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Buchcover: Frank L. Baum: Der Zauberer von Oz

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Zauberer von Oz von Frank L. Baum

erschienen bei Knesebeck

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [11.2011]. Ein Wirbelsturm trägt Dorothy mitsamt Haus aus ihrer Heimat Kansas fort, direkt in das Zauberreich des großen und mächtigen Oz. In diesem gegensätzlichen Reich können Tiere, Vogelscheuchen und Blechmänner sprechen und Affen fliegen. Auf ihrem Weg zum großen Zauberer von Oz müssen Dorothy und ihre drei Freunde, der Löwe, der Blechmann und die Vogelscheuche große Abenteuer überstehen. Endlich am Ziel ihrer Reise angekommen, machen sie eine ungeahnte Entdeckung und lernen, an sich selbst zu glauben.

Viele kennen die Geschichte vom Zauberer von Oz – sei es durch die Originalgeschichte von L. Frank Baum oder durch die berühmte Verfilmung im gleichnamigen Musical von 1939. Das Märchen um das Mädchen Dorothy und ihre tapferen Freunde wurde auf vielfache Weise inszeniert und adaptiert. Obwohl mehr als 100 Jahre seit seiner ersten Veröffentlichung vergangen sind, hat es auch heute noch nichts von seiner Faszination eingebüßt. Denn der Zauber die den L. Frank Baum damals in seinem Märchen heraufbeschwört, ist auch heute noch ungebrochen.

Zusammen mit ihrem kleinen, schwarzen Hund Toto landet sie mitsamt dem Haus ausgerechnet auf der bösen Osthexe. Damit beginnt schon einmal die Geschichte, die, das wird sich auch im Verlauf zeigen, nicht ganz frei von etwas schwarzem Humor ist. Denn wie so die Füße der bösen Hexe unter dem Haus hervorschauen, zeigt schon L.Frank Baums Vorliebe, die Dinge ein wenig überspitzt darzustellen – und genau das erzeugt den sehr speziellen Märchencharakter seiner vor Fantasie überschäumenden Geschichte. Die ganz eigene Welt, die Baum hier geschaffen hat, zeigt viele sehr charakteristische Darsteller und weiß genau zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Um die böse Hexe, die sich schließlich unter dem Haus von Dorothy auflöst, wird nicht getrauert, im Gegenteil: Die dort lebenden Munchkins – deren Lieblingsfarbe offensichtlich Blau ist – sind begeistert. Sie halten Dorothy sogleich für eine mächtige Zauberin. Die gute Nordhexe gibt ihr den Rat, den großen Zauberer von Oz aufzusuchen, da sie ihr nicht helfen kann, nach Kansas zurück zu kehren.

Auf ihrem Weg macht sie die Bekanntschaft mit einer Vogelscheuche, die noch nicht viel von der Welt weiß und sich statt Stroh im Kopf mehr Verstand wünscht. Als sie auf ihrem Weg im Wald jemanden klagen hören, gehen sie dem nach und entdecken einen Blechmann, der mit erhobener Axt eingerostet ist. Der Blechmann erzählt von seiner Liebe zu einem Mädchen, die aber eine böse Hexe verhindern wollte. Durch eine verhexte Axt verliert der Holzfäller nicht nur Arme und Beine, sondern auch sein Herz, was er jetzt sehr bedauert. Gemeinsam setzen sie ihren Weg fort und werden bald darauf von einem Löwen bedroht. Aber da Vogelscheuche und Blechmann nichts fürchten, ist der Löwe schnell eingeschüchtert und entschuldigt sich kleinlaut. Es stellt sich heraus, dass sich der Löwe für ziemlich feige hält.

Und so machen sich alle vier auf, zum dem großen Zauberer von Oz, damit er sie heim bringt, damit er ihnen Verstand, Herz und Mut schenkt.

Auf dem Rücken des Löwen überspringen sie Schluchten, durchqueren ein tödliches Mohnfeld, wobei der Löwe von Feldmäusen gerettet werden muss – und bei alledem stehen die vier Freunde fest zusammen. Es zeigt sich, dass jeder seine Stärken hat: Der Löwe ist besonders mutig, wenn es darum geht, seine Freunde zu beschützen, der Blechmann zeigt viel Mitgefühl für den anderen und die Vogelscheuche bringt die Gruppe mit ihren guten Ideen ein um das andere Mal weiter.

Endlich in der prächtigen Smaragdenstadt des Zauberers von Oz angekommen, wird ihnen einzeln Audienz gewährt. Jedes Mal erscheint er den Gefährten in einer anderen Gestalt. Doch die Botschaft des Zauberers ist für jeden die gleiche: Sie sollen zuerst die böse Westhexe töten, damit ihre Wünsche erfüllt werden. So müssen sie notgedrungen erneut aufbrechen, in das Land der Westhexe. Doch die ist gewarnt und schickt ihnen ihre Häscher. Die Wölfe, die die Hexe schickt, werden von dem Blechmann erledigt und mit der Schar Krähen wird die Vogelscheuche spielend fertig. Auch die Soldaten der Hexe ergreifen vor dem Löwen die Flucht. Doch die Hexe hat noch einen Trumpf im Ärmel: Die fliegenden Affen. Ihnen gelingt es, die vier Freunde zu trennen. Während Dorothy fortan der Hexe zu Diensten sein muss und der Löwe eingesperrt hinter Gittern sitzt, glauben sie, um den Blechmann und die Vogelscheuche sei es geschehen. Doch der Zufall und das Glück kommen Dorothy und ihren Freunden zur Hilfe.

Dass ihre Herzenswünsche am Ende doch erfüllt werden, ist nur der Aufrichtigkeit und Tapferkeit der Freunde zu verdanken, denn der Zauberer ist keinesfalls das, was er die Bewohner des Landes Oz glauben machen will.

