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Buchcover: Maxim Biller: Ein verrückter Vormittag

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Ein verrückter Vormittag von Maxim Biller

erschienen bei Bloomsbury

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

„Sie wünschen, Chefin?“, fragt die rosa Wunschbox mit unschuldiger Engelsstimme und schon überlegt Bella. Doch das Wünschen ist gar nicht so einfach. Auch wenn die Wunschbox keine Küken zaubern kann – wer ist schon vollkommen? – beginnt für das Mädchen eine seltsame Reise durch den Vormittag.

„Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Bella Sonnenschein.“ Bella kann schnell laufen und geht in die erste Klasse. Es ist Sonntag, die Eltern schlafen und Bella ist aufgewacht. Eine gute Gelegenheit, um ungestört mit dem leicht lädierten Zauberbuch zu spielen, das Bella auf der Treppe im Haus gefunden hat. Auf einer Seite steht: „ Zaubern Sie sich eine Wunschbox, junger Freund, dann werden Sie bald nie mehr einen Wunsch haben!“ Das ist für Bella zu hoch. Mit einer Wunschbox kann man sich jeden, aber auch jeden Wunsch erfüllen. Das kann doch nur wundervoll sein. Die kleine durchsichtige, rosa Wunschbox ist da ebenfalls optimistisch, obwohl sie keine Küken zaubern kann. Bella überlegt. Sie ist kein spontanes Kind, eher vernünftig und praktisch veranlagt. Eine Reise, trotz ein bisschen Angst, ganz allein, das wäre ein wahrer Wunsch und eine kleine Schwester. Ixi, so nennt Bella ihre Box, schlägt einen Besuch auf dem Meeresboden vor. Wer kann schon von sich behaupten, dass er an der tiefsten Stelle des Pazifischen Ozeans war? Bella traut sich und belauscht gleich ein Gespräch zwischen einer schillernden Endlosschlange und einer giftigen Leuchtschnecke. Die beiden glitschigen Damen unterhalten sich über Herrn Aal, der den Fernseher immer so laut anstellt. Bella wird entdeckt und wünscht sich schnell zu der Person, der das Zauberbuch einst gehörte. Hexe Juli ist eine angenehme, aber zerstreute Zauberin, die ihr Buch bei einem Flug über Berlin verloren hat. Allerdings hat sie noch ein paar Seiten gerettet, denn Bella war ja nur im Besitz des kaputten Buches. Bella schaut mit der Hexe in die Zukunft und sieht sich als Mutter von drei Kindern. Ixi soll für die Hexe nun ein vollständiges Buch wünschen, was auch klappt, aber dann landet Bella plötzlich auf dem Planeten Elektra, auf dem die Wunschbox zu Hause ist. Ein kleiner Defekt, schnell zu beheben, behauptet Ixi. Von einem Roboter verfolgt, der eigentlich hinter eine flinken Maus her ist, kann sich Bella schnell in Sicherheit bringen. Das Mädchen will nur noch nach Hause. Die Lust am Wünschen ist ihr vergangen, „denn man wünscht sich, wenn man sich alles wünschen kann, doch nur sinnlose Sachen.“
Als Bella dann zu Hause ist, wünscht sie sich, dass die Wunschbox auf immer verschwindet. Auch ohne Wünsche warten tausend schöne Dinge auf das Mädchen.
Kurz vor dem erneuten Einschlafen wünscht sich Bella ganz fest eine kleine Schwester. Und warum sollte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen, wenn man es sich innig wünscht.

Ein altes Spiel: Stell dir vor, du hast drei Wünsche frei. Natürlich wünscht sich dann jedes Kind, dass es sich immer etwas Wünschen kann oder über Zauberkräfte verfügt. Daran wird sich wohl nie etwas ändern, denn Kinder, die sich schwach fühlen, wollen gern stark sein. Sie sind nicht bescheiden, nicht maßvoll und schon gar nicht vernünftig. Warum auch? Sie wollen alles haben, was ihr Herz begehrt. Ob man ihnen dann jeden Wunsch, um der lieben Ruhe willen, erfüllt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Maxim Biller wagt sich, wie so viele bekannte Autoren in diesem Frühjahr ( Felicitas Hoppe, Thomas Lehr, Gila Lustiger, und demnächst auch Ingo Schulze) in die literarische Welt der Kinder. Bereits in Maxim Billers Bilderbuch „Adas größter Wunsch“ drehte sich alles ums Träumen und um ein starkes kleines Mädchen. Die Kraft des Wunsches versetzt Berge und so drückt Ada ihren kleinen Kater Hannibal am Geburtstag fest an sich.
Was hat der Romancier und „Enfant terrible“ der Kulturszene nun Neues zu bieten? Ist sein vorliegender Text ein modernes Märchen, ein wirrer Traum, der in sich eine gewisse Logik hat, denn nur an diese Nachtgeschichten erinnert man sich ja oder einfach nur eine aktuelle Wunschgeschichte? Oder soll es ganz boshaft eine Parabel auf die fantasielose junge Generation sein, die die Gelegenheit nie beim Schopf packt, wenn sie sich bietet, da alle Wünsche, die Kinder äußern, sowieso schnellstens erfüllt werden?

