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Buchcover: Rolf Barth: Herr Wolke und der 1. FC Toby

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Herr Wolke und der 1. FC Toby von Rolf Barth

erschienen bei Traumsalon edition

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Wäre es nicht prima, wenn es für kleine Zahnputzmuffel ein Patentrezept gäbe, um ihnen die Bedeutung der Zahnreinigung überzeugend zu vermitteln? Mal sehen, ob Herr Wolke dem kleinen Toby sanft auf den Zahn fühlen kann – immerhin sitzt der gerade beim Zahnarzt.

Herr Wolke sitzt in seinem Baumhaus und beobachtet den Himmel. In einer vorüber ziehenden Wolke entdeckt er Toby, der mit Zahnschmerzen das Fußballfeld verlassen muss und zum Zahnarzt Doktor Papille geht. Um sich abzulenken, liest Toby in einem Buch und erfährt dort von Herrn Wolke, der immer da auftaucht, wo Kinder seine Hilfe benötigen. Als Toby schließlich aufgerufen wird und erfährt, dass sein Zahn in Ordnung gebracht werden muss, denkt er wieder an Herrn Wolke.

Der erkennt am Himmel unter den zahlreichen Wolken eine regenbogenfarbene und weiß sofort, dass ein Kind seine Hilfe braucht. Auf einer Schäfchenwolke fliegt er zu Toby ins Behandlungszimmer. Der ist überrascht und zugleich froh, nicht mehr den Doktor, sondern Herrn Wolke vor sich zu sehen. Herr Wolke teilt Toby sogleich mit, dass sie nun mit Hilfe seines Traumzaubersalzes eine Reise zu Tobys Zähnen unternehmen werden. Das Traumzaubersalz muss Toby auf seiner Nase verreiben. Die Zeit springt ein Jahr zurück und Toby ist kleiner als seine Zähne – seine Zahnschmerzen sind auch verschwunden; schließlich waren seine Zähne mit fünf Jahren noch in Ordnung. Herr Wolke erklärt, dass Toby seine Zähne als Fußballmannschaft verstehen soll, die beim Gummibärenessen ganz schön ins Schwitzen kommt und dringend geduscht werden muss. Das versteht Toby und verspricht von nun an, regelmäßig seine Zähne zu putzen – natürlich mit Erdbeerzahncreme.

Die Wirkung des Traumzaubersalzes lässt nach und Toby sieht wieder Doktor Papille vor sich, der sich sofort daran macht, den Torwart in Tobys Zahn das Loch im Trikot zu flicken. Wieder in seinem Baumhaus, sieht Herr Wolke Toby als Torschütze in einem Fußballspiel, lächelt zufrieden und schläft ein.

Rolf Barths bunte Erzählung setzt ganz auf einen leichten humorvollen Unterton und eine ordentliche Portion Phantasie, um der Thematik ihre „gesundheitliche Ernsthaftigkeit“ zu nehmen. Das gelingt vor allem mit der Sympathiefigur Herr Wolke, der sich mit seinem Herz für Kinder und seiner Clownhaften Erscheinung (und den es übrigens auch real zu erleben gibt) schnell Gehör und Aufmerksamkeit verschafft. Lediglich diese Hauptfigur wird dann auch mit einem Foto des Kopfes als Realbild in die Illustrationen integriert und damit deutlich betont.

Die gesamte Geschichte wirkt, bei aller Unterhaltung und Kurzweil, passend gemacht. Alle Handlungskomponenten werden zumeist oberflächlich zusammengeführt und das Erzähltempo ist streckenweise überhastet. Gerade der Aspekt des „Mannschaftsgedankens“ wird leider nur sehr fade ausgearbeitet. Den Zähnen werden lediglich Spielerfunktionen zugeschrieben – das war es. Die ansonsten zumindest farbenfrohen und unterhaltsamen Bilder liefern dazu dann ein derart chaotisches und buntes Durcheinander, dass von Fußball – geschweige denn von einem Team – eigentlich gar nichts zu erkennen ist. Gerade hier hätten vielleicht in einem richtigen Fußballmatch Themen wie Zahnpflege, Zahnkrankheiten, Schmerzen und Zahnarzt zusammengeführt werden und in einen sinnvollen Kontext gebracht werden können. So bleibt es letztendlich für Kinder nur schwer verständlich, warum die Zähne einer Mannschaft entsprechen sollen. Das Argument, dass saubere Zähne besser als verschmutzte sind, funktioniert ja bei den eingangs erwähnten Putzmuffeln eben genau nicht. Warum es also leichter sein soll, wenn ich Zähne als Fußballmannschaft bezeichne, ohne sie als solche „erleben“ zu können, wird nicht gerade überzeugend vermittelt.

