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Buchcover: Jennifer Brown: So überlebte ich das Schuljahr, trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: So überlebte ich das Schuljahr, trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy von Jennifer Brown

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Es gibt Romane über Kinder für Kinder, die sind einfach schön und heimelig; es gibt welche, die sind ganz und gar nicht heimelig, sondern in denen passiert eigentlich ziemlich krass alles; von Mobbing bis Pubertätsbeginn, von schlechten Noten bis familiären Turbulenzen – und die Protagonisten nehmen es á la Greggs Tagebuch mit krachendem Humor. Und es gibt welche, in denen all das Krasse wirklich krass ist und von den Protagonisten auch so erlebt und vom Autor so erzählt wird. Nicht ein Scherz, ein Lachen aus vollem Herzen, ein winziger Moment Genuss und Freude und keinerlei Situationskomik gibt es dann in der Geschichte. Im wahren Leben gibt es ja aber Gutes und Schlechtes, Freude und Unglück immer auch gleichzeitig. Und alles gleichzeitig, das gibt es in diesem Buch: „So überlebte ich das Schuljahr, trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy“ klingt ja auch schon so, als wäre viel los.

Luke, Siebtklässler, hat es nicht leicht in der Schule. Ein bisschen wie jeder, was die Noten angeht und die langweiligen Fächer; und ein bisschen mehr als jeder, weil er ein paar Mädchen in der Klasse hat, die ihn mit selbstgedichteten Spottliedern traktieren. Und weil er keine Freunde hat, beziehungsweise nur einen, Walter, der aber erst in der sechsten Klasse und auch sonst ein bisschen peinlich ist. Einen weiteren Freund trifft er nur online, beim Computerspiel: Randy, den er noch nie gesehen hat, mit dem er aber jeden Nachmittag – und wann immer er Zeit hat und seine Eltern es erlauben – virtuelle Aliens jagt und sich super mit ihm versteht.

Richtig schwer hat er es auch nicht: er wird von den anderen Jungs als Schulkamerad akzeptiert, ist also kein Außenseiter und insgesamt identifizieren sich alle mit der Schule, deren Markenzeichen es ist, die Highschool zu sein, die nie einen Preis oder Wettbewerb gewonnen hat, gewinnt und wahrscheinlich auch nicht gewinnen wird. Die Geschichte spielt in den USA und dort sind diese Preise und Pokale vom Football bis zum Technik-Wettkampf wichtiger Bestandteil des Schulalltags.

Zuhause hat er es freundlich und lebendig, etwas gestresste Eltern und vier Großeltern, die jedes Wochenende zu Besuch kommen und ihn und seinen Bruder mit Essen, Küssen und klugen Sprüchen überfallen. Ein echtes Problem hat Luke allerdings, eins bei dem echte Eltern sicherlich überlegen würden, ob sie damit zur Erziehungsberatung oder zum Kinderpsychologen gehen würden; und zwar redet er seit Monaten kein Wort mit seinem großen Bruder.

All das ist nicht auf einen Erzählstrang fokussiert, sondern passiert nebeneinander und nacheinander und durcheinander – wie im echten Leben eben. Luke hat Spaß mit Randy beim Zocken, dann kommen die Omas und kündigen an, was Leckeres zu kochen, und dann kommt sein Bruder Rob und Lukes Stimmung ist im Keller und er geht auf sein Zimmer, wo er nicht zockt, nicht isst, sondern unglücklich ist, dass sein großer Bruder nicht mehr sein bester Kumpel ist, sondern im Herbst wegziehen wird, um aufs College zu gehen, um dann Astronaut zu werden. Das fühlt sich für Luke wie Verrat an, wie im Stich gelassen zu werden. Und deshalb redet er seit Monaten kein Wort mit Rob, er behandelt ihn wie Luft.

