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Buchcover: Delphine Badreddine: Entdecke den Körper - Meyers kleine Kinderbibliothek

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Entdecke den Körper - Meyers kleine Kinderbibliothek von Delphine Badreddine

erschienen bei Meyers Lexikonverlag

geeignet für Kinder im Alter ab 2 Jahren

in mein Bücherregal

„Vor der Geburt“, „Vom Wachsen und Älter werden“, „Gefühle“ oder „Schnell zum Arzt“ so lauten die Kapitel zum Beispiel in diesem Klapp-Sach-Bilderbuch, das Kindern spielerische Antworten auf alle möglichen Fragen rund um ihren Körper geben will.

Die Reihe „Meyers kleine Kinderbibliothek“ ist eine Marke und steht für erstes Sachwissen für Kinder. Typisch sind der dicke Ringbuchrücken, die transparenten Folien, die beim Umblättern das Innenleben von Dingen oder Veränderungen im Laufe der Zeit. Es gibt weit über hundert Titel, sie reichen vom „Weltall“ bis zum „Zoo in der Nacht“, vom „Apfel“ bis zum „Dinosaurier“, von der „Ritterburg“ bis zur „Baustelle“. Und schon für viele kleine Kinder ist das Buch zu ihrem Lieblingsthema ein heiß geliebter Schatz, den sie sich gerne von Mama, Papa, Oma, Erzieherin vorlesen lassen und in dem sie auch alleine wieder und wieder herumblättern.

Ganz neu ist Entdecke den Körper: es geht um Organe, Knochen, Ernährung, Gefühle, Krank- und Gesundheit, um Babys im Bauch, ums Wachsen und Lernen, um Haar- und Hautfarben, um Essen, Schlafen, Bewegung, Spielen, um was man mit einem Körper sonst so alles machen kann – und auch um das, was „der Arzt“ so alles kann und muss, sollte der Körper mal Hilfe brauchen.

Das Format ist viel größer als üblich, fast Din A4; und zusätzlich zu den Transparentfolien gibt es jede Menge Um- und Aufklappseiten und Schiebe- und Ziehelemente – 40 Stück davon verheißt uns das Titelbild insgesamt: Steckkarten, mit denen man Gesichtern Haar- und Hautfarbe wechseln kann, Zöpfe zum Ausziehen, Gucklöcher und halbierte Seiten, Wechselbilder die mit einem Ruck in eine andere Szene umklappen, Kinder, die sich mit Schiebeschienen an- und ausziehen lassen...
 …die leider dem handfesten Zugriff von Dreijährigen (ab diesem Alter ist das Buch ausdrücklich empfohlen) nicht lange gewachsen sind. Und manchmal auch nur sehr, sehr kurz. Die gestanzten Klappen reißen schon beim ersten Öffnen ein, die frei beweglichen Haar- und Hautkärtchen verschwinden auf Nimmerwiedersehen in der Sofaritze.

Ich könnte vorschlagen, dieses Buch kleinen Kindern nur unter Aufsicht vorzulesen und unter der Bedingung, dass der Erwachsene die Klappen bedient. Dann ist es aber kein Spaß mehr, denn den Kleinen geht es ums Fummeln in diesem Alter; ob dann ein Schweinchen hinter der Stalltür auftaucht oder ein Gehirn hinterm Schädeldach ist zweitrangig.

Ich könnte vorschlagen, die Altersempfehlung hochzusetzen. Dann halten die beweglichen Elemente länger – aber: es stellt sich raus, dass die „zentralen Fragen“, auf die das Buch „spielerisch Antwort“ geben will, auch für ältere Kinder nicht wirklich zentral sind. Über den beliebten Themenkomplex „Pippi-Kacka & Co.“ zum Beispiel steht nichts im Buch. Das Meiste dreht sich um das, was wohlmeinende sendungsbewusste Erwachsene für zentral halten: Gesundheit. „Damit du laufen, sprechen, nachdenken kannst, braucht dein Körper Energie. Diese nimmst du mit der Nahrung auf. Um gesund zu bleiben, solltest du möglichst unterschiedliche Sachen essen und trinken.“ Oder: „Man muss schlafen um sich zu erholen und nachdem du dich länger still und ruhig beschäftigt hast, braucht dein Körper wieder Bewegung“ Oder: „Was dein Körper alles kann!“ Jetzt folgen zahlreiche Aufklappseiten, hinter denen ein Kind malt, rennt, rollert, jongliert, hüpft, musiziert usw. Und dann noch der altväterliche Rat: „Mit ein bisschen Übung kannst du viele tolle Sachen erlernen!“

Die Bildsprache passt zu diesem betulichen Stil: die Mädchen haben Kleidchen und Röckchen an, machen Musik oder malen; die Jungs haben kurze Haare und Hosen und sind zuständig für die Ballspiele. Alle Kinder sind fröhlich und lebendig, anstellig beim Arzt, brav bei der Ausruhstunde auf den Turnmatten, eifrig beim gesunden Essen, Spiel und Sport. Keins ist wild, faul oder frech. Irgendwie schaurig: der kindliche Körper als gut zu wartendes Teilchen in der großen Gesellschaftsmaschinerie. Die meisten Kinder finden das Buch einfach nur langweilig. Ehrliche Einschätzung? Zum Glück.

Fazit:

Es gibt Gesundheits- und Aufklärungsbücher, die Kinder nicht mehr aus der Hand geben, weil sie tief in die Pippi-Kacka-Wo kommen die Kinder her-Thematik" einsteigen, weil darin schonungslos gepiekt, gegipst und operiert wird, weil sie sich, bildlich gesprochen, auf die Knie begeben und auf Augenhöhe Fragen beantworten die wirklich zentral für Kinder sind – dieses gehört leider nicht dazu.

Sigrid Tinz, November 2014

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