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Buchcover: Will Buckingham: Rüssel und Hase

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Rüssel und Hase von Will Buckingham

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Schon allein der Ausspruch „Rüssels mögen keine Abenteuer“ macht neugierig auf genau diese. Was ein Rüssel so den ganzen Tag macht und wie es dazu kam, dass ein Rüssel sich doch noch in ein Abenteuer stürzt, das erzählen Autor Will Buckingham und Illustrator Thomas Docherty in ihrer dann doch ziemlich rasanten Freundschaftsgeschichte

Rüssel, der an ein Mammut auf zwei Beinen erinnert, lebt ganz allein in seiner windschiefen Hütte am Strand. In dem Sumpfland, in dem er lebt, macht er sich jeden Tag auf die Suche nach „Meerfenchel“, aus dem er sich eine Suppe kocht. Rüssel, der abends am warmen Ofen sitzt, ist froh dass er den warmen Platz nicht mit jemand anderem teilen muss – ebenso wenig wie seine Meerfenchel-Suppe. Als ein schlimmes Unwetter tobt, klopft es plötzlich und ein völlig durchnässter Hase steht vor Rüssels Tür. Da Rüssels niemals Besuch bekommen, ist Rüssel erst einmal kategorisch gegen das Eintreten des Hasen in sein Reich. Doch ehe sich der eigenbrötlerische Zottel versieht, wärmt sich Hase auch schon die Füße am warmen Feuer und verspeist die Reste der Meerfenchel-Suppe – auch wenn Rüssels, laut Rüssel, niemals ihre Suppe teilen.

Doch dann erzählt Hase von seiner Abenteuerreise. Und obwohl Rüssel so tut, als würde er gar nicht zuhören, nimmt er jedes Wort gebannt auf. Als Rüssel pünktlich um Acht Uhr schlafen geht, hat der Hase seine Geschichte noch nicht zu Ende erzählt. Doch Rüssels lassen sich anscheinend nicht von ihren Gewohnheiten abbringen, Punkt acht ist Schlafenszeit. Basta!

Rüssel träumt in dieser Nacht so herrlich wie noch nie. Als er am nächsten Morgen aufwacht, ist Hase schon mit seinem Boot weit auf die See hinausgefahren. Rüssel ist ganz aufgeregt: Er will unbedingt das Ende der Abenteuerreise erfahren und bricht nun endgültig mit seinen Gewohnheiten. Er schnappt sich seine alte Badewanne und schippert mitsamt Decke, Suppenkessel und Suppenkelle hinter dem Hasen her …

Will Buckingham und der Illustrator Thomas Docherty, der in Großbritannien bereits zahlreiche Bilderbücher illustriert und veröffentlicht hat – u.a. auch das hier erschienene „Der Leuchtturm unter den Wolken“ (http://www.kinderbuch-couch.de/docherty-thomas-der-leuchtturm-unter-den-wolken.html) – erzählen mit „Rüssel und Hase“, eine liebenswerte und kurzweilige Geschichte mit fröhlich-rasantem Ausgang. Im englischen Original heißt das Buch passenderweise „The Snorgh and the sailor“, wobei „Snorgh“ stark an das englische Wort „Snorkel“ erinnert, das übersetzt „Schnorchel“ bedeutet.

Bereits der Einstieg gestaltet sich überaus originell und witzig. Die Idee, zunächst einmal klar zu stellen, was „Rüssels“ alles nicht machen, um diesem Kerl das genaue Gegenteil auf den Hals zu schicken, weckt nicht nur bei Lesern ab vier Jahren reges Interesse. Dabei beschleicht einen auch ein wenig das Gefühl, dass Rüssel sich nur auf das allgemeine „Rüsseltum“ zurückzieht, um damit seine Brummigkeit zu verteidigen. Schließlich verbringt Rüssel seine gesamte Zeit ganz allein mit sich – woher soll er wissen, was er auf der Welt verpasst? Und vielleicht steht er auch stellvertretend für viele eigenbrötlerischen „Rüssels“ dieser Welt, die ihre eingefahrenen Bahnen nicht verlassen mögen.

