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Buchcover: L. Frank Baum: Der Zauberer von Oz

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Zauberer von Oz von L. Frank Baum

erschienen bei NordSüd

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Viele kennen die Geschichte vom Zauberer von Oz – sei es durch die Originalgeschichte von L. Frank Baum oder durch die berühmte Verfilmung im gleichnamigen Musical von 1939. Das Märchen um das Mädchen Dorothy und ihre tapferen Freunde wurde auf vielfache Weise inszeniert und adaptiert. Obwohl mehr als 100 Jahre seit seiner ersten Veröffentlichung vergangen sind, hat es auch heute noch nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Ein Wirbelsturm trägt Dorothy mit ihrem kleinen Hund Toto fort in das Land vom Zauberer Oz. Sie landet dort mitsamt ihrem Haus – ausgerechnet auf der bösen Osthexe. Die Munchkins – Einwohner des Ostlandes – sind begeistert und dankbar, dass sie die böse Hexe endlich losgworden sind. Sie halten Dorothy für eine Zauberin. Die gute Nordhexe erscheint und bergrüßt das Mädchen freundlich. Dorothy möchte zurück nach Hause, in die Prärie von Kansas. Aber die Nordhexe kann ihr nicht helfen, sie gibt dem Mädchen stattdessen die silbernen Schuhe der bösen Osthexe und rät ihr, den großen Zauberer von Oz aufzusuchen um ihn zu bitten, sie wieder nach Hause zu bringen. Zusammen mit Toto macht sich Dorothy auf zum Zauberer, der in der Mitte des großen Reiches herrscht. Auf ihrem Weg macht sie die Bekanntschaft mit einer Vogelscheuche, die es ziemlich „mopsig“ findet tagein-tagaus an einer Stange zu hängen und nichts zu erleben. Dorothy befreit den netten Kerl und als er erfährt, welches Ziel Dorothys Reise hat, schließt er sich ihr gleich an. Er wünscht sich nämlich nichts mehr als Verstand, da sein Kopf ja voller Stroh ist. Auf der weiteren Reise retten sie einen blechernen Holzfäller aus seiner misslichen Lage, denn er ist beim Holzhacken eingerostet und kann sich seitdem nicht mehr bewegen. Als dieser hört, warum Dorothy und die Vogelscheuche sich auf den Weg zum großen Zauberer machen, möchte er sich ebenfalls anschließen, wünscht er sich doch sehnlichst ein Herz in seiner blechernen Brust. Während Vogelscheuche und Blechmann sich noch darüber streiten, was wichtiger ist – ein gutes Herz oder Verstand – kommen die drei in einen Wald. Dort werden sie zunächst von einem ziemlich unhöflichen Löwen bedroht. Aber da Vogelscheuche und Blechmann nichts fürchten, ist der Löwe schnell eingeschüchtert und entschuldigt sich kleinlaut. Es stellt sich heraus, dass sich der Löwe für ziemlich feige hält. Nur zu gerne möchte der Löwe auch zum Zauberer, damit er ihm Mut schenkt.

Hoffnungsvoll machen sich Dorothy und ihre drei neuen Freunde – und natürlich auch Toto – weiter auf den abenteuerlichen Weg durch das Land von Oz. Auf dem Rücken des Löwen überspringen sie tiefe Gräben, entkommen um haaresbreite den schrecklichen „Kalidas“ und müssen ein tödliches Mohnfeld durchqueren, in dem der Löwe beinahe sein Leben gelassen hätte. Doch sie erhalten Hilfe von der Königin der Feldmäuse und so bringen viele, viele Mäuse den schlafenden Löwen in Sicherheit. Die Freunde halten zusammen, helfen sich gegenseitig und niemand wird im Stich gelassen. Dabei stellt sich heraus, dass ein jeder seine Stärken hat: Der Löwe ist besonders mutig, wenn es darum geht, seine Freunde zu beschützen, der Blechmann zeigt Herz und die Vogelscheuche bringt die Gruppe mit ihren guten Ideen ein um das andere Mal weiter.

