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Buchcover: Nele Brönner: Affenfalle

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Affenfalle von Nele Brönner

erschienen bei Luftschacht

geeignet für Kinder im Alter ab 5 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*
Der Sommer ist erbarmungslos heiß, der Wüstenfuchs verzweifelt auf der Suche nach Wasser. Er trifft Tier um Tier, jedes verrät ihm seinen Trick, der ihm aber jeweils nichts nützt. Nur die Geheimvorräte der Affen könnten ihm helfen, aber die wollen ihre Wasserstelle nicht verraten...

Auf den allerersten Blick sieht das Buch ein bisschen blass aus, verschiedene Beige- und Gelbtöne dominieren, wie in der Wüste, wo die Geschichte ja auch spielt. Aber schon auf der ersten Seite hat sie einen in ihren Bann gezogen : der große, schlanke, in schwungvoller Linie gezeichnete leuchtendrote Fuchs und sicherlich auch der Text tragen viel dazu bei; er hat seine eigenen Rhythmus, ein bisschen langsam, so dass sich auch durch die Worte der Eindruck eines heißen, trägen Tages einstellt.

„Heiß ist der Sand, heiß sind die Steine. Heiß sind die Luft und der Wind. Das Gras ist staubig und der Fluss ist trocken. Der Durst brennt dem kleinen Fuchs auf der Zunge. Er läuft über die Ebene, läuft und läuft, aber findet keinen Fluss, findet keinen Tümpel, kein Wasserloch.“

Und genau so sieht es aus: gelb-beige-braune Wüste, einige wenige gelb-beige-braune Stachelpflanzen und ein kleiner Fuchs, der durch die obere Hälfte der Seite schnürt. Auch auf den folgenden Seiten dominiert das Wüstengelb, der Fuchs trifft verschiedene Tiere, die ähnlich schön und dynamisch geschwungen gezeichnet und in Großaufnahme zu sehen sind.

Der Text ist relativ umfangreich für ein Bilderbuch  also mal richtig was zum Vorlesen. Und tatsächlich ruft das Kind anders als bei vielen anderen Büchern nicht: „Das war zu kurz! Noch mal! Noch eins!“, sondern lehnt sich zufrieden zurück und sinniert noch über die ein oder andere Szene nach. Der Geschichtenhunger scheint gestillt. Auch als Erwachsener ist man nach dem Ende rundum zufrieden irgendwie. Warum, ist schwer zu beschreiben, es ist weder sehr lustig noch sehr aufregend noch sehr bunt noch sehr lebendig, es ist nichts davon und alles zusammen  es berührt das Herz, vielleicht trifft es das am besten.

Die Sprache ist durchaus verständlich und kindgerecht, beschränkt sich aber nicht nur auf den Grundwortschatz und ist sehr bildhaft.

„Die Sonne steigt höher und sticht ihm in den Rücken, der Durst brennt ihm auf der Zunge.“

Der Fuchs trifft eine Antilope, dann ein Erdferkel, das ihm einen bittere, saftige, stachelige Melone anbietet, die ein Fuchs aber nicht verdauen mag. Dem nächsten Tier, einem Chamäleon, reicht ein Tropfen Tau am Tag  auch keine Lösung für den Fuchs. Es rät ihm, die Affen zu fragen.

„Die wissen immer, wo es noch Wasser gibt.“

Das tut er, höflich, und die Affen schreien wild und unhöflich und albern zurück: „Nein!“
Der Fuchs resigniert. Da hört er plötzlich eine Stimme aus dem Sand:

„Hallo, junger Fuchs. Du musst es mit einem Trick versuchen. Nimm diesen schönen Stein.“

Und  Klack  poltert etwas Grünes Glitzerndes auf den Boden.

„Nimm ihn und mach ein großes Spektakel, bis alle Affen dir zuschauen. Und dann steckst du den Stein in das kleine Loch in dem großen Baum.“

Wer da spricht, und woher der Stein kommt, wird im Buch nicht aufgeklärt  und bietet herrlich Raum zum Spekulieren und sich die Geschichte in der Geschichte selber aus zu denken. Eine Fee? Ein Erdmännchen? Eine Elster  wegen des Glitzersteins?

Der Fuchs tanzt und trällert vor den Affen herum und jongliert mit dem Stein, bis alle neugierig sind. Dann lässt er ihn in besagtem Loch verschwinden. Affenleibergewimmel, Klopperei, bis der Chefaffe zugrabscht. Aber  und das ist der Trick  als Faust um den Stein geschlossen, ist seine Hand zu groß und passt nicht mehr durchs Loch: Er steckt fest. Aber er will! Den! Stein! Haben! Also lässt er nicht los. Bis er halbverdurstet wie ein plattes Fell auf dem Boden liegt und ihm die Augen verschwimmen vor Gluthitze und Durst. Die Faust öffnet, den Stein im Baum lässt und losrennt. Und der Fuchs läuft auf seinen weichen Pfoten hinterher.

„Zum geheimen Wasser. Das süß riecht wie die Nara-Melonen, kühl schmeckt wie der Schnee auf den Bergen und weich ist wie der Morgentau.“

Zweifelsohne ist „Affenfalle“ ein Buch mit tierischen Protagonisten, aber eins, in dem die Tiere nicht wie meistens als Menschenersatz antreten müssen, als schmückendes Beiwerk oder in Latzhosen und auf zwei Beinen. Sondern einfach so wie sie sind die Hauptrolle in ihrer eigenen Geschichte spielen.

Fazit

Ein Wüstenfuchs auf der Suche nach Wasser  tierischer Alltag sehr wahrscheinlich. Und damit ist dieses Buch eins der wenigen, in der Tiere nicht als Menschenersatz auftreten und besonders drollig sein müssen, sondern sie selbst bleiben dürfen. Und trotzdem kein nüchternes Sachbuch ist, sondern eine märchenhafte Geschichte mit wunderschön gezeichneten Tieren.

Sigrid Tinz

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