Inhalt überspringen

Buchcover: Anne Fine: Tagebuch einer Killerkatze

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Tagebuch einer Killerkatze von Anne Fine

erschienen bei Moritz

geeignet für Kinder im Alter ab 5 Jahren

in mein Bücherregal

Kuschel ist eine Katze und trotz des kuscheligen Namens eine ziemlich rabiate, ein kleines Raubtier eben. Und sie schreibt Tagebuch. Fiktiv natürlich, aber sehr ehrlich: „Ja ich hab den Vogel getötet. Du lieber Himmel, ich bin nun mal eine Katze“ – und es sich auch nicht nehmen lässt, bei der von der kleinen Ellie arrangierten Beerdigung dabei zu sein. „Immerhin habe ich den Vogel länger gekannt als irgendeiner. Ich kannte ihn schon als er noch lebte.“

Wer Bücher, Katzen und schrägen, leicht plakativen Humor mag, kann schon am Titelbild nicht vorbeigehen ohne sich in dieses Buch zu verlieben. Zwar ist vorne drauf nicht viel mehr als besagte Kuschel-Katze – aber ein Blick aus den von Grüffelo-Erfinder Axel Scheffler geschaffenen Augen sagt mehr als tausend andere Worte und Bilder: Kuschel ist genau das flauschig-süße kleine Raubtier mit Sinn für schwarzen Humor, als das sie sich dann mit den ersten Worten vorstellt.

Kuschel schreibt Tagebuch – oder besser natürlich: die Autorin lässt die Katze Tagebuch schreiben. Dabei gelingt ihr das kleine Kunststück, ein Tier nicht einfach nur in eine lustige Protagonistenrolle zu stecken, sondern beide Welten, die der Menschen und die der Katze, nebeneinander bestehen zu lassen. Natürlich, was eine echte Katze wirklich sagen würde, werden wir niemals erfahren. Aber dass beide Sichtweisen da sind – die zufriedene Katze mit dem toten Vogel, das traurige Mädchen, das die Katze jetzt erst mal saubermachen muss; und trösten, dass ihr „schon wieder so was passiert ist“ – erzeugt nicht nur viel Situationskomik, sondern auch Erkenntnisgewinn. Und alles so leichtfüßig geschrieben, wie es eben nur eine Katze kann, die eigentlich ja nur ihre Abenteuer schildern will.

Kapitelweise, Tag für Tag, jedes ein für Lesenanfänger leichtes und passend langes Kapitel mit lockerer großer Schrift. Oder auch zum Vorlesen in einem Schwung, denn einmal angefangen, will man nicht wieder aufhören.

Kuschel jagt fröhlich Vögel, buddelt Löcher ins Blumenbeet, schleppt tote Mäuse an und lässt sich dafür gewohnheitsmäßig ausschimpfen. Und dann passiert es: „Okay,Okay. Ich will versuchen, das mit dem Hasen zu erklären. Erst mal hat es glaube ich niemand so richtig zu würdigen gewusst, dass ich ihn durch die Katzenklappe gekriegt habe. Ganz schön schwierig war das, kann ich euch sagen. Fast eine Stunde hat es gedauert. Richtig fett war der, eher ein Schwein als ein Hase, wenn ihr mich fragt. Aber nicht, dass meine Meinung irgendjemand interessiert hätte. Sie sind ausgerastet: “Das ist ja Hoppel„, schrie Ellie, “Hoppel von nebenan.„ Ellies Mutter starrte mich an: “Wie kriegt eine Katze nur so was fertig?„ fragte sie. “Ich meine, das ist ja kein Vögelchen oder eine Maus oder so. Der Hase ist genauso groß wie Kuschel und einer so fett wie der andere.„ Reizend. Wirklich reizend. Und das ist meine Familie, wie ich betonen möchte, naja, Ellies Familie. Aber ihr versteht schon.“

In diesem Stil geht es weiter, verwickelt sich durch die versuchte Schadensbegrenzung noch mehr und löst sich skurril und lustig auf. Denn Hoppel ist zwar tot, aber das ist nicht Kuschels Schuld. „Er war ja auch mein Freund, ich kannte ihn gut, er wohnte schon so viele Jahre neben uns.“

Die Bilder sind grandios, Kuschels Familie und natürlich Kuschel, einerseits typisch Katze, andererseits mit einer Mimik, die Bände spricht, egal ob er sich dickfellig die Moralpredigten seiner Familie anhört, mit Unschuldsmiene auf Essenklau geht, tiefbeleidigt vor der dann irgendwann zugenagelten Katzenklappe sitzt oder vor Angst beim Tierarzt Wütendsein spielt und die Krallen ausfährt.

Das Hörbuch ist nicht weniger großartig, gelesen von Mechthild Großmann; und einen zweiten Teil gibt es auch bereits. Darin fährt Kuschels Familie in die Ferien, und während Kuschel sich auf die Freiheit freut, versucht der Katzensitter Pfarrer Barnham seinen Job als Katzensitter möglichst gut zu machen: „Nicht auf dem Sofa herumlümmeln, Kuschel! Nicht die Möbel zerkratzen! Erst das alte Futter auffressen!“ Und so weiter.

Schön, wenn es noch weiter ginge. Noch mehr gäbe, noch mehr Folgen, ein Buch über Kuschels Kindheit oder die Zeit, als Hoppel noch lebte, Kartenspiele, Familienkalender, eine eigene Kika-Serie, Kuschel als Stofftier und der fette Hoppel auch, Bettwäsche, Brotdosen & und irgendwann würde jeder und jede Kuschel kennen und auch seinen Standardsatz „Ok, ok, hängt mich ruhig auf“. Kuschel goes Klassiker, ich fände es gut.

Fazit:

Kuschel und ihr Tagebuch ist ein Muss für alle Fans von Axel Scheffler und für Katzenfans sowieso. Aber auch wer keine Katzen mag, Axel Scheffler nicht kennt und auch (noch) nicht gerne liest, sollte es unbedingt mal versuchen. Die lustige und tiefsinnige, leseleichte Story kann man nur mögen.

Sigrid Tinz

Meinungen zu diesem Buch

Ihre Meinung zu diesem Buch

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2017 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.