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Buchcover: Anne-Sophie Baumann: Drüber & drunter - Die  Stadt

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Drüber & drunter - Die Stadt von Anne-Sophie Baumann

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 5 Jahren

in mein Bücherregal

Der Lebensraum unserer Kinder ist die Stadt. Wenn sie hier wohnen sowieso, aber auch Kinder vom Land verbringen viel Zeit hier: hier gehen sie zur Schule, zum Einkaufen und Eis essen, hier besuchen sie ihre Freunde. Es gibt immer viel zu sehen  und wo mal ein Gulli offen steht, wo Baugruben ausgehoben werden oder an der Kanalisation gearbeitet wird, stehen sie neugierig davor und fragen: Wie es da unten wohl aussehen mag?

In Städten gibt es immer viel zu sehen: alles ist voller Häuser, Straßen, voller Autos, Menschen, voller Geschäftigkeit. Und wo immer mal ein Gulli offen steht, wo Baugruben ausgehoben werden oder an der Kanalisation gearbeitet wird, stehen sofort viele neugierige Menschen davor  denn was unter der Stadt ist, bekommt man ja kaum zu sehen. Aber es interessiert uns natürlich. Und es ist auch gar nicht so wenig.

Allein die Kanalisation ist wie eine eigene Welt unter der Stadt. Das sind nicht nur ein paar Rohre für frisches und für schmutziges Wasser, sondern richtige Straßen, mit Kreuzungen und größeren Plätzen. Unter vielen Häusern gibt es Gewölbe und Keller, manchmal mit Türen, die irgendwann mal irgendwohin geführt haben. Betonfundamente, U-Bahnstationen, in den Boden eingelassene Tanks und Tresore, alte Stadtmauern und vielleicht Skelette oder Waffen und Münzen von früher. Die Straßenbäume sind unter der Erde fast noch mal genauso groß wie über ihr, mit ihrem Wurzelwerk. Und auch viele Tiere leben unter der Stadt: direkt in der Erde wie zum Beispiel Regenwürmer, in großen Gangsystemen und Bauten wie Maulwürfe, Kaninchen, Füchse – und auch in der Kanalisation ist einiges los: Waschbären, Gänse und Enten nutzen diese Kanäle als Wege, in Kanada sind schon Grizzlybären gesehen worden und in Florida Alligatoren. Und zu essen gibt es auch, wenn man nicht wählerisch ist. Weswegen bei uns dort auch viele Ratten leben.

Auf das meiste kann man in echt kaum je einen Blick erhaschen. In diesem Buch schon. Es ist in Doppelseiten zum Aufklappen aufgeteilt, quer zu lesen. Unaufgeklappt zeigt jede Doppelseite einen städtischen Schauplatz, Plätze, Häuser, Baustellen; überirdisch. Die jeweils untere Hälfte lässt sich aufklappen und präsentiert die Welt „drunter“. Und ein bisschen Text: kurze und einfache, erläuternde Sätze und jeweils einige Fragen mit Aufforderungscharakter: Wer macht denn da solch einen Krach? Ob das Geld im unterirdischen Tresor wirklich sicher ist?

Zusätzlich gibt es auf jeder Seite noch mehrere kleine und größere Klappen, insgesamt 30. So kann man in den Betonmischer schauen, in den Brunnen, unter die Motorhaube eines Autos, in Kirchen, Geschäfte, Restaurants und auch in die Wohnungen, in denen dann jemand duscht, kocht oder auf dem Klo hockt und liest. Die Szenen sind sehr detailliert gezeichnet, man erkennt jeden Mauerstein und jedes Blättchen am Baum. Sehr akkurat und kantig und weniger niedlich als der typische Wimmelbuchstil.

Der unterirdische Teil ist verglichen mit der Fülle „drüber“ sparsam illustriert. Einerseits klar, dass unten nicht ganz so viel los ist wie oben, andererseits hätten es statt ein paar archälogischer Reste auch ganze verschüttete Städte sein können, statt zwei, drei Rohren ein ganzes Kanalisationssystem, statt einer U-Bahnstation das Streckennetz, statt ein paar Regenwürmer eine ausgedehnte Kaninchenburg. All das, was ich eben nicht selber sehe, wenn ich durch meine Stadt gehe.

Andererseits: wir sehen und erfahren interessante Dinge, das Papier ist superstabil, die Klappen halten was aus und ein paar lustige Bilder gibt es auch. Das Beste ist die Ratte, die mit Schwung in die frische Ladung Schmutzwasser voll Kot und Urin landet: Arschbombe!

Fazit

Geschäfte, Plätze, Häuser, Straßen, von „oben“ und auch von „unten“; was besonders interessant ist, das bekommt man ja meistens nicht zu sehen. Das große Format, das beim Ausklappen noch größer wird, lädt förmlich dazu ein, es auf den Boden zu legen und mit mehreren zusammen Seite für Seite zu erkunden. Die Kinder können erzählen, was sie sehen und auch was sie selber schon in ihrer eigenen Stadt gesehen haben, was ähnlich ist und was ganz anders. So ist dieses Buch nicht nur irgendein Stadtrundgang, sondern kann zu einem ganz eigenen werden.

Sigrid Tinz

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