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Buchcover: H.C. Andersen: Die Schneekönigin

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die Schneekönigin von H.C. Andersen

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Andersen ist ein wahrer Poet der Märchenwelt, der mit seiner schier unerschöpflichen Fantasie die unglaublichsten Dinge vor unserem inneren Auge erschaffen kann. Der Verlag ArsEdition hat der „Schneekönigin“, einem der bekanntesten Märchen von H.C. Andersen, mit den bezaubernden Illustrationen von Tonya Goranova ein neues Gewand gegeben.

Und so beginnt die Geschichte mit der List des Teufels, der Splitter seines Spiegels auf die Erde fallen lässt. Und ein jeder, den der Splitter trifft, wird blind für die Liebe, macht ihn kalt und herzlos. Auch den kleinen Kay, unzertrennlich mit seiner Freundin Gerda verbunden, trifft ein solcher Splitter im Auge. Sein Herz erfriert daraufhin zu Eis und Gerda muss mit ansehen, wie ihr geliebter Freund ein ganz anderer wird. Kay wendet sich von Gerda ab.

Kay begegnet der schönen Schneekönigin und fliegt mit ihr auf ihr Schloss. Hier ist alles kalt- es gibt keine Fröhlichkeit- er ist allein, spürt aber die Kälte nicht, da ihn die Schneekönigin verzaubert hat. Er kann seine Freiheit wiedergewinnen, wenn er das wichtige Wort für sie findet. Aber er versagt.

Seit seinem Verschwinden sucht ihn seine Freundin Gerda unbeirrt weiter und macht sich auf einen langen und gefährlichen Weg. Sie begegnet einer alten Frau, die zaubern kann und gut zu ihr ist, doch sie will Gerda nicht mehr fortlassen und sorgt dafür, dass Gerda das Ziel ihrer Reise vergisst. Doch dann entdeckt sie trotz grösster Bemühungen der alten Frau doch eine Rose, die sie an die schönen Tage und die innige Freundschaft mit ihrem Kay erinnert. Wieder begibt sich Gerda auf die Suche. Von einer klugen Krähe wird sie zu einem Schloss einer Prinzessin geführt, die mit einem Prinzen zusammenlebt, auf dessen Beschreibung die von Kay passt. Doch Gerda wird enttäuscht. Das königliche Paar hat Mitleid mit dem Mädchen und schenkt ihr warme Kleidung und ein prächtiges Pferd für die weitere Reise. Schon bald wird sie von wilden Räubern gefangen – wäre nicht das Räubermädchen gewesen, hätte Gerda ein böses Ende gedroht. Gerda berichtet dem rohen Räubermädchen von ihrem Liebsten und die zeigt sogleich ihre weiche Seite, indem sie Gerda ihr liebstes Rentier schenkt, damit es sie nach Lappland führt, wo die Schneekönigin ihr Sommerschloss hat.

Mit grossem Mut betritt Gerda schließlich das eisige Schloss und begrüsst mit überschwänglicher Freude ihren Kay. Dieser jedoch zeigt keine Regung. Erst als ihre Tränen an sein Herz dringen, löst sich der Eisklumpen in seinem Herzen auf. Gerda singt ihr gemeinsames Lied und Kay weint so sehr, dass der teuflische Splitter aus seinem Auge fortgespült wird. Gemeinsam und überglücklich machen sie sich auf den Heimweg, gehen durch den Frühling hindurch bis hin zu ihrer Stadt und stellen bei ihrer Heimkehr fest, dass viel Zeit vergangen ist und sie nun keine Kinder mehr sind.

