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Buchcover: Delphine Bournay: Krümel und Pfefferminz - Allerbeste Freunde

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Krümel und Pfefferminz - Allerbeste Freunde von Delphine Bournay

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Tiger & Bär oder Frosch & Kröte: das Modell „ungleiche Freunde“ ist ein bewährtes Erfolgsrezept. Mit Krümel und Pfefferminz (Grignotin et Mentalo) hat Delphine Bournay ein französisches Pendant geschaffen: das niedlich-kindliche gelbe Häschen und der große kluge grüne Frosch lernen gemeinsam sich selbst, ihr Gegenüber und die Welt kennen. Die kurzen unterhaltsamen Szenen sind aus dem Leben gegriffen und mit vielen skizzenhaften Zeichnungen liebevoll illustriert. Es braucht keine großen Abenteuer: Bournay lenkt die Aufmerksamkeit auf die kleinen Dingen, auf den Sinn im scheinbar Belanglosen. Gerade der poetische Blick auf den Alltag ist es, der Krümel und Pfefferminz ausmacht und der neuen Buchreihe besonderen Charme verleiht.

Wer hat Angst im Dunkeln? Das kleine Häschen Krümel wird von komischen Geräuschen wach und zieht sich die Decke über den Kopf. Zum Glück ist der Nachbar und beste Freund nicht weit: Pfefferminz, ein grasgrüner Frosch – der in französischen Kritiken nicht zufällig auch mal für ein Krokodil gehalten wird -, eilt zur Hilfe. Seine spontane Idee: lass uns etwas malen. Die Bilder wollen sie sich gegenseitig schenken. Krümel zeichnet für Pfefferminz das Meer und Pfefferminz füllt das ganze Blatt mit schwarzer Farbe. „Was ist das?“ fragt Krümel – „Das ist die Nacht!“ antwortet Pfefferminz. Krümel hängt „die Nacht“ an die Wand, wünscht ihr „Gute Nacht“ und schlummert wieder ein.

Bist du auch ein Dichter? Pfefferminz findet es sähe so aus „als ob der Wind Tango tanzen würde“. Krümel ist begeistert: „Du bist ein richtiger Dichter“. Kurzer Hand organisiert er eine Lesung für den Abend. Pfefferminz geht in die Natur um Inspiration zu finden: von einem Wunder stößt er auf das nächste und findet tausend schöne Titel – aber er schreibt kein einziges Gedicht. Zum Glück hat er ein dankbares Publikum: anstatt den Worten seines Freundes zu lauschen, lässt sich Krümel die Schönheiten der Natur einfach zeigen. Ein schöner „Dichterabend“ war das, findet Krümel. Pfefferminz ist für ihn „ein großer Künstler“.

Wie lernt man Selbstvertrauen? So einen hässlichen Hut hatte Krümel noch nie! Eigentlich wollte er eine blaue Kappe, aber die Verkäuferin hat ihn überredet einen Obstsalat-Hut zu kaufen. Jetzt fühlt er sich elend und fällt seinem Freund in die Arme. Pfefferminz erkennt sofort: Krümel braucht mehr Selbstvertrauen. Das heißt: üben! Er bringt Krümel bei Dinge „mit Bestimmtheit“ zu sagen. Krümel findet Gefallen daran: „Kieselstein! Bleib still liegen!“; „Moos! Sei weich!“. Doch dann ruft Krümel mit Bestimmtheit: „Pfefferminz! Geh meinen Hut umtauschen!“ Pfefferminz schnappt ein – so will er nicht mit sich umspringen lassen. Kurz kommt es zum Streit, doch dann fallen sich die zwei wieder in die Arme und gehen gemeinsam zum Laden: Krümel tauscht seinen Hut um und Pfefferminz kauft sich auch einen.

Weißt du eigentlich wie lieb ich dich hab? Eifersüchtig kann man auf jeden und alles sein. In der Geschichte von Sam McBratney erklärt der Hase seinem Kind: wir haben uns lieb von hier bis zum Mond und wieder zurück. Für Krümel misst sich die Liebe seines Freundes aber anders: er hat Angst Pfefferminz könnte den Mond lieber haben als ihn selbst. Pfefferminz schaut nämlich so verliebt zu ihm hinauf. Dieser kann ihm seine Angst aber nehmen: Krümel ist sein bester Freund, den er am liebsten hat „auf der ganzen Welt“. Gemeinsam lachen sie über den Mond, der doch aussieht wie „ein Camembert“ und setzen den Spaziergang fort.

