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Buchcover: David Benedictus: Pu der Bär-Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Pu der Bär-Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald von David Benedictus

erschienen bei Cecilie Dressler

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Der honigsüchtige Bär und seine Freunde sind nach mehr als 80 Jahren wieder da. Neu geschrieben von dem britischen Autor David Benedictus, der bisher Romane veröffentlichte und für Film- und Fernsehen tätig war. Unter dem Titel „Pu der Bär – Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald“ schrieb er in Anlehnung an die bärigen Geschichten von A.A. Milne sein erstes Kinderbuch.

Es hat sich nicht viel gerändert im Hundertsechzig-Morgen-Wald. Benedictus versammelt in zehn Kapiteln die altbekannten, geliebten Freunde mit ihren liebenswürdigen Macken. Pu sortiert und zählt immer noch am liebsten seine Honigtöpfe und singt dabei lustige Lieder. Sein bester Freund, das ängstliche Ferkel, erfährt auch nach 80 Jahren, wie gut es tut, die eigene Angst zu überwinden. Der pessimistische Esel „I-Ah“ ist der gleiche Schwarzmaler, wie er es bereits in der Originalausgabe aus dem Jahre 1926 war. Auch das sensible Kaninchen, das mütterliche Känguru und der überhaupt nicht gefährliche Tiger sind wieder mit von der Partie. Christopher Robin ist wie immer hilfsbereit zur Stelle und scheint über die Jahre neunmalklug geworden zu sein. Und dann ist da noch Lotti, das eitle, herrische Otterweibchen, eine Besserwisserin, die den Waldbewohnern gute Manieren beibringen will. Sie ist die einzige Neuerung, die Benedictus in die Geschichte eingeschmuggelt hat – sieht man von manch angeschnittener moderner Problematik wie gesunde Ernährung und Umweltverschmutzung ab, die in der Originalausgabe noch keine Rolle gespielt haben.

Auch die Erlebnisse im Hundertsechzig-Morgen-Wald haben sich nicht geändert. Die Tiere des Waldes erleben gemeinsam mit Christopher Robin so manches Abenteuer, man nervt sich gegenseitig und liegt sich anschließend wieder in den Armen.

Christopher Robin ist über die Sommerferien daheim und wird von Pu, Ferkel, I-Ah, Kaninchen, der Eule Oile, Tiger, Känga und Ruh mit einer Willkommensparty überrascht. Der Junge ruft einen Buchstabierwettbewerb ins Leben und versucht, mit dem bunten Haufen Schule zu spielen. Dass sein Bemühen vergeblich ist, dass dürfte dem Pu-Kenner nicht neu sein.

Keine Schrebergärten und künstlich angelegte Hecken, nein, einen Zensus braucht der Wald, stellt das Kaninchen eines Tages fest und führt eine Volkszählung in Eigenregie durch. Nicht alle Lebewesen des Waldes sind gleichermaßen von der Idee begeistert.

Der honigversessene Pu dagegen vermisst die Bienen und macht sich auf die Suche nach Honig. Mit einem sagenhaften Trick überlistet er den Bienenschwarm und lockt ihn zurück in den hohlen Baum. Der Eule Oil ist dies alles zu trivial und sie visiert eine Kariere als Schriftstellerin an, was dann irgendwie doch wieder nicht klappt. Derweilen erobert Kricket, die britischste aller Mannschaftssportarten, den Hundertsechzig-Morgen- Wald. Und obwohl die Tiere den Eindruck haben, dass die Sache mit Kricket keinen zwingenden Sinn ergibt, beginnen sie doch zu ahnen, dass sie Spaß macht. Und wer Pu und seine Freunde kennt, der weiß, dass sie diesen dann auch zur Genüge haben!

David Benedictus ist nicht weit vom Original abgewichen. Man spürt beim Lesen den Geist von A.A. Milnes. Es ist die gleiche unbedarfte Art der Tiere, naive Fragen zu stellen, mit denen sie schon in der Originalvorlage immer wieder nachhaken. Es sind keine Abenteuer, die den Atem stocken lassen, sondern die Herausforderungen des täglichen Lebens, die das Zusammensein im Wald bestimmen. Wenn das ängstliche Ferkel sich ein Herz fasst, im richtigen Moment handelt und das ach so kleine süße Schwein für kurze Zeit vor Selbstbewusstsein strotzt, dann denken wir Leser ebenfalls, wir können alles schaffen, wenn wir es nur anpacken. Und für diese Erkenntnis brauchte weder Milne noch Benedictus den ermahnenden Zeigefinger.

Und so sind auch die Tiere im Hundertsechzig-Morgen-Wald immer noch so menschlich in ihren Charakteren: so unschuldig wie freundlich, so einfältig und dabei so brillant. Und das, wofür wir Ur-Pu lieben, nämlich die absurd-komischen Sprachspiele, wenn er sich bei komplizierten Wörtern verhaspelt, findet sich auch in der Sprache von Benedictus wieder. Wie auch das Original, wurde die Neuauflage von Harry Rowohlt ideenreich ins Deutsche übersetzt. Da ist selbst das Rummaulen des depressiven „I-Ah“ ein Ohrenschmaus!

Auch Mark Burgess, der in England als Kinderbuch-Autor und -Illustrator kein unbeschriebenes Blatt ist, hält sich mit seinen Bildern an die originalen Zeichnungen des Briten E.H. Shepard und schafft es, den Charme des vergangenen Jahrhunderts aufzugreifen. Die naiv-kindlichen Zeichnungen strotzen von einer intakten Tier- und Pflanzenwelt, erschaffen ein eigenes Idyll, wo die Welt noch in Ordnung ist. Schon deshalb werden sie besonders junge Leser ansprechen. Neben all den vielen Neuerscheinungen im Hochglanzdruck ist diese Pu-Ausgabe ein Schatz im Bücherregal.

„Glücklich ist schön und gut, aber glücklich macht den Kohl nicht fett“. So schön banal auf den Punkt gebracht ist Honig für die Ohren und auch noch heute, 80 Jahre nach der Geburt des Ur-Pus, aktueller denn je.

Fazit:

Mag sich die Fachwelt darüber streiten, wie sinnvoll es ist einen Klassiker fortzusetzen. Kinder – vor allem im jüngeren Alter – und Erwachsene haben es verdient, die witzige Sprache und die schnörkellose Direktheit in Fortsetzung zu lesen. Heute, wo das weltweite Pu-Bild zu großen Teilen vom Disney-Merchandising mit Comics, Stofftieren und anderen Kitsch geprägt ist, tut es sehr gut, sich zurück zu lehnen und sich über ein Wiedersehen mit alten Bekannten zu freuen.

Katrin Czerwinka

 

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