Schließlich kommen die Vier in der prächtigen Smaragdenstadt des Zauberers von Oz an. Doch bevor sie sein Reich betreten dürfen und ihnen Audienz gewährt wird, müssen sie grüne Brillen aufsetzen, die sie während ihres gesamten Aufenthalts nicht abnehmen dürfen, da sie sonst vom Glanz der Stadt geblendet würden. Endlich werden sie einer nach dem anderen bei dem Zauberer vorgelassen. Doch jedes Mal erscheint er den vier Gefährten in einer anderen Gestalt. Die Botschaft des Zauberers ist für alle gleich: Um ihre Wünsche erfüllt zu bekommen, müssen sie Dorothy helfen, die böse Westhexe zu töten. Da ihnen nichts anderes übrigbleibt, ziehen sie in das Land der Westhexe – doch die macht die vier Reisenden schnell aus und schickt ihnen ihre Häscher. Erst kommen die Wölfe, die allesamt von dem Blechmann erledigt werden, dann schickt die Hexe ihre Krähen, doch mit ihnen wird die Vogelscheuche spielend fertig. Als alles nichts geholfen hat, schickt die böse Westhexe ihre Soldaten. Doch die nehmen Reißaus vor dem Löwen. Nun schickt sie die fliegenden Affen und die machen kurzen Prozess: Sie nehmen die Vogelscheuche auseinander und werfen den Blechmann hoch über felsigem Gebiet ab, wo er vollkommen verdreht und verbeult liegen bleibt. Der Löwe wird eingesperrt und Dorothy muss der Hexe von nun an zu Diensten sein. Eines Tages ist Dorothy so wütend auf die Westhexe, dass sie kurzerhand einen Wasserkübel über sie ausgießt. Die böse Hexe schrumpft zusammen und löst sich auf. Alle Freunde können gerettet werden und kehren zum Zauberer von Oz zurück. Doch hier wartet eine Überraschung auf sie: Der große Zauberer ist überhaupt nicht das, was er zu sein vorgibt. Er ist ein Schwindler!

Und doch bekommt jeder, was er sich wünscht. Und im Fall von Vogelscheuche, Blechman und Löwe ein Königreich dazu. Bis es aber so weit ist, müssen Dorothy und ihre Freunde noch so manches Abenteuer überstehen.

Diese neugesetzte Ausgabe, in der insgesamt vierten Auflage, ist bereits 1996 im NordSüd-Imprint Michael Neugebauer Verlag erschienen.

Wie im klassischen Märchen schafft L. Frank Baum starke Gegensätze von Gut und Böse. Und diese setzt er noch den vier Himmelsrichtungen gegenüber. So sind die Nord- und die Südhexe gut, die Ost- und die Westhexe böse. In ihren Herrschaftsgebieten tragen die Menschen „uni“. So sind etwa die Bewohner im Land der bösen Westhexe, die „Winkies“ ganz in Gelb gekleidet; bei den „Munschkins“, wo Dorothy „ganz ausversehen“ die böse Osthexe getötet hat, erscheinen alle von Kopf bis Fuss in Blau.

Im Zentrum des Reiches herrscht Oz. Hier ist alles Grün. Aber nicht deshalb, weil es so ist, sondern weil alle grün getönte Brillen tragen müssen. Ein Paradebeispiel für die totale Täuschung. Nichts ist so, wie es schneint. Das ist das Motto es Zauberers. Doch der vermeintliche Zauberer ist nicht dumm; er erkennt schnell, dass jeder der drei Gefährten Dorothys genau das in sich trägt, was er sich so verzweifelt wünscht. Er schenkt ihnen jeweils ein Symbol, das es ihnen möglich macht, an sich selbst zu glauben. Der Vogelscheuche stopft er viele Nägel und Schrauben in den Kopf, um ihren scharfen Verstand zu demonstrieren, dem Blechmann schenkt er ein Herz aus roter Seide und Sägemehl, das er ihm in die Brust legt und der Löwe bekommt einen Trank, der in seinem Bauch zu Mut wird.

„Es war einfach, alle glücklich zu machen, weil sie sich einbildeten, ich sei in der Lage dazu.“ Denkt Oz. Wie die wichtigste Bezugsperson für Kinder, nimmt Oz ihnen gegenüber eine Position ein, die sie in ihren Fähigkeiten und Zielen bestärkt. Nun können sie auch an sich selbst glauben.

Dies ist eine schöne und zeitlose Botschaft an die Kinder. Die drei liebenswerten Darsteller zeigen ihnen, dass man mit genügend Selbstvertrauen über sich hinauswachsen kann.

