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Buchcover: Anthony Bourke: Christian der Löwe

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Christian der Löwe von Anthony Bourke

erschienen bei Cbj-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

In der Wildnis von Kenia beobachten zwei Männer gespannt das Löwenmännchen, das langsam auf sie zukommt. Plötzlich geht der Löwe in einen Spurt über und springt den vorderen der beiden Männer an. Doch statt ihn zu verletzen, umarmt er ihn wild und leckt ihm das Gesicht ab, um kurz darauf mit dem hinteren Mann dasselbe zu tun. Diese außergewöhnliche Begegnung zwischen Mensch und Raubtier wurde auf „youtube“ bereits über 60 Millionen Mal weltweit angesehen. „Christian der Löwe“ erzählt die Geschichte die hinter diesem Video steckt.

Im Jahr 1969 wird der Löwe Christian in einem Zoo in England geboren. Dort lebt er mit seinen Eltern und drei Schwestern die ersten 9 Wochen seines Lebens, bis alle vier Löwenbabys verkauft werden. Christian und eine seiner Schwestern finden sich zur Weihnachtszeit in einem winzigen Käfig im überfüllten Londoner Kaufhaus Harrods wieder. Zu dieser Zeit sind auch die beiden Freunde Ace und John dorthin unterwegs, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Als sie die beiden tapsigen Löwenkinder in ihrem engen Käfig erblicken, werden sie sofort in deren Bann gezogen. Besonders Christian wächst den beiden gleich ans Herz, und so ist innerhalb kürzester Zeit die Entscheidung getroffen, ihn zu kaufen und ihm ein schönes neues Zuhause zu bieten.

Im hellen, luftigen Keller ihres Möbelhauses hat Christian mehrere Räume für sich, die mit verschiedenen Spielsachen und Decken ausgestattet sind. Sogleich macht sich Christian daran, alles zu erkunden und fühlt sich pudelwohl. Schnell erobert er auch die oberen Räume des Möbelhauses und macht sich einen Spaß daraus, Kunden zu erschrecken. Ace und John verbringen jede freie Minute mit Christian. Einmal am Tag führen sie ihn in einen großen Kirchgarten aus, in dem er toben und spielen kann. Christian fordert viel Zuneigung ein, schmust oft mit seinen neuen Freunden und leckt ihre Gesichter ab. Gemeinsam erleben die drei eine wunderschöne Zeit.

Gerade weil es dem Löwen so gut geht, wächst und gedeiht er prächtig. Doch dadurch entstehen nach und nach einige Probleme. Christian darf nur noch nachts in den Kirchgarten, weil sich die Gläubigen vor der gewaltigen Katze fürchten. Und auch im Laden erschrecken sich immer mehr Kunden vor ihm, sodass er tagsüber im Keller bleiben muss. Immer wieder beschäftigt John und Ace die Frage, ob sie Christian wirklich ein gutes Zuhause bieten können und, ob sie es leisten können, einen echten Löwen großzuziehen. Gerade zu dieser Zeit tauchen Bill und Virgina, zwei berühmte Schauspieler, im Laden auf. Sie haben in einem Film mitgespielt, in dem sie ein verwaistes Löwenbaby aufziehen und später auswildern. Christian darf bald in ihren Garten umsiedeln. Doch John und Ace wird klar, dass ihr Löwe auch hier immer eingesperrt und niemals frei sein wird, auch wenn der Garten groß und schön ist. Gemeinsam mit Bill und Virginia beschließen sie, Christian in Kenia auszuwildern. George, ein gemeinsamer Freund der beiden Schauspieler, der in Kenia lebt, hilft ihnen dabei alles zu organisieren.

Nach einer anstrengenden Reise und mehreren gemeinsam verbrachten Wochen in Afrika, wird es für Ace und John Zeit von ihrem Zögling Abschied zu nehmen. Auch wenn es ihnen nicht leicht fällt, sich von Christian zu trennen, wissen sie doch, dass es das richtige für ihn ist.

