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Buchcover: Michael G. Bauer: Nennt mich nicht Ismael!

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Nennt mich nicht Ismael! von Michael G. Bauer

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [03.2008]. Der 14-jährige Ismael Leseur wird fast täglich von dem Mitschüler Barry Bagsley gemobbt. Ismael, der die ständige Verballhornung seines Namens mittlerweile einfach hinnimmt, die Beleidigungen überhört und zusieht, dass er möglichst unsichtbar bleibt, ist davon überzeugt, dass eine Krankheit dafür verantwortlich ist. Und zwar eine Krankheit, die ihm zeit seines Lebens eine Peinlichkeit nach der anderen beschert: Das Ismael-Leseur-Syndrom …

Ismael hat ein ein ernstes Problem: Sein Name. Sein Vater hat ihn so genannt – nach einer berühmten Figur aus Herman Melvilles berühmten Roman „Moby-Dick“. Und die Geschichte, wie er zu diesem Namen gekommen ist, findet Ismael noch um einiges peinlicher. Es kommt ihm so vor, als hätte das Schicksal in dem Moment, als er auf den Namen Ismael getauft wurde, zugeschlagen. Dabei war es auf seiner alten Schule noch nicht so. Erst beim Wechsel in die St. Daniel´s Schule traf er auf Barry Bagsley und das Spießroutenlaufen begann. Immer in der Defensive, hat sich Ismael bereits einen festen Wochenplan ausgeklügelt, der die Begegnungen mit Barry auf ein Mindestmass reduziert. Doch eines Tages muss Ismael mit ansehen, wie die Gruppe um Barry einen kleinen Jungen drangsaliert. Wider „besseren Wissens“ mischt er sich eher zaghaft ein bringt jedoch die Gang dazu, ihre Aufmerksamkeit ganz auf ihn zu richten. So richtig hat er dem Jungen nicht geholfen, meint Ismael.

Alles ändert sich, als James Scobie in die Klasse kommt und ausgerechnet neben Ismael sitzen soll. Der kauzige kleine Kerl sieht so aus, als wäre er das perfekte Mobbing-Opfer der Barry Bagsley-Gang. Und so ist es auch – zunächst zumindest, denn James hat seit seiner schweren Operation, als ihm im Kopf ein Tumor entfernt wurde, vor rein gar nichts mehr Angst: Die Bande beisst sich an dem kleinen Kerl die Zähne aus. Wortgewaltig und ohne mit der Wimper zu zucken, bietet er den anderen Paroli. Ismael ist beeindruckt.

„Ein Rugby-Spiel vom St. Daniel´s gegen Churchill wichtig zu nennen ist ein bisschen so, als würde man das Ende der Welt als Getriebeschaden bezeichnen.“ Stellt Ismael lakonisch fest. Und so erobert James Sobie mit seinem Gedicht über die „Männer vom St. Daniel´s“ die Herzen im Sturm: Es löst bei der gesamten Schüler- und Lehrerschar wahre Begeisterungsstürme aus. Das Gedicht kommt schließlich als Geheimwaffe im Rugby-Lokalderby gegen die Erzfeinde der Churchill Boys Grammar zum Einsatz. Mit Erfolg: Die Spieler wachsen über sich hinaus, bieten den überlegenen Gegnern die Stirn und machen das Spiel. Von nun an ist James Scobie Kult und für Barry Bagsley „unantastbar“.

Als James einen Debattierclub gründet, gerät Ismael, dem nichts ferner liegt als vor anderen Menschen Reden zu halten, unversehens als Mitglied in den Kreis der fünf Jungen. Alle sind ein wenig eigen und Ismael hat so seine Zweifel, ob diese Einzelgänger auch nur einen Hauch einer Chance haben werden. Da ist die „lebende und atmende Suchmaschine für Fakten, Zahlen und Daten“ Ignatius Prindabel, Orazio Zorzotto der Klassenclown, dessen Mundwerk niemals stillsteht und den nichts mehr fasziniert als das weibliche Geschlecht, der dicke Science-Fiction und Fantasy-Freak Bill Kingsley, der immerzu Lichtjahre vom wahren Leben entfernt zu sein scheint, Scobie und Ismael selbst. Ismael willigt seine Teilnahme nur unter der Bedingung ein, dass er niemals auch nur ein Wort sagen müsse. Doch das bleibt natürlich nicht so. Die fünf Jungen schlagen sich sogar recht gut und gewinnen einen Wettbewerb nach dem anderen. Unmerklich wächst die Gruppe zusammen und selbst Ismael wird sich eines Tages dazu überwinden müssen, aktiv teilzunehmen. Das allerdings wird für ihn zu einem wahren Desaster, das in einer Ohnmacht endet, nachdem ihm eine ziemlich Aufsehen erregende Wäscheklammer (die aussieht wie „Ringo“ von den „Beatles“) vor versammelter Mannschaft aus der Hose rutscht. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, streift Ismaels Hand, als er bewusstlos zu Boden geht, die Brust seiner Angebeteten: Kelly Faulkner.

So plötzlich wie James Sobie auftaucht, verschwindet er wieder aus Ismaels Leben. Ismael erfährt aus seinem Brief, dass ihm, wenn sich die Befürchtungen der Ärzte bestätigen, eine weitere schwere Operation bevorsteht. Die Jungs müssen ihr Team nun allein in der Endrunde vertreten – ohne Scobies Anleitung. Tapfer stellen sie sich der Aufgabe – und tatsächlich, sie haben dank der Aufgabenstellung und dem allumfassenden Fantasy-Wissen von Bill Kingsley eine reelle Chance zu gewinnen. Dann steht plötzlich Kelly Faulkner vor Ismael. Ismael möchte am liebsten im Erdboden versinken und stottert eine wirre Entschuldigung daher, doch Kelly möchte ihm nur danken. Sie möchte ihm danken, dass er ihren kleinen Bruder vor der Barry-Bagsley-Bande beschützt hat.

