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Buchcover: Nina Bernstein: Das rostrote Buch

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das rostrote Buch von Nina Bernstein

erschienen bei Bloomsbury

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

„Das passiert gerade alles wirklich.“, stellen Anne, Emily und Will überrascht fest. Ihr Feriensommer wird zur unfreiwilligen literarischen Abenteuerreise auf Leben und Tod. Und alles nur, weil da plötzlich dieses rostrote Buch auftaucht und Magie verströmt. Robin Hood, übergroße Insekten, ein Werwolf und Familie Meljukow aus Lew Tolstois „Krieg und Frieden“ mischen sich in das Leben der Kinder ein und verändern es.

Familie Dorning ist nach drei Jahren in England wieder in die USA, nach Queens, zurückgezogen. Nicht so alltäglich in diesem Stadtbezirk von New York ist es, dass die fünf ein Haus mit einem wunderbaren Garten bewohnen. Anne, 11 Jahre alt , Emily, zwei Jahre jünger und Will, 7 Jahre alt, lieben ihren großen Garten. Er ist ihr Refugium. In der Schule fühlen sich die Kinder immer noch fremd. Wenn sie spielen, dann eher miteinander. Eigene Spiele kreieren ist ihre große Leidenschaft – und das Lesen. Nur Will hat so seine Schwierigkeiten mit den Buchstaben. Anne und Emily entdecken unter ihren Büchern aus der Bibliothek ein rostrotes Exemplar.

Die Eltern der Kinder arbeiten als gut beschäftigte Journalisten beim Daily Herald. Der Vater verschwindet regelmäßig hinter Zeitungen und die Mutter fühlt sich wohl, wenn sie für ihre Gartenkolumnen in den Beeten wühlen kann. Gedankenverloren überlassen die Eltern die Kinder ihrem Schicksal und das ist in diesem Fall nicht fahrlässig, sondern hilfreich.

Die Mädchen liegen mitten im Juli in der Hängematte und lesen. Mit dem rostroten Buch jedoch geschehen den Kindern seltsam gefährliche Dinge. Anne und Emily werden in die Geschichten des Buches beim Aufschlagen hineingezogen. Dichtung und Wahrheit verschmelzen beim Lesen. Ist es Einbildung, ein Traum oder Zauberei? Die Mädchen befinden sich plötzlich in der Geschichte des Buches und lesen anfänglich voller Staunen von sich, um dann als reale Personen in der Handlung mitzumischen. Anne und Emily gelangen durch einen Nebel nach Sherwood Forest. Sie begegnen einem rabiaten Mann hoch zu Ross, der die beiden beschimpft. Die kleine Emily wagt es dem wütenden Normannen zu widersprechen. Doch Sir Reynold Pomfret ist es nicht gewohnt, dass Kinder ihm die Stirn bieten. Anne und Emily kennen die Geschichte von Robin Hood und werden auch gleich von dem hinzueilenden Reiter Will Scarlet und seinen Mannen von Pomfrets Angriff befreit und zum Essen ins Lager der Gesetzlosen eingeladen. Richard Löwenherz befindet sich auf dem Heimweg aus dem Heiligen Land. Prinz John hat sich inzwischen mit seinen Mannen und dem Sheriff von Nottingham alles unter den Nagel gerissen und ist kaum an einer Rückkehr seines Bruders interessiert. Pomfret ist in seinem Auftrag unterwegs. Robin Hood oder Robin von Locksley und Lady Marian Fitzwater überfallen die Reichen, um das Geld den Armen zu geben. Marian hat von ihren Raubzügen einen Abt mitgebracht und Pomfret ist ebenfalls im Lager. Emily belauscht während des Essens ein Gespräch zwischen dem Abt und Pomfret. Pomfret berichtet, das Richard Löwenherz gefangen genommen wurde und nun ein Lösegeld für ihn gefordert wird. Pomfret entwischt Robin Hood und Anne, die immer wieder rätselt, ob sie Pomfret aus den Robin-Hood-Balladen kennt, folgt ihm. Emily klärt Robin Hood inzwischen über das Komplott des Bruders John auf. Robin Hood und seine Männer verfolgen den schwarzen Reiter, der inzwischen Anne und Emily in seiner Gewalt hat. Die Schwestern sind entsetzt, denn alles ist wahr und kein Kinderspiel und sie sind sauer auf sich, weil sie durch ihre Neugier nun im Gefängnis sitzen.

