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Buchcover: Anette Bley: Und was kommt nach tausend?

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Und was kommt nach tausend? von Anette Bley

erschienen bei Ravensburger

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Eine Geschichte voller Herzenswärme über das Leben und den Tod, über Freundschaft, Indianer, das Altwerden und natürlich wie der Titel verspricht, über Zahlen. Wie das alles zusammen passt, zeigt uns Anette Bley in diesem tollen Buch, das durch seine Worte, aber vor allem auch durch seine Bilder mitten ins Herz trifft und zu echten Tränen rührt.

Echte Freunde, das sind Lisa und Otto. Otto ist Gärtner und so treffen sich die beiden in seinem großen Garten. Alles kann er erklären, warum eine Steinschleuder besser ist als Pfeil und Bogen, wie aus Gras eine feine Erde wird, was nach tausend kommt und warum die Indianer ihre Toten in den Baumkronen festbinden. Und wenn das alles Lisa nicht hilft, gibt es ja immer noch die zwei Notkekse in Ottos Tasche, die Olga, Ottos Frau, gebacken hat. Aber Otto ist alt, so alt, dass er ein drittes Bein braucht und schlecht hört. Eines Tages kann er das Bett nicht mehr verlassen, er wird schwach. Lisa weiß, dass er sterben wird. Auf Olgas Schoß sitzt sie bei ihm, bis der Tod eintritt. Bei der Beerdigung und in der Zeit danach fühlt sich Lisa furchtbar unverstanden und verlassen, aber dann kann ihr Olga doch zeigen, wie sehr Otto noch da und in ihr drin ist.

Ein ganz großartig erzähltes und noch viel großartiger gezeichnetes Buch hat Anette Bley hier entworfen. „Und was kommt nach tausend“ ist ein Buch über den Tod und die Unendlichkeit, das durch viele Details in seinen Bann zieht. Mit Otto spricht Lisa über die Unendlichkeit der Zahlen. Als sie ihm die eigentliche Frage: „Was kommt nach tausend?“ stellt, erklärt Otto Lisa, dass die Zahlen niemals enden und tief in uns drin sind. Am Ende des Buches erkennt Lisa dann, dass es mit dem toten Otto ähnlich ist. Er wird immer ein Teil von ihr sein und das bis in alle Ewigkeit.

Die Illustrationen sind in sehr ausdrucksstarken Farben angelegt. Der Textteil ist im Kontrast dazu schwarz/weiß gehalten und zeigt, ganz nebenbei in kleinen Zeichnungen, Lisas Gedankenwelt. Die Bilder besitzen eine derartige Farbintensität, dass sie uns tief berühren, sei es das Nachtblau, in dem die beiden die Sterne beobachten, das Grau, das sich auf die Beerdigung legt bis hin zum Orange, in dem Lisa Otto wieder findet. Beeindruckend ist auch die Idee der verschwommenen Darstellung des durch den Tränenschleier betrachteten Gartens.

Auch die Sprache unterstreicht, auf kindgerechte und zurückhaltende Art, das Geschehen. So wird z.B. klar, dass Otto alt ist, weil er einen Stock (sein drittes Bein) braucht und schlecht hört. Zur Beerdigung ist Lisa deshalb auch sehr wütend, weil alle so leise sprechen, dass Otto sie niemals verstanden hätte. Gegen Ende der Geschichte wird deutlich, wie traurig Lisa ist; Otto fehlt ihr sehr. Hier folgt die schönste Textpassage, die beschreibt wie Olga Lisa auffordert, sich in Gedanken eine Torte vorzustellen. An dem Bild der leckeren Kirschtorte verdeutlicht Olga, dass die Dinge noch da sind, auch wenn man sie nicht mehr sehen kann.

Wo es etwas zu erzählen gibt, erzählt Anette Bley, wo wenig Worte reichen, überlässt sie ihren Lesern den gedanklichen und emotionalen Freiraum. Ein Bilderbuch mit Trost, Herz und Verstand, in dem bestimmt nicht nur Kinder viel für sich entdecken können.

Fazit:

Ein wunderschönes Buch, das sich dem leider noch immer tabuisierten Thema „Tod“ ganz liebevoll und ohne Berührungsängste nähert. Mal zaghaft, mal wütend, nimmt es uns ein wenig die Angst. Am Ende wünscht man sich, dass uns und unseren Kindern im Ernstfall auch eine „Olga“ zur Seite steht, die die Welt wieder ein wenig ins rechte Licht rückt und ein paar Notkekse für uns bereit hält.

Anke Bergen-Mens

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Janina H. meint:
Wunderschönes Buch und es hat mich zu Tränen gerührt. Ich würde es durchaus auch in der pädagogischen Praxis einsetzen, da es der Realität sehr Nahe ist aber trotzdem so gestaltet, dass auch Kinder trotz dieser Konfrontation behutsam an das Thema Tod herangeführt werden. Definitiv weiter zu empfehlen!
Christina Trapold meint:
Wie lehren das Leben ohne den Tod dabei zu beachten, dabei gehört er wie unser Atem zum Lebenskreislauf hinzu.

Für Kinder ist die Unendlichkeit nur ein Begriff und nicht zu verstehen. Mit der Zahlenwelt wird hier auf das Thema angesprochen, was den Kindern die Möglichkeit gibt, die Unendlichkeit mit den Zahlen zu vergleichen;dass das Leben zwar irgendwann endet aber der Tod ewig
hält.

Liebevoll wird hier nicht nur der Kindern klar, dass sie auch trauern, aber eben doch anders als die Erwachsenen.
Christina Trapold meint:
Wie lehren das Leben ohne den Tod dabei zu beachten, dabei gehört er wie unser Atem zum Lebenskreislauf hinzu.

Für Kinder ist die Unendlichkeit nur ein Begriff und nicht zu verstehen. Mit der Zahlenwelt wird hier auf das Thema angesprochen, was den Kindern die Möglichkeit gibt, die Unendlichkeit mit den Zahlen zu vergleichen;dass das Leben zwar irgendwann endet aber der Tod ewig
hält.

Liebevoll wird hier nicht nur der Kindern klar, dass sie auch trauern, aber eben doch anders als die Erwachsenen.
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