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Buchcover: Pierdomenico Baccalario: Will Moogleys Geisteragentur

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Will Moogleys Geisteragentur von Pierdomenico Baccalario

erschienen bei Cbj-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 9 Jahren]

Willard Moogley, seines Zeichens Jungunternehmer im Geistergewerbe, hat schon bessere Tage gesehen. Nachdem er die Agentur von seinem Onkel Alvin geerbt hat, laufen die Geschäfte nicht mehr gut und die Geister sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Doch dann erscheint ein Silberstreif Hoffnung am Horizont. Die Hotelkette „Scary Inn“ sucht einen wirklich überwältigend guten Spuk für seine Gäste. Will hat auch schon eine Idee: Ein Massenspuk …

Will lebt im 29. Stockwerkt eines Hochhauses in einer chaotischen Wohnung, gleich unter der Spitze des Blitzableiters. Seine einzigen Mitbewohner sind die beiden stets verschollenen Schildkröten Blitz und Donner sowie der Papagei „Haltdieklappe“ der seinem Besitzer ständig eben die Worte zurückwirft, die der er selbst wohl am häufigsten von ihm hört: „Undwenschertdas!“. Wills Haupternährung scheint aus einem Schokoladenpudding mit dem Produktnamen „Double-Choco-Shock“ zu bestehen und der ist ihm gerade aus gegangen.

Will hat einen miesen Tag – das einzige, was ihn noch aufheitern könnte, wäre eine Begegnung mit der zauberhaften Susan aus dem zweiten Stock; doch es ist Tupper, sein einziger Freund, der ihn – dem kapputten Aufzug zum Trotz – besucht. Wie alles, was Tupper beeindruckt, bekommt auch dieser meise Tag die Auszeichnung „Synchrotronisch“, denn auch Wills letzter Geister-Auftrag ist ziemlich daneben gegangen.

Wills Kartei, die er ebenfalls von Onkel Alvin und dessen Vorfahren geerbt hat, füllen zahlreiche „Totenläufe“ der Geister, die für das Ectoplasma, das die Agentur Moogley zur äußersten Zufriedenheit herstellt, so manchen Auftrag übernehmen. Dumm nur, wenn aus einem furchteinflößenden Krieger ein Break-Dance-Begeisterter wird, der die Nächte lieber durchtanzt, statt Menschen zu erschrecken. Im „Geisterkurier“ fündig geworden, erzählt Tupper Will, dass die Eigentümer der Hotelkette „Scary Inn“ ein Luxushotel eröffnen werden, in dem sich wohlhabende Gäste gruseln möchten. Tupper ist bereits Feuer und Flamme für das Projekt, doch Will bleibt skeptisch; erst als er mit Tupper Unmengen von „Double-Choco-Shocks“ einkauft kommt ihm die Erleuchtung: Ein Massenspuk muss her. Doch wie stellt man das an? Nach langem Suchen – unter den Sofakissen nämlich – finden sie endlich die richtigen Aufzeichnungen und entdecken, dass zu diesem Phänomen die beiden „Spiritistischen Knüppel“ vonnöten sind. Doch wo mögen die zu finden sein? In einem Ritual, bei dem es freilich nicht darum geht, dass Tupper mit seinem Kopf gegen einen riesigen Gong rennt – was Will aber wiederum eine diebische Freude bereitet – rufen sie Onkel Alvin aus dem Reich der Toten.

Nachdem Onkel Alvin beim Auffinden der besagten Knüppel tatsächlich hilfreich war, ist Will sich sicher, dass er dem aufgeblasenen und erfolgsverwöhnten Adam Fullerton die Stirn bieten kann. Die Agentur Fullerton bewirbt sich ebenfalls um den Spukauftrag und Adam Fullerton ist sich seiner Sache bereits mehr als sicher. Doch als Will vor Ort ist, hört er eigenartige Dinge über das Hotel, das auf einem ehemaligen Indianerfriedhof gebaut wurde. Zu seinem Verdruss erfährt er außerdem, dass sein Onkel Alvin bereits vor langer Zeit selbst an diesem Ort war und Erkundigungen eingeholt hat.

