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Buchcover: Dieter Böge: Opa Mammut

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Opa Mammut von Dieter Böge

erschienen bei Jacoby & Stuart

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Opa Mammut ist unser aller Opa, natürlich fiktiv, aber andererseits doch möglich, dass es ihn gab. Oder besser gesagt: er ist unser aller UrUrUrUrUr-und-wie-viele-Ur-es-braucht-bis-man-20.000-Jahre-vor-unserer-Zeit-ist-Opa. Er hat in der Steinzeit gelebt, als Jäger und Sammler und sitzt jetzt am Lagerfeuer, in den ewigen Jagdgründen und erzählt von früher und die ganze Weltgeschichte entlang bis er bei seinen UrUrUr-und-so-weiter-Enkeln landet. Bei uns heute.

Opa Mammut fängt an bei seiner eigenen Kindheit, der Zeit der Jäger und Sammler und den berühmten Höhlen von Lascaux. Die waren damals noch kein bisschen berühmt für ihre Wandmalerei, sondern das Winterquartier der Familie von Opa Mammut, damals im Jahre 17.960 vor Christus. Und danach geht es in Jahrhundert- bis Jahrtausendschritten immer weiter voran in der Geschichte, von der Entdeckung des Feuers über die Erfindung des Webens und des Buchdrucks bis zur Neuzeit.

Aufgeteilt ist das Buch in Doppelseiten: jede widmet sich einem dieser markanten Epochen, Ereignisse und Daten. Wobei der Schwerpunkt weniger auf dem Datum liegt oder anderen Fakten wie Ort und Land und berühmten Namen, sondern auf dem, was Opa Mammut davon hält. Ganz so, als würde man mit dem echten Opa ein Fotoalbum durchblättern.

Schon die Überschrift lädt zu Gedankenreisen ein, zusammen mit der zu jeder Doppelseite gehörenden Illustration umso mehr. „Ruhm“ steht zum Beispiel auf der Seite über die Zeit von Ötzi; und „Unfug“ über dem Bild mit Kriegselefanten in den Alpen. Opa Mammuts Kommentar dazu „Mit den Elefanten durchs Gebirge, wochenlang, bei aller Liebe, das ist wirklich übertrieben. Es gab doch sicher auch zuhause ein paar Feinde, da hätten sie es nicht so weit gehabt und jeder hätte kämpfen, wenn er denn wollte. Und abends hätte man dann schön gegrillt.“
Schade eigentlich, dass der Opa diese lebenskluge Lakonie nicht an seine Nachkommen weitergegeben hat, sonst wäre die Welt vielleicht eine friedlichere und bessere.
Andererseits braucht es wohl auch Lebenserfahrung für so eine Haltung und man ist nicht so, sondern wird es im Lauf der Zeit.

Auch in Opa Mammuts Zeit ging es den jungen Leuten genau wie heute um Macht, Ansehen, Fortschritt und Bequemlichkeit. Unter der Überschrift „Fortschritt“, mehr als 18.000 Jahre vor heute beschreibt er, wie sein UrUrUrUrUrUrUrenkel Pfeil und Bogen erfunden hat. „Das mit dem Jagen war nämlich immer eine üble Rennerei.“ Allerdings ist nicht der Enkel selbst drauf gekommen, „seine Schwester hatte die Idee.“ So bindet Opa auch immer wieder die Frauen in die Weltgeschichte ein, ohne sie umzuschreiben.

Die letzte Überschrift ist „Zuhause“, bei uns, bei seinen jetzigen Enkeln und Enkelinnen, im Internetzeitalter: „Die Mammuts sind inzwischen leider ausgestorben, aber immerhin habt ihr noch Elefanten. Gib auf dich Acht, denn die Geschichte ist hier nicht zu Ende.“

Es gibt ein Sprichwort: „Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten und die Gegenwart versteht nicht, wer die Vergangenheit nicht kennt.“ Um die Vergangenheit kennen zu lernen, dafür ist dieses unterhaltsame Sachbuch bestens geeignet, und zwar nicht in Form von „753 Rom schlüpft aus dem Ei“ oder „333 Issos Keilerei“ Jahres-Daten-Fakten. Sondern in einem Überblick, mit Denkanstößen und Unterhaltungswert.

Klasse passen übrigens auch die Illustrationen in gedeckten Farben, groß und detailreich ergänzen und erweitern sie die etwa immer drei, vier Absätze langen Texte. Sie sind – das ist ein kleiner Nachteil – etwas grobkörnig und für Menschen, die eigentlich eine Lesebrille brauchen beim abendlichen Vorlesen eine Herausforderung. Denn dafür, für das Vorlesen nämlich, eignet sich das Buch durchaus, zum Beispiel wenn das Kind auf Sachbücher steht und die Eltern so gar nicht. Hier kommen beide auf ihre Kosten. Und haben hinterher vielleicht noch das ein oder andere Thema zum besprechen

Fazit:

Auch wenn es ein völlig unlogischer Kunstgriff ist, dass ein Ururur &. Ur-Ahn quasi aus dem Off die Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis heute erzählt: es funktioniert super. Opa Mammut ist ein toller Erzähler, er kennt Fakten und Anekdoten, es macht Spaß und hinterher wissen die kleinen und großen Leser mehr über die Menschheit und die Geschichte, als wenn sie Jahreszahlen auswendig gelernt hätten.

Sigrid Tinz

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