Dem Tenor dieses Märchens ist eindeutig seine Entstehungszeit im Jahr 1900 anzumerken. Schön, dass der Übersetzer Alfred Könner die liebenswerten Zwischentöne ins Deutsche transportiert hat. Denn L. Frank Baums Sprache ist klar, warmherzig und auf eine Weise unbeschwert, dass es nicht wundert, dass sein Märchen weltweit die Herzen erobert hat. In seinem Vorwort bringt er klar zum Ausdruck, dass er ein modernes Märchen des zwanzigsten Jahrhunderts schaffen wolle, „in dem das Vergnügen erhalten und der Kummer und die Alpträume ausgespart sind.“ Heute, im 21. Jahrhundert würde man Kindern wohl nicht erzählen wollen, dass Wölfen die Köpfe abgeschlagen oder Krähen die Hälse umgedreht werden. Doch Baum schildert diese Szenen distanziert und in aller Kürze, was den Schrecken selbst bei sensiblen Kindern mildert; schließlich sind sie ganz auf das Abenteuer der Vier konzentriert, mit dem Baum unverzüglich fortfährt.

Dorothy, das liebe, bescheidene Mädchen, das von allen geliebt wird, bleibt das ganze Märchen hindurch frei von jeder Schuld. Weder die böse Osthexe noch die böse Westhexe hat sie mit Absicht getötet. Sie kann das Abenteuer ganz wohlbehalten bestehen, denn ihre drei Freunde nehmen alle Gefahren auf sich und der Kuss der guten Nordhexe beschützt sie vor Angriffen. Die artige und unschuldige Art des Mädchens ist anrührend; diese Tugenden scheinen zwar tatsächlich aus einem anderen Jahrhundert zu stammen, doch sind sie zum Glück auch heute noch nicht ganz ausgestorben. Besonders Mädchen werden sich gerne mit der stets freundlichen, höflichen und gutgelaunten Dorothy identifizieren.

Sein Ziel hat L. Frank Baum ohne Zweifel erreicht, denn er wollte eine Geschichte schreiben, die hauptsächlich Kindern gefällt und keine pädagogischen Absichten durch Bevormundung verfolgt. Die positive „Grundschwingung“ die diese Geschichte von Generation zu Generation weiterträgt, wird in dieser neugesetzten Ausgabe, mit den wunderbaren Illustrationen von Lisbeth Zwerger noch verstärkt. Ihre Illustrationen zeigen ihre Interpretation der Geschichte ohne jedoch zu vieles vorweg zu nehmen oder zu erklären. Vielmehr gehen sie mit der Geschichte eine ganz verblüffende Einheit ein.

Die meist zarten Farben und Strichführungen, die Muster und die kleinen Details wirken auf den ersten Blick nostalgisch, doch bei näherem Betrachten sind sie von zeitloser Schönheit und zeigen den unverwechselbaren Stil Zwergers, die ihre Darsteller auf eine humorvolle aber auch anrührende Art zeichnet.

Fazit:

„Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum ist der amerikanische Klassiker überhaupt. Wie kaum ein anderes Märchen hat es weltweit so viele Kinderherzen verzaubert und die Fantasie vieler Generationen beflügelt. Mit den traumhaft-leichten, unverwechselbaren Illustrationen von Lisbeth Zwerger ist diese Ausgabe ein echter Schatz.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Garce Hillary McDunken meint:
Also wir haben kurz in Englisch darüber gesprochen und werden uns den Film anschauen. Auf Englisch natürlich. Sonst kenne ich das Buch usw. gar nicht :) Na ja ist ja auch egal. Mein ding ist es eh nicht so mit Fantasy usw. :) Ich bin eher ein Fan von Liebes und Freundschafstromanen
Pinky meint:
Ich pernsönlich finde das Buch sehr schön. Die Geschichte ist einfach fantastisch witzig und tiefsinnig. Es liest sich sehr gut und ist eines meiner Lieblingsbücher. Wer möchte denn nicht zaubern können?
Natalia Burek meint:
Also wir nehmen das buch in der schule durch, zwar ist das ein kinderbuch aber als 7.klasslerin finde ich es sehr interessant und abenteuer lustig...dieses buch ist auf jeden fall ein aplaus werd :)
Ps:sorry, wenn da fehler im text sind bin nicht so ein schreib künstler !:/
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