Wie es (fast) zu erwarten war, läuft Wills großer Auftritt vollkommen schief – es scheint, als habe Onkel Alvin sich mal wieder einen kleinen Scherz mit seinem Neffen erlaubt. Doch Will, so mies er auch drauf sein mag, gibt nicht so schnell auf und liefert am Ende eine Vorstellung, die bestimmt keiner der Beteiligten so schnell vergisst – am allerwenigsten Adam Fullerton.

Der italiensiche Autor Pierdomenico Baccalario, der auch unter dem Pseudonym „Ulysses Moore“ bekannt ist, gibt mit seinem ersten Band „Will Moogleys Geisteragentur – Unheimlichkeiten aller Art“ den Startschuss für eine neue, ziemilch „schräge“ Kinderbuchreihe. Und in der Tat ist diesem ersten Abenteuer, in dem wir hauptsächlich Will und einige seiner höchst eigenwilligen Begleiter kennen lernen, die Basis für eine kontinuierliche Fortführung dieser Geschichte anzumerken. Hinweis darauf, dass noch längst nicht alles über Will Moogleys Geisteragentur erzählt ist, sind auch die Zeichnungen und Benennungen der Geister auf dem Vorsatzpapier des Buches sowie der Personen auf den Anfangsseiten – aber auch die Auflistung der Ausstattung der Geisteragentur zeigt noch vieles, das in diesem Buch noch nicht erwähnt wurde.

Insgesamt sind die Illustrationen von Matteao Piana wirklich erwähnenswert, denn sie sind durch die feine Strichtechnik in schwarzweiß sehr aussagekräftig. Mal realitätsnah, wenn man Will im Regen stehend sieht, während er auf den alten Mercedes seines schrulligen Freundes aus dem Musikladen wartet, mal sind sie – wie bei der Darstellung der einzelnen Geister – witzig und ähneln eher Cartoons. Wunderbar versteht es Piana Körperhaltung und Mimik wieder zu geben. So sind die Illustrationen nicht nur motivierend sondern auch echte Hingucker für die Kinder.

Der Protagonist, Will, der nun wirklich nicht zu der Gewinnerseite gehört, ist ein – wie könnte er auch anders sein in diesem Geschäft – unkonventioneller Zeitgenosse, der sich nicht so schnell bange machen lässt. Dies wird auch durch Baccalarios witzige und lockere Betrachtungs- und Erzählweise unterstützt. Zwar streut er auch so manch ernsthafte Begebenheiten ein, doch alles in allem bleibt er auf dem zotigen Niveau, das Kinder – besonders Jungs – ab 9 Jahren auf jeden Fall bestens unterhalten wird. Baccalarios Sprache ist ebenso fantasievoll, wie auch seine Kreativität bei der Gestaltung seiner Charaktere beeindruckend ist. Dabei ist sein Ausdruck keineswegs anspruchslos, im Gegenteil. Neunjährigen Lesern wird schon einiges an Aufmerksamkeit und Kombinationsgabe abverlangt. Baccalario bedient sich überdies eines Genres, das in der Kinderliteratur nie wirklich aus der Mode gekommen ist und schon immer die Fantasie der Kinder angeregt hat. Er würzt seine Geisterwelt mit allerlei Zutaten und Eigenheiten, die durchaus originell und ausbaufähig sind.

Ein wenig Nervenkitzel bleibt trotz der turbulenten und gar nicht trübsinnigen Geistergeschichte – etwa, wenn Will einem Geist begegnet und es erst viel später bemerkt, oder als Will seinen gnadenlosen Plan geschickt und ohne Pannen umsetzt. Geschickt führt Baccalario seinen ersten Band einem überraschenden „Show-Down“ entgegen, so dass diese erste Episode einen gelungenen Abschluss findet aber auf jeden Fall Appetit auf mehr Geschichten von Will Moogleys Geisteragentur macht.

Fazit:

Witzig, fantasievoll und leichtgängig unterhält Pierdomenico Baccalario seine Leser auf einem Niveau, das nicht nur die Lachmuskeln, sondern auch die Vorstellungskraft fordert. Ein durchweg gelungener Einstieg in eine neue und originelle Buchreihe.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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