Knapp 12 Monate später besuchen die beiden Freunde Christian jedoch noch einmal in der Wildnis, wobei es zu dem ungewöhnlichen und freudigen Wiedersehen zwischen Mensch und Tier kommt, das sich schon Millionen Menschen fasziniert angesehen haben.
Video auf Youtube ansehen

Die Geschichte um den zahmen Löwen Christian, die schon so viele Menschen begeistert hat, wurde bereits 1971 von seinen beiden Zieheltern Anthony „Ace“ Bourke und John Rendall veröffentlicht. Im Zusammenhang einer Neuauflage im Jahr 2010 haben die beiden ihre Erlebnisse mit Christian nun auch für Kinder im Alter von 8 Jahren passend aufgearbeitet. Sie schildern sehr liebevoll die Entwicklung und das Zusammenleben mit ihrem Zögling. Beim Lesen kann man die innere Verbundenheit von Mensch und Tier fast spüren, weil Anthony und John anhand kleinster Veränderungen im Blick oder Verhalten ihres Löwen erkennen können, was in ihm vorgeht. Und auch Christian fühlt, wenn seine beiden Freunde besorgt oder traurig sind. Zwischen den dreien herrscht eine so innige Freundschaft und Liebe, wie sie selten zwischen Menschen gefunden wird und es ist eine wahre Freude, die Entwicklung dieser Freundschaft in diesem schönen Buch verfolgen zu können. Dabei wächst die Geschichte dem Leser besonders an Herz, weil man weiß dass sie real und nicht erfunden ist.

Welche großen Veränderungen dieser kurzentschlossene „Einkauf“ bei Harrods auf die beiden jungen Männer haben würde, konnten sie sich sicherlich vorher nicht ausmalen. Mit einem Baby – noch dazu mit einem solch außergewöhnlichen – wurden die beiden völlig aus ihrem Alltag gerissen. Sie mussten ihre Wohnung umgestalten, Gewohnheiten umstellen, und ihr Leben völlig auf ihren Zögling einstellen. John Rendall und Anthony Bourke taten dies mit viel Liebe und Hingabe und genossen die Zeit mit ihrem Löwen. Doch ohne Engagement und den Willen, sich voll und ganz auf ihr Tier einzulassen, wäre das Zusammenleben mit Christian sicher nicht geglückt. Anhand ihrer mitfühlenden Schilderung können schon junge Leser erkennen, was für eine große Verantwortung in der Aufzucht eines Tieres steckt, mag es auch noch so knuddelig aussehen. Es wird jedoch auch deutlich, was für ein wunderbares Gefühl es ist sich mit einem Tier anzufreunden, wenn man bereit ist, diese Verantwortung zu tragen.

Durch die wundervolle Zeit mit Christian geprägt, engagieren sich Anthony Bourke & John Rendall zeitlebens für afrikanische Tiere und Tierschutz. Deshalb erhalten Kinder zusätzlich zu der ergreifenden Geschichte viele Hintergrundinformationen. Zum Beispiel erfährt man einiges über Christian und seine Artgenossen, wie Körperbau, Verhalten und Lebensweise sowie seine neue Heimat Kenia; die Autoren und weitere berühmte Löwen werden vorgestellt ebenso wie die „fünf großen“ afrikanischen Tierarten und zwei Tierschutzorganisationen. Für interessierte Leser werden auch Möglichkeiten vorgeschlagen, sich selbst für den Tierschutz zu engagieren. So wird bei Kindern schon früh ein Bewusstsein für bedrohte Tierarten und den Artenschutz geschaffen.

Dass ihre Geschichte so viele Menschen bewegen würde, hätten sich die beiden Autoren sicherlich nicht träumen lassen. Mittlerweile gibt eine große Fangemeinde, die sich für das ergreifende youtube-Video begeistern kann. Viele weitere Internetseiten befassen sich mit dem Löwen Christian, seine Zieheltern sind gern gesehene Gäste in Talkshows und die Geschichte wurde auch verfilmt. Die Neuauflage ihres Buches und die Veröffentlichung als Kinderbuch ist vermutlich die Antwort der Autoren auf das neu entfachte Interesse durch die Verbreitung im Internet.

Fazit:

John Rendall und Anthony Bourke zeigen mit ihren Erlebnissen in „Christian der Löwe“ sehr eindrucksvoll, dass Liebe keine Grenzen kennt und wahrhaftige Freundschaft ein Leben lang anhält. Eine verblüffende Geschichte über die große, geradezu menschliche Zuneigung eines Raubtieres, das weltweit die Herzen von Millionen Menschen erobert hat.

Anna Fleckenstein

 

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