Seine Eltern hätten gerne, dass er mehr Freunde und Hobbys hätte und deswegen kann er nicht verhindern, dass sein Lehrer ihn und seine Eltern überredet, im Schul-Robotik-Team mitzumachen. Endlich soll die Schule mal einen Preis gewinnen! Leider sind im Team nur alle die Kinder, die sonst keine Termine und Hobbys und damit keine Ausreden hatten. Eher die Looser – und Robotik-Experten schon mal gar nicht: Missy, die schon seit den ersten Klassen gemeine Lieder über Luke singt. Mikayla, die bewundernswerte Sachen mit ihren Zehen machen kann – malen, schreiben, Zöpfe flechten – und dafür auch rund um die Uhr bewundert werden will, ein paar unscheinbare, aber sehr nervige andere Jungs; und Lunchbox Jones, der gefürchtetste Junge der Schule, der so heißt, weil er immer eine blaue Lunchbox mit sich herumträgt. Luke sollte ins Team, weil sein Lehrer herrlich analog denkt und meint, leidenschaftliche Gamer seien automatisch Experten für alles mit digitaler Technik. Dabei weiß Luke nur, wie man Spiele austrickst und Aliens tötet und Level knackt, aber nicht wie man sie programmiert und mit Robotern hat er noch nie was zu tun gehabt.

Im Laufe der Geschichte verknüpfen sich die Handlungsstränge weiter: Lukes peinlicher Pausenfreund Walter baut mit am Roboter, weil er ein Autofreak ist und sich mit Mechanik auskennt. Die Mädchen im Team werfen die Arbeit hin und Luke bleibt nur noch Lunchbox Jones, der sich als eigentlich netter Kerl mit trauriger Vergangenheit erweist. In der Lunchbox sind Fotos seines toten Vaters, von denen er sich nicht trennen mag. Und er erweist sich vor allen Dingen als Programmierexperte, der dem Roboter tatsächlich in Gang und auf Trab bringt. Dann verwickelt sich alles noch mal ein bisschen mehr, weil der Robotik-Wettbewerb am gleichen Tag stattfindet wie ein großer Live-Alien-Game-Wettkampf in der Stadthalle, wo Luke auch hinmöchte, im Team mit Randy, den er dort endlich hofft kennenzulernen.

Zwar geht alles schief beim Robotikwettbewerb, aber Lukes Team gewinnt immerhin einen Trostpreis und erlebt sich als Team; er schafft es noch zum Alienwettbewerb, wenn auch ein bisschen spät. Danach wird gefeiert und Luke und all seine einzelnen Freunde und Bekannte spielen im Wald Verstecken und Kämpfen, so wie Luke und sein Bruder Rob es früher zusammengespielt haben. Und auch Rob darf mitmachen.

Wie der Game-Wettbewerb „Angriff der Aliens“ ausgeht und überhaupt, wie es war, wird nicht erwähnt. Nur dass Luke noch hindurfte. Was sehr schade ist, besonders weil viele Kids das Buch (auch) deswegen lesen und mögen, wegen der Zockerei; und nicht wegen der letztendlichen Moral von der Geschichte, dass man auch im wahren Leben viel Spaß haben kann und dass man Menschen nicht nach Äußerlichkeiten beurteilen sollte. Was stimmt. Aber auch Alien-Online-Kämpfe gehören zum Leben und machen aus den Zockerkids keine Zombies, das zeigt das Buch ja letztendlich, auch wenn es vielleicht nicht beabsichtigt ist.

„So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy“ – dieser lange Satz als Titel trifft es ziemlich genau – auch wenn man sich anfangs gar nichts darunter vorstellen kann. Nach dem Lesen ließe sich noch einiges anfügen und es könnte auch heißen: "So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy, trotz Football, Randys Witzen, trotz meines Bruders Rob, dieser Verräter, mit dem ich mich dann doch wieder versöhnt habe, trotz meiner backenkneifenden Omas, die überhaupt nicht merken, dass ich nicht mehr zwei bin; und am Ende war ich auch noch mit Lunchbox Jones Schule befreundet. Der ist nämlich gar nicht gefährlich, wie immer alle dachten und jetzt ist er auch nicht mehr der Außenseiter der Schule.

Fazit:

Tolle Mischung von allem, was es so gibt und geben kann im Leben eines eigentlich ganz normalen Siebtklässlers.

Sigrid Tinz

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