Emily und Anne rekonstruieren ihre Kenntnisse der Robin-Hood-Geschichten und greifen vehement in die Handlung ein. Sie werden nicht zum Galgen geführt und verhindern auch, dass Robin Hood in eine Falle läuft. Beide Kinder vereiteln, dass Will Scarlett am Galgen endet und denken sich eine neue Lösung aus. Die Leute werden über die Rückkehr des Königs benachrichtigt und spenden was sie können, um ihn zu befreien. Will bringt die Mädchen zu der Stelle zurück, an der sie in die Geschichte eingestiegen sind. Sie finden das Buch und schlagen es zu.

Auch wenn die beiden Mädchen das Buch hüten wie ihren Augapfel, so gelangt es doch in die Hände ihres kleinen Bruders Will. Der Junge geht in die zweite Klasse, aber das Lesen bereitet ihm große Probleme, was nicht heißt, dass er keine Bücher mag. Er schaut sich gern Bildbände über Käfer und andere Insekten an. Eifersüchtig hat Will seine Schwestern mit ihrem rostroten Buch beobachtet. Endlich findet er den geheimnisvollen Band, nimmt ihn in die Hände. Das Abenteuer beginnt. Will verschwindet hinter der Gartenhecke im Geheimgang und landet im Land Jardinia, das von kleinen Männern, den Gnobolden, bewohnt wird. Raupenhaut, Beerentatz und Spinnenwurz warten auf den Erlöser, den Prinz.

Endlich ist Will in einem Märchen gelandet, in dem er der Held sein soll. Seine Schwestern trauen ihm ja nie etwas zu. Ein Wachstumsfluch wurde vom Kaiser von Jardinia verhängt und diesen Bann soll der Champ brechen. Doch er muss es allein zum Berg des Todes schaffen. Bei all seinen Aufgaben, die Will nun lösen muss, helfen ihm seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse über Käfer, die um ein zehnfaches größer sind als er. Plötzlich werden die Insekten zur Bedrohung und Will fühlt sich zum erstenmal als Futter. Er weiß jedoch wie man mit Motten umgeht, hat ein scharfes Schwert
( mit dem er gegen einen Regenwurm antritt) dabei und ein Spinnennetz. Nicht nur Mut ist gefragt, sondern auch Klugheit. Inzwischen haben die Schwestern bemerkt, dass Will das Buch gefunden hat. Durch ihre Einmischung bringen sie den Zauber durcheinander, aber sie vermissen im Gegensatz zu den Eltern ihren Bruder. Will setzt sich gegen alle giftsprühenden Käfer durch, wird trotzdem überwältigt und zum Kaiser gebracht. Der Herrscher des Landes ist ein Gemeiner Ohrwurm. Will muss Rätsel lösen und reitet auf seinem eigenen Ross, einem Käfer, natürlich. Er sucht sich
Hilfsmittel, um den Bann endlich zu brechen.

Am Ende der Episode ist Will der Sieger über seine eigenen Schwächen, denn der Bann ist gebrochen und Will liest.

Es ist August. Die Kinder haben beschlossen, ein drittes Abenteuer mit dem rostroten Buch, dessen Leihfrist noch nicht abgelaufen ist, zu dritt zu bestehen. Die dritte Reise findet während eine Sommerfestes der Eltern im August statt. Die Kinder beobachten einen geheimnisvollen Mann, der ihnen das Buch stehlen will.

Anne hatte gerade „Krieg und Frieden“ begonnen, obwohl das vielleicht nicht die geeignete Lektüre für ein 11-jähriges Mädchen ist. Doch die vielen russischen Namen verwirrten sie. Anne verfolgt den Mann, der offenbar ein Werwolf ist und stellt ihn zur Rede. Er taucht in die Seiten ein und und landet mit Anne, der sich Emily und Will gleich anschließen, in Tolstois dickem Roman. Sie tanzen auf dem Wintermaskenball im Hause der Familie Meljukow. Die Kinder verfolgen den seltsamen Buchdieb und überlisten den Mensch im Wolfspelz. In einem Schlitten entfliehen sie in der Kälte. Das Buch lässt sich nicht öffnen. Fragen bleiben offen, denn Anne hat den Tolstoi-Roman nur angefangen und plötzlich sind die Kinder wieder zu Hause.

Nun muss das Buch wieder abgegeben werden. Anne überlegt, was alles passiert ist und beginnt selbst zu schreiben.

