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Buchcover: Helga Bansch: Mäuseplage

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Mäuseplage von Helga Bansch

erschienen bei Jungbrunnen

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Der Herbst ist da und mit ihm das herbstlich-kühlere Wetter: „Ungeziefer“ zieht es in warme Stuben – so auch bei Frau Sommer. Sie will den frechen Eindringlingen Einhalt gebieten und ist dabei äußerst erfinderisch. Wer schließlich vor wem Reißaus nimmt und welches versöhnliche Ende die Autorin erdacht hat erhellt so manchen trüben Herbsttag …

Am Anfang der Geschichte wettert die grimmig dreinschauende rothaarige Frau Sommer voller Abscheu gegen die ungebetenen Gäste in ihrem idyllischen Landhäuschen: die alljährliche Mäuseplage setzt ein. Dem kann die tatkräftige und auf Reinlichkeit bedachte Frau nicht tatenlos zusehen! Ihre Ratlosigkeit hält nicht lange an, sie greift zu verführerisch duftenden Käsefallen, verstopft akribisch alle Ritzen im Haus und verpackt alles Eßbare aufwendig in Extra-Schachteln und -Säcke. – Umsonst! Stets findet sie ihren Köder-Käse vernascht und die Fallen leer vor, die Säcke und Schachteln zieren Löcher. Die nächste „Super“-Idee: ein Bewegungsmelder samt Sirene, der dann aber noch nur den kostbaren Nachtschlaf im 5-Minuten-Takt zerfetzt und keinen erhaschten Mäuseschwanz sondern lediglich morgendliche Übellaunigkeit garantiert.

Frau Sommer ist am Verzweifeln und wird daher radikaler: tödliches Gift soll dem üblen Tauziehen ein wirklich endgültiges Ende bereiten. Doch erneut geht die Rechnung nicht auf. Die schlauen Winzlinge rühren das Gift nicht an und hinterlassen weiterhin unappetitliche Häufchen. Der Nager-Plage und Putz-Orgien allmählich völlig überdrüssig, beschafft die arme Frau schließlich ein Kätzchen. Leider ist es zu jung um furchterregend auf die sich stetig vergrößernde Mäuse-Schar zu wirken, ja es wird gar selbst eingeschüchtert. Schließlich weiß sich die geplagte Hausherrin keinen anderen Rat und wählt samt Kätzchen die Flucht in ein Stadt-Asyl. Dort erscheint zunächst dank der Abwesenheit von Mäusen alles nahezu perfekt – endlich die ersehnte Ruhe und keine ungebetenen Gäste in Küche und Speisekammer!

Die vielen Menschen und Autos, der Asphalt und Beton stimmen Frau Sommer jedoch traurig. Wo sind die Gemüsebeete und der Apfelbaum? Wie vermißt sie die zwitschernden Vögel vor ihrem Fenster! Als die Mäusehasserin sich schließlich beim Taubenfüttern im Park ertappt, ist der Schritt zurück in ihr altes Reich gar nicht mehr undenkbar. Gedacht, getan. Die Mäusegroßfamilie staunt nicht schlecht, als der überraschende Wieder-Einzug ihrer Ex-Feindin eine von allen unerwartete Wendung bringt. Nicht gerade mit weißer Fahne, wohl aber mit einer Brotbröselspur wird Frau Sommer zur diplomatischen Umzugsbegleiterin der Nager-Bande. Mit Kind und Kegel, Handwagen und Daunenbett schlagen die Langschwänze ihr Quartier nun im nahegelegenen Schuppen auf. Großmütig erhalten sie auch dort ihre tägliche Leckerbissen-Ration von der geläuterten Frau Sommer, die selig ihr Häuschen wieder in Besitz nimmt.

Helga Bansch skizziert sowohl die zunehmende Plage als auch Frau Sommers Gedankengänge sehr plastisch nachvollziehbar. Gekonnt bringt sie unter Verwendung von umgangssprachlichen Redewendungen und wörtlicher Rede die sich steigernde Verärgerung auf den Punkt. So versteht der Leser sehr gut, warum die Heldin „kummervoll seufzt“, „grießgrämig ihren Koffer packt“, „sich grün und blau ärgert“ oder sich „diebisch freut“. So nah an der Alltagssprache orientiert und dabei mit neuen interessanten Wendungen gespickt, bereichert diese Sprachwahl ganz sicher den Kinderwortschatz. Der Spannungsbogen ist geschickt entwickelt, schließlich kann die Geschichte mit der Kapitulation durch Auszug in eine Stadtwohnung doch wohl nicht enden? Die unerwartete Wendung überrascht und versöhnt zugleich, eben weil sie nicht die einzig denkbare Alternative gewesen wäre.

Ein trickreicher Hingucker sind neben den ansprechenden Illustrationen auch die am unteren Bildrand eingefügten Textschnipsel, die wie Bildunterschriften in einem Zeitungsartikel wirken und das Geschehen teilweise zusammenfassen oder Frau Sommers Gemütszustand wiedergeben und zum nächsten Handlungsschritt überleiten. Erzählen statt Vorlesen wenn´s schnell gehen soll oder die Zuhörerschar es wünscht?!

Ein toller Auftakt ist schon die Illustration im Innendeckel: das schrittweise Verschwinden eines appetitlichen rotbackigen Apfels mit einem augenscheinlich wohlig gesättigten Mäuschen als Schlußbild. Einfalls- und detailreich die Mäusefamilie mit Sack und Pack beim Einzug oder auf den verwegenen Beutezügen. Besonders gelungen ist der an Trickfilmeinstellungen angelehnte Perspektivwechsel. Frau Sommer erscheint so aus Mäusesicht oft riesengroß und wird vom Fußboden aus, vom Tisch herab usw. betrachtet.
In zarten bis kräftigen Pastelltönen gehalten, entsteht ein idealer Hintergrund vor dem sich die frechen Eindringlinge kontrastfarbig bunt und munter tummeln können. Ungewöhnlich ist auch die kaum bemerkbare Einfügung von Collage-Elementen, wie z.B. Packpapier als Parkweg, Millimeter-Papier als Tischdecken oder kariertes Schreibpapier als Kachelfußboden, das alles in harmonischer Einheit mit dem Satz der Textzeilen. Selten findet man Illustratorin und Texterin in einer Person so optimal vereint wie in der vielfach mit österreichischen Illustration- und Kinderbuchpreisen ausgezeichneten Helga Bansch. Davon sähen wir gerne mehr.

Fazit:

Ein vergnügliches Plädoyer für ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Tier, das zahlreiche Entdeckungen in Bild und Schrift für trüber werdende Herbst- und Wintertage bietet.

Silvia Ströhmann

 

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