Bella wird morgens nicht vor den Fernseher gesetzt, damit die Eltern am Sonntag ihre Ruhe haben. Sie spielt, liest und träumt – allein. Ein Zauberbuch mit wenigen Seiten und ein kurzer Spruch verheißen dem Mädchen eine Wunschbox. Leider ist sie nicht vollkommen, doch wann benötigt man schon süße, flauschige Küken? Die Freiheit nur für sich etwas zu unternehmen, haben Kinder ( in Berlin und mit sechs Jahren) selten. Und so wünscht sich Bella, als Chefin, eine gewisse Eigenständigkeit, die sie mit Mama und Papa zusammen nie erreichen kann. So darf sie nie allein reisen oder gar hundert Eiswaffeln ordern. Aber Bella scheut vor der Maßlosigkeit zurück, wagt kein Experiment ( mal von der Wiese und den bunten Blättern, die nachwachsen, abgesehen) oder versinkt nicht in der Flut ihrer Wünsche. Nichts katapultiert das allzu vernünftige Wesen in ein wahres Abenteuer. Liegt das an ihrer Ängstlichkeit, die überall lauert – sogar zu Hause? Auf dem Meeresgrund, auch das war ein Vorschlag der Wunschbox, trifft sie nur zwei Klatschbasen, die auch im Treppenhaus an Land stehen könnten und sich das Maul über die Nachbarschaft zerreißen.

Auch der Blick in die Glaskugel und somit in die Zukunft beschert keine wirklichen Überraschungen. Das Leben bleibt trotz Wunschbox in seinen geregelten Bahnen und immer holen die Erwachsenen, auch mit ihren Schwächen, die Kinder ein. Die viel gepriesene Fantasie des Kindes stößt ganz schnell an Grenzen. „; Ich weiß nicht...“ – kein seltener Satz aus Bellas Mund. Das Zauberbuch entzaubert mit seinem desillusionierenden Spruch schon zu Beginn jeglichen Spaß am Ideen entwickeln. Voraussehbar ist jeder Schritt. Sicher wird Bella Sonnenschein vieles im Leben selbst erreichen und selbst machen, aber warum muss ihr das schon jetzt, wo Realität und Fantasie gern Hand in Hand gehen, so klar sein? Dieser Erkenntnisgewinn könnte ruhig noch warten. Dieses schmale Buch hält verschiedene Lesarten bereit und bleibt doch ein Erwachsenenkonstrukt.

In Vitali Konstantinovs verwegenen Illustrationen spiegelt sich allerdings das so arg vermisste kindliche Denken und Fühlen fern jeglicher Vernunft. Auf einmal vermischen sich die Wünsche in expressiven Bildern und Ixi zeigt auf der Karte nicht nach Frankfurt, sondern Amerika, das Kind landet im gruselig grausigen Loft der harmlosen Hexe und malt ihr Pferd, auch ohne die Kraft des Zauberbuches, wie ein Zebra an.

Fazit:

Wünsche erfüllt bekommen ist nicht besonders aufregend. Wo ist die viel beschworene Fantasie der Kinder, die Lust am Fliegen, die der ewig unerfüllten Träume, die Freiheit und Sorglosigkeit im Kinderleben? Auch wenn es bei Maxim Biller um das Kleinsein und das Großwerden geht, Bella Sonnenschein wird zu schnell groß und ist einfach zu vernünftig.

Karin Hahn

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Lena Blank meint:
Mein Kind mag das Buch sehr!!!
Bitte schreiben Sie noch einen zweiten Band!?
Ich bin momentan schwanger und mōchte
dieses Buch Dann auch meinem Baby vorlesen!
Das Buch ist fantastisch.ich liebe es.ich bewerte dieses mit 5 Sternen !
Viele Grūse
D.K.
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