Die Schneekönigin ist eines der vielschichtigsten und längsten Märchen des dänischen Dichters.
Andersen`s berühmte Märchen, die eine so starke Anziehungskraft auf viele Kindergenerationen hatten, dass sie auch heute noch weithin bekannt sind, sprechen stets eine doppelbödige Sprache. Sie schildern nahe am Schönen und Guten auch gleichzeitig das Grausame und verbergen kaum die Tragik, die ihren Protagonisten widerfährt. Wie auch in ihrem Erschaffer selbst, liegt in ihnen auch immer eine tragische Seite. So sehen wir in der „Schneekönigin“ viel hingebungsvolle Liebe aber erleben auch so viel Kälte, dass man beim Lesen erschauern mag. Auch wenn Gerda und Kay am Ende ein glückliches Ende erwartet, so scheint es wieder einmal typisch für den dänischen Dichter, dass die beiden Kinder über die Überwindung ihres Schicksals ihre Jugend verloren haben. Auch für die kluge Krähe nimmt es kein gutes Ende. Andersen macht es uns nicht immer einfach und die Hoffnung auf eine Märchenwelt, in der stets das Gute siegt, wird allzu oft enttäuscht – aber im Grossen und Ganzen trifft dies nicht für die Schneekönigin zu, denn es gelingt den Kindern doch letztlich, dem bösen Zauber zu entkommen und der Liebe wieder Macht zu verleihen.

Gisela Stottele erzählt die Geschichte der Schneekönigin in zeitgemässem Stil nach, unterteilt sie dabei in sieben Kapitel, die jede für sich vorgelesen werden können. Wie auch im Original, schafft es die tragisch-schöne Geschichte uns zu packen, wir leiden und freuen uns mit- sie ist spannend, gruselig und endet schliesslich mit einem glücklichen Ende, in dem das tapfere Mädchen für ihre Treue und ihren Glauben an ihre grosse Liebe belohnt wird. Die moderne aber dennoch poetisch- phantasievolle, sehr ausführlich beschreibende Sprache, basierend auf das Original von H.C. Andersen, stellt eine gelungene Mischung aus erzählendem Text und den Dialogen dar und lässt den Zuhörer leicht in die Geschichte gleiten.

Gisela Stottele und Tonya Goranova haben schon des öfteren erfolgreich zusammengearbeitet. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch mit diesem Buch einen gelungenen Beitrag für die Wiederbelebung des „alten“ Märchen geschaffen haben.

Tonya Goranovas Illustrationen erstrecken sich oftmals vollflächig über die gesamten Doppelseiten, in denen die Textblöcke dezent integriert sind.

Die mystische Welt, in der die Schneekönigin herrscht, wird durch die mehrfach national und international ausgezeichnete Illustratorin aus Bulgarien sehr kunstvoll und atmosphärisch in Szene gesetzt. Die Schönheit der Schneekönigin, die klirrende Kälte im Schloss sind mit feinstem Strich angelegt, sodass man fast selbst zu frösteln anfängt. Im Kontrast dazu, die wunderschönen lichtdurchfluteten Bilder im Blumengarten der alten Zauberfrau oder, stimmungsvoll, am Räuberlager. Auf dem Abschlussbild sieht man die beiden Protagonisten im herrlichsten Frühlingsgrün unter einem schattenspendenden Baum sitzen.

Die Figur des Teufels, ganz zu Anfang, wirkt wahrlich dämonisch. Tonya Goranova spielt aber auch mit Collagen, indem sie Fotos vom zerbrochenen Teufelsspiegel oder eine Rose zum Ende hin mit einfliessen lässt. Bestechend bei allen Illustrationen ist aber die wunderbare Art und Weise wie Tonya Goranova Lichtquellen einsetzt, Licht in Szene setzt, und so Emotionen beim Betrachter auslöst.

Fazit:

Die stimmungsvollen Bilder von der erfolgreichen Illustratorin Tonya Goranova und die überzeugende Nacherzählung von Gisela Stottele zeichnen dieses Buch aus und machen es zu einem zauberhaften Geschenk für Kinder und Erwachsene. Hier wurde ein echter „Klassiker“ auf überzeugende Weise in die heutige Zeit transportiert, ohne seinen Ursprung zu verfälschen.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Ingo Schuetz meint:
Dieses Märchen hat sehr krasse Bilder, so gibt es ein grausames Räubermädchen, das ein Renntier quält und auch Gerda selbst mit einem langen scharfen Messer bedroht. Wie Kay durch einen Kuss der bösen Schneekönigin ein vereistes Herz bekommt ist sehr dramatisch geschildert und lässt Erwachsene erschauden. Deshalb empfiehlt es sich erst ab Ende der Grundschulzeit dieses Märchen zu lesen. So wie auch andere Märchen von Andersen handelt es sich nicht um ein Ammenmärchen für kleine Kinder geschrieben sondern um ein Kunstmärchen das auch Erwachsene Themen behandelt.
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