Die Originalausgabe dieser wunderschön illustrierten Neuauflage ist erstmals 2011 bei Palazzo Editions Ltd. Erschienen und wurde für die Deutsche Erstausgabe von Ursula C. Sturm übersetzt und vom Knesebeck Verlag im selben Jahr veröffentlicht.

Diese hochwertige Ausgabe zeichnet sich auf den ersten Blick vor allem durch seine aufwändige Gestaltung aus. Die feinen und stimmungsvollen Illustrationen von Robert Ingpen sind allesamt kleine Kunstwerke. Mit den zahlreichen Illustrationen – ganze 94 an der Zahl – und den vielen farbigen Abbildungen – insgesamt 92 – wird der Zauber des Märchens auf eine Weise widergespiegelt, wie es wohl nur wenige Ausgaben dieses Klassikers vermögen.

Die meist ganzseitigen bis doppelseitigen Illustrationen geben so zahlreiche Stationen der Reise wieder, dass fast jeder Moment und jeder Schauplatz durch die Illustrationen von Robert Ingpen begleitet wird. Eine eindrucksvolle Reise für die Sinne. Denn die fein gezeichneten Figuren sind zwar zurückhaltend, aber dennoch so stimmungsvoll durch die kolorierten Schauplätze und Darsteller, dass sie die Fantasie anregen und viel Raum für die Vorstellungskraft lassen. Mit gedeckten Erdtönen und teils kräftigem Blau und Rot setzt Robert Ingpen unaufdringliche, aber reizvolle Akzente und betont damit seine Hauptdarsteller. Wie zum Beispiel Dorothy, deren roter Hut stets hervorsticht. Das Märchenhafte und seine verschiedenen Darsteller wirken nicht von dieser Welt und doch so lebendig, dass es gerade Kindern leicht fällt, ganz in die Welt von L. Frank Baum einzutauchen.

L. Frank Baums Märchen steckt voller Symbolik und den für Märchen so typischen Gegensätzen. Dies kennzeichnet Baum auch die farbliche Gliederung des Reichs. Im Reich der bösen Westhexe sind die „Winkies“ alle in Gelb gekleidet, im Reich der ebenfalls bösen Osthexe erscheinen alle von Kopf bis Fuss in blauer Farbe. Das Zentrum des Reiches wird durch die Farbe Grün beherrscht – die Mischung als Gelb und Blau. Doch das prächtige Grün ist nur eine Täuschung, taucht doch die grüne Brille, die alle tragen müssen und die niemand abnehmen darf, die gesamte Stadt in ihre smaragdgrüne Farbe, der sie ihren Namen verdankt. Auch dies gibt Robert Ingpen sehr treffend mit seinen Illustrationen wieder.

Was mir bei dieser Neuausgabe aber besonders gut gefällt, ist die geradlinige Sprache, die man bei einem so ehrwürdigen Werk so nicht vermuten würde. Auf diese Weise wirkt das Märchen weniger „altbacken“ und schildert das Geschehen zwar stimmungsvoll und blumig, aber ohne zu ausschweifend zu sein. Damit orientiert es sich mehr an den Handlungssträngen und bleibt klar in seiner Aussage. Das macht es gerade jüngeren Kindern leicht, bei der Geschichte zu bleiben und dank der moderneren Sprache können sie sich auch leichter in die zauberhafte Welt hineinversetzen.

In dem Vorwort des Autors wird deutlich, wie aktuell „Der Zauberer von Oz“ auch heute noch ist – und das nicht nur vor dem Hintergrund seiner Intention. L. Frank Baum schrieb im April 1900 „...Die Zeit ist reif für eine Reihe neuer “Wundergeschichten„, aus denen nicht nur die klischeehaften Flaschengeister, Zwerge und Feen verschwunden sind, sondern auch all jene entsetzlichen Begebenheiten, die sich ihre Verfasser einfallen ließen, um auf eine Furcht erregende Moral zu verweisen.“

Sein Ziel hat L. Frank Baum ohne Zweifel erreicht, denn er wollte eine Geschichte schreiben, die dem reinen Vergnügen der Kinder dienen soll und keine pädagogischen Absichten verfolgt. Doch schaut man sich die drei Wünsche von Dorothys Reisebgleitern an – Herz, Verstand und Mut – so hat Baum doch eine wunderschöne, ganz und gar zeitlose Botschaft an die Kinder gerichtet. Diese drei wunderbaren Eigenschaften können wir alle auf unserer abenteuerlichen Reise durch das Leben gewinnen, wenn wir uns nur etwas zutrauen.

Fazit:

„Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum ist in dieser prächtigen Neuauflage mit den zahlreichen und außergewöhnlich schönen Illustrationen von Robert Ingpen ein echtes Muss für alle Freunde des modernen Märchens. Darüber hinaus überzeugt dieses neu aufgelegte Werk durch seine warmherzige, moderne Sprache und wird daher noch viele Kinderherzen verzaubern.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Doodle Jump meint:
Zauberer von Oz!!!! Sooo schöne geschichte! Es gibt jetzt auch ne neu-verfilmung auf DVD also lief vor ca. 1 jahr (oder auch noch älter) im Kino. 3D und so. Habs leider nicht mehr geschafft, rein zu gehen aber ich will mir den Film unbedingt mal auf DVD kaufen. Bestimmt toll.
Leon meint:
Ich finde die Geschichte vom Zauberer Oz,Dorothy,dem Blechholzfäller und dem ängstlichen Löwen sehr schön.Mein Lieblingsbild ist wie der Wirbelsturm das Haus weg Pustet.Das Land Oz finde ich sehr schön,weil es bunt ist und nicht so wie das graue Kansas.
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