Nina Bernstein scheint Michael Endes „ Unendliche Geschichte“, vielleicht auch Cornelia Funkes „Tintenwelt“-Trilogie zu mögen, denn die Idee vom magischen Buch, dass eine eigenständige Rolle in einer Geschichte spielt, den Benutzer provoziert und von ihm Ungewöhnliches fordert, ist nicht brandneu. Die Vorstellung, dass man in die gelesene Prosa, ob in historische Geschichten, Balladen oder dicke Romane hineinschlüpfen kann, hat so ihren dramaturgischen Reiz. Wie gern spielen Autoren mit bekannten Motiven der Weltliteratur und vermengen dann diese mit der wirklichen Welt des Kindes. Und hat nicht Philip Pullman in einem Interview gesagt, dass jeder Autor in gewisser Weise vom anderen ein bisschen abguckt. Auch Nina Bernstein, die für die New York Times berichtet, bedient sich in ihrem ersten Kinderbuch bei den verschiedensten Autoren und vermischt ihre Alltagsgeschichte von den drei Dorning-Kindern mit ihren Lektüreerfahrungen. Scheinen die Robin Hood-Geschichten die Kinder etwas wehmütig an England zu erinnern, so ist der Ausflug in den russischen Roman und den Volksglauben des 19. Jahrhunderts wiederum nur eine kurze und doch exotische Stippvisite, die über den Horizont Annes und des Lesers etwas hinausgeht. Wills Gedanken hingegen umkreisen die Insektenwelt und sein spannendes Abenteuer, in dem er der Held sein darf, entpuppt sich als eigene spannende Geschichte, die dem Kind zum Lesen verhilft. Nina Bernstein bewegt die Kinder zum Handeln, Kombinieren und vor allem Reagieren auf das, was sie gelesen haben. Nicht nur der Mut wird ihnen in ausweglosen Situationen helfen, sondern auch List und vor allem Grips, wenn es um die Rätsel oder Wortspiele geht.

So unspektakulär wie das Buch aufgetaucht ist, verschwindet es auch wieder. Nina Bernstein traut Kindern, ihren Helden in diesem Buch, viel zu. Die Wunschvorstellung, dass Kinder in ihren Büchern versinken, ehrt die amerikanische Autorin. Und sie offeriert den Lesern noch einige Leseempfehlungen: Edith Nesbit „Das verzauberte Schloss“, Roger Lancelyns Robin Hood – Geschichten (vielleicht
bei uns eher die Romane von Rosemary Suttcliff oder Tilman Röhrig) oder „Hans und die Bohnenranke“.

Doch warum ist das magische Buch rostrot, warum bleibt vieles offen, worin liegt die Magie – im Empfinden, Denken, Lesen? Dem Leser werden nicht viele Orientierungspunkte angeboten oder sollen Leser googeln, um herauszufinden, was mit „die Otiyot Hermetica“ gemeint sein soll, dem Geheimnis, dieses Buches? Die dritte Geschichte scheint undurchsichtig, denn Anne hat ihr Buch nur angefangen und es auch dann noch zum Ärger ihres Vaters mit den Seiten nach unten unter das Sofa geschoben.

Ob der Leser sich auf die ambitionierten Rätsel, Sprachspiele und Zitate aus „;Krieg und Frieden“ einlässt und daran Spaß findet, sei dahingestellt. Auf jeden Fall gehen alle drei Kinder aus ihren Erlebnissen mit dem Buch und den Geschichten gestärkt hervor und sind gerüset für die kommende Zeit. Die Eltern der Dorning-Kinder werden aus allem bewusst herausgehalten, denn das Buch ist das Geheimnis der Kinder. Erwachsene könnten da nur stören. Unheimlich, wie aus einem alten Märchenbuch, wirken die Illustrationen von Boris Kulikov. Die übergroßen Köpfe der Kinder erinnern an grausige Alpträume, in die die Akteure ja auf die eine oder andere Weise involviert werden.

Fazit:

Nina Bernstein schickt ihre literarischen Figuren auf eine Reise in die Welt der Prosa und verbindet dabei reales Leben mit den Leseerlebnissen. Der Leser kann auch ohne Kenntnisse der literarischen Vorlagen aus dem englischsprachigen Raum folgen, in den klassischen Abenteuergeschichten versinken und mit den drei Kindern mitfiebern.

Karin Hahn

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

tomi22 meint:
es war spannend weil es sehr klassich war und aufregend sssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssseeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ggggggggggggggggg uuuuuuuuuuuuuuuuuu tttttttttttttttt
tina meint:
ich finde dass alles langweilig aber wie und auserdem finde ich es viel zu lang
lalalalalalalalalallllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllhlllllllllllllllllllhlhlhhlhlhllalalalalal
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