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Buchcover: Nina Blazon: Silfur - Die Nacht der silbernen Augen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Silfur - Die Nacht der silbernen Augen von Nina Blazon

erschienen bei cbt

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Immer wieder ein schönes Kinderbuchthema: am Anfang laaaaaangweilige Sommerferien, die dann unglaubliche Abenteuer, großartige Freundschaften oder Entwicklungsschübe werden. In diesem Buch gibt es gleich alles auf einmal: Ferien in Island, zwei ungleiche Brüder, die seltsame, wilde und abweisende Tochter der Vermieterin, die Landschaft und dann auch noch die Elfen, die es hier ja geben soll. Und alles hängt mit allem zusammen.

Sommerferien. Der Vater muss auf Island arbeiten, die Familie reist mit. Die Mutter freut sich aufs Land, auf Kultur und auf ihre Malerei, die beiden Söhne, der zehnjährige Tom und der 13-jährige Fabio haben nicht soooo viel Lust. Fabio muss sein Laptop zu Hause lassen, seine Games, sein Facebook, sein Internet. Und Tom, der kleine Überflieger, der gerne tobt, turnt und skateboarded und gerade angefangen hat Parcours zu trainieren, weiß auch nicht so recht, was er ohne seine Freunde und nur mit seinem stillen, ruhigen Nerd-Bruder anfangen soll. Die Familie mietet ein hübsches altes Haus; die eigentlichen Bewohner, Mutter und Tochter, ziehen für die Dauer der Ferien zum Onkel. Das Mädchen, Elin, ist sauer, weil es sein Zimmer räumen muss. Anfangs drangsalieren sich die drei Kinder gegenseitig, nach und nach freunden sie sich dann doch an, weil die draufgängerische, unbeliebte Elin sich sowohl dem einsamen, sperrigen Fabio verbunden fühlt als auch dem bäumekletternden Tom. Und Tom und Fabio geht es genauso.

Warum Elin so ist wie sie ist, eine Mischung aus Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Momo, warum die Familie ihrer Vermieterin so viel Pech hat und was es mit dem müden, blassen Jungen Hansen auf sich hat, den Fabio ab und zu trifft, der aber nie ans Telefon geht und den auch sonst niemand zu kennen scheint, all das kommt nach und nach ans Licht, zwischen wilden Jagden auf dem Skateboard, Baumhaus-Bau-Aktionen und ein bisschen Kultur und Landschaft, die die Mutter der beiden – Lehrerin – ihren Söhnen zu vermitteln versucht.

Zur Kultur Islands gehören Elfen und Feenhügel dazu und ohne viel von der Geschichte zu verraten , steht irgendwann fest: Elfen und Feenhügel gibt es in echt, und Fabio scheint das zu sein, was man elfsichtig nennt: er kann Elfen sehen, auch wenn die sich den Menschen eigentlich gerade nicht zeigen wollen. Und so entdeckt er nach und nach diese fantastische Welt, die parallel zu der „echten“ existiert und sich mit ihr verschränkt auf eine sehr zeitgenössische und charmante Art und Weise: die Elfen von heute sind keine robentragenden Flatterwesen, sondern haben Elfennet mit Elfenbook, Schmuck und Freundschaftsbändchen, schicke Klamotten, coole Musik, stylische Frisuren und Mangacomics. Anfangs denkt Fabio von sich selber, er sei krank oder psychotisch, aber dann packt er die Sache an, in deren Mittelpunkt Elin und ihre Familie stehen. Zwischendurch wird es mal nichts für schwache Nerven, denn Menschenkinder und Elfenkinder sind fest entschlossen, gegen den Willen ihrer jeweiligen Erwachsenenwelt die Fäden neu zu sortieren, mit denen sich Elin zwischen den Welten verheddert hat. Und mit Altelfen und ihrer Zauberkraft ist deutlich weniger zu spaßen als mit antiautoritären Menscheneltern. Es bleibt aber trotzdem sehr unterhaltsam und geht am Ende im Großen und Ganzen gut aus, auch wenn nicht immer alles noch gut werden kann, wie Fabio am Ende merkt.

Fazit:

Viele Themen und Geschichten sind in diesem Buch miteinander verwoben, Ferienabenteuer und Elfenwelt, Freundschaftsgeschichte mit Geschwisterdynamik, Erwachsenwerden im Medienzeitalter mit alten nordischen Sagen, Familienalltag mit atemberaubender Landschaft, und zwar so leicht und doch so dicht, dass ein dicker Schmöker herausgekommen ist, höchstes Lesevergnügen mit Tiefgang. Und: All-Age ab zehn Jahren und All-Gender auch; auch wenn man das dem Cover leider nicht so ansieht, das geht mehr in Richtung Glitzer.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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