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Buchcover: Anne-Sophie Baumann: Drüber und Drunter in der Natur

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Drüber und Drunter in der Natur von Anne-Sophie Baumann

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Wimmelbücher zeigen die Welt wie sie ist, in ihrer Fülle und in ihrer Kleinteiligkeit. Dieses Wimmelbuch geht noch einen Schritt weiter und zeigt die Welt von innen und unten, drüber und drunter: im Ameisenhaufen, unter der dicken Laubdecke im Wald, am Meeresgrund – per Aufklappmechanismus. 

Wenn es im Alltag vielleicht auch nicht so wie oft klappt wie gewünscht, mit dem Draußensein – im Urlaub oder am Wochenende sind Familien mit Kindern viel an der frischen Luft und in der Natur unterwegs. Im Wald, am Meer, in den Bergen. Diesen und anderen typischen Unternehmungszielen widmet das Buch je eine Doppelseite.

Quer zu lesen und geradezu wie gemacht, sich damit auf den Boden zu legen, um ausführlich jedes Detail zu erkunden. Die untere Hälfte jeder Doppelseite lässt sich zusätzlich aufklappen. Während man im unaufgeklappten Zustand jeweils die erwähnten Landschaften überirdisch betrachten und entdecken kann, „drüber“ also, präsentiert die aufgeklappte untere Hälfte jeweils die Welt, das Leben und das Interessante  „drunter“:

Fische, Fischlein und anderes Getier zwischen Steinen und Pflanzen am Flussgrund. Muscheln, die wir als hübsches Sammelobjekt kennen, lebendig, gefüllt und in Aktion. Felsengrotten voller Fledermäuse und die weite Verzweigungen eines Murmeltierbaus. Wie tief der Gartenbrunnen ist, samt über die Jahre dort gesammelter Schätze vom alten Gummistiefel bis hin zu Glücksmünzen – und die verschiedenen Wohnhöhlen eines Maulwurfs. Ein bisschen Text gibt es dazu: kurze, einfache, erläuternde Sätze und jeweils einige Fragen und Hinweise, die den Blick auf interessante Details lenken oder zum Nachdenken und Mehr-wissen-wollen anregen:

Wer reckt da denn seine Nase aus dem Gras?
Was gibt es unter dem Waldboden zu entdecken?
Zum Gipfel muss man lange wandern.
Platsch, was war denn das? Eine Möwe ist ins Wasser getaucht.
Siehst du den Eisvogel, der nach einem Leckerbissen taucht?

Zusätzlich gibt es auf jeder Seite noch mehrere kleine und größere Klappen, insgesamt 30. So lässt sich im Schilf ein Nest mit putzig-zerzausten Rallen-Küken entdecken und ein kleines Kaninchen im Bau, den es sich in die Dünen gegraben hat. Ein Ameisenhaufen von innen und das Leben in und auf einem alten so tot wirkenden Baumstumpf. Man kann den Deckel vom Frühbeet hochklappen und in den Komposthaufen schauen.

Auch hinter diesen kleinen Klappen finden sich dann Texte, die das neu erschienene Bild erklären oder zusätzliche Informationen geben, wie die Mitglieder einer Hirschfamilie heißen oder wo junge Rehe leben. Allerdings werden Fakten nur sehr lose und zufällig vermittelt, wer systematische und ausführliche Informationen sucht, wird googeln, einen Naturführer oder ein ausführliches Sachbuch daneben legen müssen.

Die Illustrationen sind naturgetreu, aber Clotilde de Parrin hat es geschafft, allen Lebewesen eine Spur Ausdruck und Charakter, etwas Niedliches oder Lustiges zu geben, den dargestellten Kindern sowieso, aber auch den Tieren vom Insekt bis zum Wildschwein. Jedes Schaubild hat seine eigene Stimmung und es macht Spaß, das große Ganze zu betrachten und die Details zu entdecken. Dickes  Plus gegenüber dem  was an naturalistischen, kindgerechten Sachbuchzeichnungen der übliche Stil ist.

Kleines Minus: dass kein Stadtpark oder eine Stadtlandschaft dabei ist. Denn auch in der Stadt gibt es ja Tiere und Pflanzen, die neben uns im Park, über uns in der Luft, unter uns in der Erde und in der Kanalisation, am Stadtteich, und in unseren Häusern und Zimmerecken leben, ja an jedem Straßenrand, in jeder Pflasterfuge lebt und wächst etwas. Es gibt aus der gleichen Reihe einen Band genau zu diesem Thema, was vielleicht der Grund sein mag, aber so wird ein Gegensatz zwischen Natur und Stadt erzeugt, der eigentlich nicht existiert, Klischee ist und für die Kinder, deren Lebenswelt mit fließendem Übergang ja oft genug aus beiden besteht, einen unnötigen Gegensatz bildet.

Fazit:

Landschaften, Wälder, Ufer, Gebirge und das Meer von „oben“ und auch von „unten“, von „innen“ und von „außen“ mit allem was wir kennen und lieben und auch mit dem, was wir sonst nicht zu sehen bekommen. Die tollen naturgetreuen und wunderbar unterhaltsamen Bilder, das große Format, das beim Ausklappen noch größer wird, lädt die Kinder förmlich dazu ein, sich auf den Boden zu legen und zusammen mit anderen Seite für Seite zu erkunden und zu erzählen, was sie sehen und auch was sie schon mal live gesehen haben.

Sigrid Tinz, Juni 2016

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