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Buchcover: Heike Abidi: Und immer wieder Weihnachten

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Und immer wieder Weihnachten von Heike Abidi

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Noelle ist gar nicht glücklich über den Verlauf der Weihnachtsvorbereitungen im Hause Engel. Niemand hat Zeit für sie, Versprechen werden nicht eingehalten, die weihnachtlichen Rituale der Familie werden vernachlässigt, und zu guter Letzt hat ihr Bruder Niclas auch noch vergessen, das Geschenk für ihre Eltern zu besorgen. Am Ende sind alle nur noch genervt und schweigen sich an. Da erinnert sich Noelle an die Schneekugel, die der alte Mann ihr auf dem Weihnachtsmarkt geschenkt hat. Ob sie wirklich Wünsche wahr werden lässt?

Denn das hat ihr der alte Bettler Balthasar gesagt, als er ihr die „Weihnachtswunschkugel“ schenkte. Als sie nach einem gelinde gesagt ernüchternden Heiligen Abend, an dem aber alles schief geht, was nur schief gehen kann, die Kugel in die Hand nimmt, am Rädchen dreht und sich ein perfektes Weihnachten wünscht, da spielt die Kugel „Morgen Kinder wird´s was geben“. Und tatsächlich: Am nächsten Morgen fängt alles noch einmal von vorne an – nur viel perfekter. Einzig ihr Bruder Niclas weiß noch, was am Vortag passiert ist. Für die Eltern der beiden hat dieser Tag nie existiert – und schlimmer noch: Sie führen sich ganz und gar merkwürdig auf, sie scheinen gar nicht sie selbst zu sein.

Als dieser perfekte Heiligabend mit allem Drum und Dran vorüber ist, berät sich Noelle noch einmal mit ihrem Bruder. Denn eines ist klar geworden: Ein perfektes Weihnachten macht keine perfekte Weihnachtsstimmung. Und muss ein Weihnachtsfest überhaupt perfekt sein? Das Weihnachtsgefühl will sich einfach nicht einstellen und da fällt Noelle ein, was ihr Balthasar gesagt hat: „Weihnachtsstimmung kommt von selbst, wenn man Freude schenkt.“ Da müssen sich Noelle und Niclas aber jetzt gut überlegen, wie sie ihren nächsten Wunsch formulieren, schließlich wollen sie in keiner Zeitschleife stecken bleiben.

Heike Abdidis Geschichte mag in ihren Grundzügen an Täglich grüßt das Murmeltier erinnern, in der der Protagonist immer wieder den gleichen Tag erleben muss – nur, dass er der einzige ist, der das merkt. In dieser Zeitschleife gefangen, muss er einmal alles richtig machen, damit das Leben für ihn weitergeht. Hier hat Noelle jedoch mehr die Fäden in der Hand und steuert mit der wundersamen Kugel, wie ihr Heiliger Abend aussehen soll. Sie begreift, dass sie mit Attributen wie perfekt„ nicht unbedingt das bekommt, wonach sie sich im Herzen sehnt: Weihnachtliche Vorfreude, Glück, eine besondere Beseeltheit, Frieden, Harmonie …ja, das ist schwer in Worte zu fassen. Das wird schnell klar.

Damit greift Heike Abidi vor allem ein Gefühl auf, das wir alle nur zu gut kennen. Wir haben eine Sehnsucht nach unseren ersten Mal, als uns der Zauber von Weihnachten mit aller Macht ergriffen hat, als wir zum ersten Mal die Vorfreude empfanden und uns sicher waren, dass das Christkind tatsächlich in unser Wohnzimmer kommt, um unsere Geschenke zu bringen. Die Abläufe für diesen Tag haben sich in unser Gedächtnis gebrannt und wir möchten es immer wieder so haben, wie es zu dieser Zeit war. Vor allem Kinder leiden darunter, wenn ihnen der Zauber mit den Jahren abhandenkommt. Vielfach dadurch, dass sie einfach nicht mehr an das Christkind oder den Weihnachtsmann glauben. Aber was ist schlimm daran, einen kleinen Funken Zweifel, ein wenig Zauber zurück zu behalten – für alle. An diesem besonderen Abend kann man doch gemeinsam noch einmal ein wenig glauben …

Das wäre eine Lösung gewesen, aber Heike Abidi wählt einen anderen Weg und bleibt ganz in der Realität, was der Geschichte wiederum einen sehr flotten Dreh gibt. Außerdem hat sie schon die eine oder andere Fährte gelegt, denn wirkt der alte Bettler am Weihnachtsmarkt nicht auch ein wenig wie der Weihnachtsmann? Er wirkt so wissend und zuversichtlich.

Die Wendung wird durch den Wunsch Noelles herbeigeführt, denn dieses Mal überlegt sie sehr gut, was sie sich wünscht. Am Ende ist es wirklich ein Weihnachten das allen Freude macht und nicht nur der Familie Engel – aber wer da noch mitfeiert, das wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

Kinder ab acht Jahren werden mit der aus 12 Kapiteln bestehenden, kurzweiligen Geschichte sicherlich gut zurechtkommen. Zumal die humorvollen Illustrationen von Stefanie Jeschke, die die Alltagssituationen auf ihre ganz eigene, besondere Art aufgreifen, einen lockeren Seitenverlauf gewährleisten. Aber noch schöner ist das gemeinsame Lesen oder das Vorlesen für die jüngeren Zuhörer/innen. Als allabendliches Ritual in der Adventszeit oder mal zwischendurch, wenn man es sich auf dem Sofa gemütlich macht, wird es zu einem schönen Begleiter in dieser vorfreudigen Zeit.

Fazit:

Eine humorvolle, alltagsnahe aber dennoch zauberhafte Geschichte für die Adventstage. Autorin Heike Abidi holt uns genau in dem Gefühl ab, dass wir oft das ganz besondere “Weihnachtsgefühl" vermissen. Die positive Wendung und die schöne Botschaft der Geschichte machen auch uns Vorleser froh.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Dezember 2014

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