Barry, der nun wieder freie Schusslinie auf Ismael hat, lässt keine Gelegenheit mehr aus ihn und vor allen Dingen Bill Kingsley zu demütigen. Barry sagt ihm direkt ins Gesicht, dass es nichts gibt, das Ismael gegen ihn ausrichten könne. Ismael gibt sich zunächst innerlich geschlagen. Doch dann ergibt sich eine einmalige Gelegenheit, Barry vor der gesamten Schule ein für allemal bloss zu stellen.

Mitreissend und mit einem absolut scharfen Blick auf die unfreiwillige Komik im Leben, erzählt Ismael seine Geschichte. Dabei sind seine Schilderungen, die vor sprachlichem Einfallsreichtum, Wortwitz und Orginalität nur so strotzen, einfach köstlich. Sein Sprachgebrauch, sein schonungsloser Blick auf die harten Fakten im Leben sind einerseits authentisch und absolut glaubhaft, andererseits lassen sie uns Leser staunen, dass dieser kluge und sprachgewandte Junge sich so sehr in den Hintergrund verkriecht. Dass er trotz seiner Intelligenz dem eher schwach begabten Barry die Gelegenheit gibt, ihn so zu demütigen, dass sein Selbstbewusstsein auf ein lebenserhaltendes Mindestmass schrumpft. Die Sympathie der Leser und Leserinnen werden ihm ohne Frage im Sturm zu fliegen und nicht wenige werden verstehen, warum Ismael sich so machtlos fühlt. Eine Schande ist es trotzdem.

Mancher wird daher erleichtert sein, dass jemand wie James Scobie auf der Bildfläche erscheint. Er zeigt allen dass es auch anders geht, und das, obwohl er doch wie eine perfekte Zielscheibe für Mobbing-Attacken aussieht. Schamhaft gibt Ismael sogar vor sich selbst zu, dass er hofft, dass nicht länger er, sondern Scobie das Haupt-Mobbing-Opfer der Klasse wird. Doch anders als Ismael zeigt James keinerlei Scheu davor, sich seinen Gegnern zu stellen. Es gelingt ihm mit Leichtigkeit, seine Gegenspieler zu verunsichern. In aller Ruhe setzt er Barry und seine tumben Anhänger Schach-Matt. Keine Angst zu haben, kann von entscheidendem Vorteil sein.

Der Autor Michael Gerard Bauer, der eigentliche Sprachkünstler, der Ismael seine Worte schenkt, treibt die Geschehnisse meisterhaft auf die Spitze und reizt den Leser zu regelrechten Lachanfällen; kaum hat man sich von der einen Pointe erholt, schafft er es erstaunlicherweise, immer noch eins drauf zu setzen. Unaufhaltsam läuft der Film in unserem Kopf ab und es ist das Überraschende, was aus seinen Ausgangssituationen hervorgeht, das weit entfernt vom Vorhersehbaren ist. Bei diesem sprachlichen Einfallsreichtum werden wir nicht einmal Zeuge spektakulärer Ereignisse, sondern haben von unserem Logenplatz aus einen guten Ausblick auf den alltäglichen Wahnsinn. Dabei charakterisiert Bauer die Mitschüler auf so liebevolle Weise, dass es falsch wäre dieses Buch nur als witzig zu bezeichnen. Am Ende geht es darum, Menschen wie Barry eine Grenze zu zeigen. Ihnen mit Zivilcourage zu begegnen. Erstaunlicherweise ist Ismael nie bereit dazu, so lange es nur um ihn geht. Doch als Barry den armen Bill so sehr in die Enge treibt, das dieser jeden Stolz verliert, ist das Mass für Ismael voll. Sein Freund Orazio Zorzotto, genannt Razza, meint jedoch, dass Barry es nicht wert wäre, doch Ismael hat zweifellos Recht wenn er sagt: „ …er ist es nicht wert …aber Bill“.

Der australische Autor Michael Gerard Bauer fängt viele Zwischentöne in den kurzen Begegnungen und Dialogen auf, um sie erst am Ende ihrer wahren Bedeutung zuzuführen. Dabei finden wir am Schluss noch nicht einmal den grossen „Show-down“, sondern eine ehrliche und dennoch positive Perspektive, die, wie im wahren Leben, der Anfang aller Veränderungen ist. Das dies aber so ist, macht Michael Gerard Bauer unmissverständlich klar.

Fazit:

„;Nennt mich nicht Ismael“ ist in der Darstellung seiner Schauplätze und Charaktere besser als jeder Film, denn Michael Gerard Bauer fängt jedes noch so kleine Detail auf und komponiert mit leichter Hand eine mitreissende Geschichte über Freundschaft und Zivilcourage. Dass er dabei ein solches Mass an Humor – in Ismaels Fall Galgenhumor -an den Tag legt, macht dieses kluge Buch einfach unwiderstehlich!

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

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Ich finde es nicht so toll ich lese nicht so oft und vielleicht kenne ich mich damit auch gar nicht aus aber ich fand das buch nicht so gut. und was ich total scheisse finde sind die ganzen aufgaben in der schule zum buch
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