiten viel Gold zu fordern, einen genialen Plan aus. Jeder der üblen Halunken weiß schon jetzt, was er mit seinem Teil der Beute machen will. Wäre da nur nicht Geisel Vivi. Die kleine, liebreizende Prinzessin, die es faustdick hinter den Ohren hat.

Im Räuberwald hört man die Bande von Hauptmann Glatze jammern. Tagelang schon kommt niemand mehr durch den Wald, den sie um all sein Hab und Gut berauben könnten. Dementsprechend übellaunig gucken die fünf Halunken drein und auch Glatze, der seinem Namen alle Ehre macht, ist aufs mieseste gelaunt. Der dicke Räuber Daniel hat Hunger, dem eitlen Egbert fehlt eine neue Perücke und der gähnende Gustaf will endlich ein neues Kopfkissen. Punkt um, es fehlt hinten und vorn bei der bunt gemischten Räubertruppe. In diesem Fall hilft die ganze Warterei nichts. Sie müssen handeln und zwar sofort. Glatze zeigt seinen Männern die Landkarte und deutet auf das goldene Schloss, das direkt hinterm Räuberwald liegt. Schnell erläutert er seinen Plan vom Raub der Prinzessin und der Lösegeldforderung gegenüber dem König. König Waldemar II wird es nicht zulassen, dass man dem Liebsten, was er hat, auch nur ein Haar krümmt. Er wird die geforderten Goldtaler schon zahlen. Die Räuber sind entzückt von dem Gedanken reich zu sein und machen sich eifrig an die Einzelheiten ihres Planes.

In der folgenden Nacht bleibt der gähnende Gustaf als Wache im Räuberquartier. Die vier anderen pirschen sich ans Schloss und steigen durch das geöffnete Küchenfenster ein. Leise schleichen sie durch die leeren Gänge vorbei an unzähligen Türen bis zum Zimmer der Prinzessin. Die Entführung geht ganz fix und bemerkenswert einfach.
Die schlafende Prinzessin stecken die Räuber, zack in den Sack und machen oben zu, dann ist Ruh.
Auch als sie mit ihr in die Räuberhöhle zurück kehren und sie in das hölzerne Gitterbett legen, wacht Prinzessin Vivi nicht einmal auf. Bei dem festen Schlaf, so denkt sich der gähnende Gustaf, gibt es nicht viel zu bewachen und schläft bald genauso friedlich wie alle anderen.

Am nächsten Morgen trifft die Räuberbande der Schlag. Schon viel früher als sie selbst, ist ihre Gefangene aufgewacht und hat sich nützlich gemacht. „Schneckengrütze und Entenfurz“ fluchen sie bei dem Anblick ihrer Kleidung. Die hat das königliche Töchterlein nämlich kurzerhand mal verschönert. Rüschen, bunte Borden und Schleifen zieren nun die vormals so erbärmlich aussehende Garderobe. „Neuste Mode!“ triumphiert Prinzessin Vivi mit einem spitzbübischen Lächeln. Ab heute sind Hauptmann Glatze und Co. wohl die schicksten Räuber weit und breit. Haare raufend überlegen die Bösewichte, wie sie wohl am schnellsten an das Gold kommen und damit die Prinzessin wieder loswerden.
Es muss schleunigst ein Erpresserbrief an den König, auf den Weg gebracht werden. Doch wer schreibt ihn? Außer der Prinzessin hat keiner der Anwesenden jemals eine Schule besucht. Es bleibt Hauptmann Glatze nichts anderes übrig, als Prinzessin Vivi Blatt und Tinte zu reichen und ihr zu diktieren. Die Prinzessin schreibt alles auf was Glatze sagt und verpackt den Brief mit einem leisen Kichern in den roten Umschlag.

Die roten Umschläge, die die jungen Leser selber öffnen können, beinhalten den Schriftwechsel zwischen König Waldemar II und seiner Tochter Vivi. Die Autorin Sylvia Englert und die mehrfach ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautorin Isabel Abedi haben mit einem kleinen Verwirrspiel ihre turbulente Geschichte gewürzt. Denn das, was der Räuberhauptmann der scheinbar unschuldigen Prinzessin diktiert, kommt so nicht zu Papier. Stattdessen informiert Prinzessin Vivi ihren Vater, den König, über ihren kurzen Besuch bei Verwandten und dass er sich nicht sorgen müsse. Während einer der Räuber mit der Nachricht zum Schloss eilt, spielt Prinzessin Vivi mit dem Rest der Bande ihr kleines, listiges Spielchen weiter. Alle Räuber sind total genervt. So haben sich Hauptmann Glatze und seine Bande die Entführung nicht vorgestellt. Statt Reichtümern, haben sie jetzt eine quirlige Prinzessin am Hals. Als dann Prinzessin Vivi der Bande noch zwei ersehnte Postkutschen-Überfälle im Wald vermiest, beschließen die Räuber einstimmig, sie zurück zu entführen. Doch auch diesen Plan weiß die pfiffige Prinzessin wirksam zu durchkreuzen.

Mit dem Buch, „Vivi und die wilden Räuber“, wartet auf junge Abenteurer eine herzerfrischende Räubergeschichte, die durch Verkettung von lustigen Umständen, eine geballte Ladung Spaß verspricht. Ein wenig erinnert die Geschichte schon an den Kinderbuch-Klassiker „ Die drei Räuber“, der im letzten Jahr durch die Kinoverfilmung wieder an seine alte Popularität anknüpfen konnte. Die dortige, kleine Hauptdarstellerin verstand es ebenso fabelhaft, die dunklen Gesellen an der Nase herum zu führen wie die Heldin dieses Buches. Schnell begreifen die Bilderbuchleser, dass auch von Vivis wilden Räubern keine wirkliche Bedrohung ausgeht und amüsieren sich königlich, als am Schluss das vermeidliche Halunkenpack selber eine bedauernswerte Figur abgibt. Das Highlight dieses Buches sind aber unangefochten die roten Briefe. Durch das Öffnen der Post fühlt sich jeder als Mitwissender und fiebert vergnügt der nächsten Seite entgegen, um zu erfahren, ob und wie die schlaue Prinzessin ihre Entführer weiter hinters Licht führen kann.

Wie so oft bei Märchen und Geschichten mit Prinzessinnenanteil, kommt am Ende die Rettung in letzter Minute.
Aber die ist bei Vivi ebenfalls traumhaft schräg und kann nur von ganz aufmerksamen Betrachtern von Beginn an erahnt werden. Passend zur Geschichte illustriert Bettina Nutz ebenso frisch, frech und farbenfroh die Darsteller.
Sie zeigt uns Prinzessin Vivi als eine sehr furchtlose und selbstbewusste Persönlichkeit und setzt der Halunkenschar
schon eine gewisse Grunddummheit ins Gesicht. Für ihre Bilder benutzt sie kräftige Farben, verzichtet überwiegend auf klassische Mädchenattribute und zeichnet eher in einem witzigen Comicstil.

Fazit:

Eine schöne hinreißende Komödie, die durch ihren subtilen Humor, ihre phantasiereiche Zusammensetzung und ihre erfrischend gewiefte Hauptdarstellerin überzeugt. Eine Heldengeschichte die nicht nur Mädchen Begeistern wird.

Regina Schumacher

 

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