Fazit:

Dem Buch aus der „Traumsalon edition“ ist das Engagement, mit dem es Kinder die Angst vor dem Zahnarzt nehmen und bei ihnen generell um Bewusstsein für regelmäßige Zahnpflege wirbt, anzusehen. Bunte Bilder, ein witziger Clown als Sympathiefigur, Thema Fußball, Zaubersalz – das unterhaltsame Konzept scheint geradezu passend für die avisierte Zielgruppe. Jedoch wirkt der Mix genau durch die zahlreichen oberflächlich konstruierten Bausteine doch eher ideen- und kraftlos und trifft – um im passenden Wortlaut zu bleiben – den Nerv nicht immer. Aber vielleicht vermag der kleine Toby als Identifikationsfigur vor allem Fußballfans anzusprechen und ihnen etwas mehr Spaß beim Zähneputzen zu bereiten.

Stefanie Eckmann-Schmechta


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Petra Lauzi meint:
Diese Kritik von Frau Eckmann-Schmechta kann und will ich so nicht stehen lassen!
Dieses Buch gehört seit dem Erwerb zu der Lieblingslektüre meiner 7-jährigen Tochter, die sich an der ausgesprochen liebevoll gestalteten Figur des Herrn Wolke und des kleinen Toby, der alle Facetten eines kleinen Jungen zeigt(von ängstlich, übermütig,schmerzerfüllt und unendlich erleichtert)erfreut.In diesem Buch wird auf sehr einfühlsame Weise ein eher nüchernes Thema aufbereitet und den Kindern nahe gebracht.Man merkt dem Autor an, dass er Kinder versteht,sie mit ihren Bedürfnissen und Ängsten ernst nimmt und sie phantasievoll in ihren Alltagssituationen begleitet.
Die Idee und die Wirkung des Traumzaubersalzes auf meine Tochter und mich in der Realität möchte ich ihnen gerne schildern:
Ich habe panische Angst vor jedem Zahnarztbesuch und meine Tochter weiß das und versucht mich vorher immer ein Stück zu beruhigen.Diesmal nicht.
Aber als ich mein Kassenkärtchen aus meiner Handtasche fischen wollte, fand ich stattdessen unseren Salzstreuer mit einem Aufkleber, auf dem mit krakeliger,ungeübter Schrift" Traumzaubersalz" stand.Sie können sich vorstellen, dass Angst nun keinen Platz mehr hatte und ich sehr berührt war.
Ich bedanke mich bei dem Autor und dem Illustrator für dieses gelungene,phantasievolle und mit dem Herzen gestaltete Buch.
Erika Korent meint:
Ich möchte mich bei der Bewertung des Buches Frau Seyd anschließen. Kinderbücher mit dem mehr oder weniger pädagogisch erhobenen Zeigefinger kennen wir doch alle. Hier bei "Herr Wolke und der 1. FC Toby" wird ein weites Interessensfeld der Kinder (Fußball und gemeinsames Spielen) genutzt, um das evtl. lästige Zähneputzen interessant und einsehbar zu machen. Die Idee mit Herrn Wolke finde ich prima, da sie noch viele Möglichkeiten offen läßt. Mir gefällt dieses Buch!
Sandra David meint:
"Herr Wolke und der 1. FC Toby" ist sehr ansprechend illustriert, besonders die Idee Herrn Wolke ein reales Gesicht zu geben ist ein sehr witziger Einfall. Es wird auf eine einfühlsame und doch sehr humorvolle Art versucht den Kindern die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen. Zudem hat Herr Barth mit Herrn Wolke eine einzigartige Identifikationsfigur geschaffen, so sucht mein Sohn immer den Himmel nach der Schäfchenwolke ab.. Ich danke Ihnen für dieses wunderbare Buch!
Margarete Seyd (Dipl.Päd.) meint:
'Herr Wolke und der erste FC Toby' ist ein erfrischend 'unpädagogisches' Buch, dem es durch seine besondere Art von Fantasie und Humor gelingt, die Kinder zu fesseln und zum selber Erzählen zu animieren.
Die Geschichte ist lebendig erzählt und wird 'weitergeführt' durch die inspirierenden Bilder von Thorsten Droessler.
Dieses Buch hat etwas besonderes:
Gerade daduch, dass der Autor Rolf Barth die Geschichte nicht immer bis in jedes Detail selber erzählt - wie wir Erwachsenen es uns speziell in Lern- und Lehrzusammenhängen vielleicht wünschen - gibt er den Kindern einen Freiraum, den sie sofort nutzen, mit ihrer eigenen Fantasie und ihren selbst erlebten Geschichten aktiv einzusteigen.
Selten finde ich Bücher, in denen bei der Vermittlung von Wissen dem Eigenerleben der Kinder so vertraut wird, das es sozusagen ein Teil der erzählten Geschichte wird.
Selbstverständlich erfordert das Erwachsene, die bereit sind gemeinsam mit den Kindern zuzuhören und zu erzählen.
Vielen Dank für dieses animierende Buch, das meine Arbeit mit Kindern sehr bereichert hat!
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