In den vier Kapiteln – „Die Nacht“, „Der Dichter“, „Der Hut“ und „Der Mond“ – werden die Figuren, sowie grundlegende Aufbauprinzipien und Spielregeln der neuen Reihe eingeführt. Krümel und Pfefferminz sind Nachbarn und beste Freunde – dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Krümel, der gelbe Hase, ist kindlich-naiv – Pfefferminz, der grasgrüne Frosch ist im Vergleich reif und überlegt – auch wenn seine Ideen nicht immer gut sind – wie die späteren Bände zeigen. Die Gegensätze und das Ungleichgewicht zwischen den Charakteren tragen die Geschichten und fördern die oft heitere Situationskomik.

Dabei geht es nicht um die Entwicklung komplexer Geschichten, sondern um die Präsentation ganz einfacher, in sich abgeschlossener Szenen oder Sketche aus dem Alltag. Es dominiert der teils etwas zu stark in Smalltalk abgleitende Dialog zwischen Krümel und Pfefferminz – die farblich abgesetzte direkte Rede (Pfefferminz=grün, Krümel=rot) wird nur sporadisch von kurzen Erzähltextpassagen ergänzt. Allein steht die Figurenrede aber nicht: bunte Handzeichnungen begleiten die Dialoge (nur Hase und Frosch sind eingefärbt, sonst dominiert die auf Randlinien reduzierte Skizze). Die Illustrationen geben den Gesprächen zwischen Krümel und Pfefferminz sowie ihrer Beziehung zueinander einen visuellen Ausdruck und ersetzen die Funktion des stark reduzierten Erzähltextes.

Die Art wie Illustration und Text zusammenspielen, die Betonung des Skizzenhaften und die Einfachheit der Geschichten machen Krümel und Pfefferminz zu etwas ganz Besonderem. Das ist auch gut so, denn bei der Lektüre mag man sich des Öfteren an Handlungsmomente aus dem amerikanischen Klassiker Frosch und Kröte erinnert fühlen: Kröte will nicht aus dem Bett kommen, kauft sich einen viel zu großen Hut und hält es kaum aus als Frosch allein sein möchte. Schwierig ist die Nähe deshalb, weil ein Kontrast zu einem sehr starken literarischen Vorbild gewählt wird – da ist es mitunter nicht leicht mitzuhalten. Erfreulich ist jedoch, dass Bournay mit Krümel und Pfefferminz keinen billigen Abklatsch, sondern tatsächlich etwas Neues – und zwar etwas durchaus überzeugendes Neues – geschaffen hat.

Krümel und Pfefferminz – Allerbeste Freunde ist der erste in Übersetzung erschienene Band der Erfolgsreihe. Mittlerweile sind vier Bände (von Julia Süßbrich aus dem Französischen übersetzt) auf dem Markt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt kürzlich Krümel und Pfefferminz – Wilde Tiere: dieser Band ist für den Jugendliteraturpreis 2014 nominiert. Wilde Tiere wird damit als besonders humorvoll und sprachlich raffiniert herausgehoben, steht aber für den Erfolg der ganzen Reihe.

Empfohlen wird Krümel und Pfefferminz ab 6 Jahren oder für etwas fortgeschrittene Selbstleser. Der Grundton der Geschichten, die Dominanz von Harmonie – denn auch wenn es mal Streit gibt, ist die Versöhnung nah – und die teils niedliche Liebenswürdigkeit der Tiere lassen eher an eine jüngere Zielgruppe denken. Da der selbstreflexive Umgang mit Gefühlen und mit Freundschaft jedoch eine entscheidende Rolle spielt, ist der Stoff durchaus anspruchsvoll. Junge Selbstleser jedoch könnten von der gänzlich fehlenden Spannung und dem Fokus auf Einzelszenen abgeschreckt sein. Sprich: Krümel und Pfefferminz ist eine warmherzige und wertvolle Lektüre, es lässt sich aber nicht pauschal sagen für wen.

Fazit:

Krümel und Pfefferminz ist das französische Pendant zu Frosch und Kröte. Ein liebevoller Blick auf Freundschaft, Gefühle und Beziehungen. Im Zentrum: die kleinen Dinge, die Poetik des Alltags.

Anneka Esch-van Kan, Mai 2014

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