Wie sehr wird da sein Leben durch den quirligen, kontaktfreudigen Hasen durcheinandergewirbelt. Keine Frage, der kleine Kerl ist niedlich. Wenn er auch etwas überdreht wirkt, mit seinen stets weit aufgerissenen Augen und den langen Löffeln, die er immer aufgeregt in die Höhe streckt. Sein zotteliges Fell ist braun und nur am Bauch und an den enormen Hinterläufen kann man eine weiße Färbung entdecken. Beide Darsteller sind echte Hingucker. Wie der kleine Hase (mit Rettungsring, Paddel und Anker) so im strömenden Regen vor Rüssels Tür steht und seinen Kopf empor reckt, fängt sehr schön den Augenblick der ersten Begegnung der beiden ein. Diese ruhigen, stimmungsvollen Momentaufnahmen wechseln sich im Verlauf immer wieder mit quirlig-rasanten Sequenzen ab, die Docherty effektvoll in Szene zu setzen weiß.

Die Illustrationen von Thomas Docherty strahlen durch die vorherrschenden Farben Blau und Braun. Sie wirken auf diese Weise warm und frisch zugleich. Damit spiegeln sie genau die Stimmung, wie man sie an einem klaren Tag am Meer erlebt. Sehr schön ist auch das Spiel mit der Intensität der Farben, die im verregneten Sumpfland eher blass ausfällt und in Rüssels warmer Hütte kräftigere Töne zeigt, in denen das klare Blau aufleuchtet.

Dem Duo gelingt es weitestgehend, die rasante Wendung im Leben des zotteligen Rüsseltiers auf sehr komprimierte Weise wieder zu geben. Die Geschichte wird gerade zu Anfang, da der Hase Rüssels Alltag durcheinanderbringt und von seinen großen Abenteuern erzählt, mittels vieler kleiner Illustrationen erzählt. Dabei umgibt der Text locker den comicartigen Verlauf, der auf einer Seite dargestellt wird. Hier sollte man Kindern zu Anfang ein wenig helfen, damit sie sich bei der Bilderabfolge orientieren können.

Insgesamt sind Bildverlauf, Formate und Text sehr variabel angeordnet. Manchmal in freigestellten Illustrationen mit überblendetem weißen Rand, manchmal klar abgegrenzt in einem oder mehreren Kreisen oder als großzügige, ganzseitige Darstellung, bleibt das Betrachten des Buches abwechslungsreich – aber für kleine Betrachter auch durchaus anspruchsvoll.

Doch gerade zum turbulenten Ende hin, da die unglaublichsten Dinge geschehen, nehmen die Darstellungen ganze Doppelseiten ein, etwa als Rüssel mit seiner Badewanne auf dem Rücken eines riesigen Wales aufgelaufen ist und sich wundert, woher diese Insel wohl kommen mag. Kurz zuvor ruft er Hase hinterher, dass er unbedingt wissen will, was mit dem Wal passiert ist, um, nachdem er nach dem Wirbelsturm fragt, von genau diesem mitgerissen zu werden. Es scheint, als hätten sich Wal, Wirbelsturm und sogar Seeungeheuer zusammengetan, um Rüssel schneller zu Hase zu bringen. Das beinhaltet einen sehr schönen Effekt, denn im Gegensatz zu dem Betrachter scheint Rüssel gar nicht zu merken, dass all die Gestalten aus den Abenteuern des Hasen bereits Teil seiner eigenen Geschichte sind. Ein Bild zeigt, wie das Seeungeheuer ihm Kessel, Decke und Kelle mit seinen langen Tintenfischarmen hinterher trägt, während Rüssel noch verdutzt unter seiner umgedrehten Badewanne hervorlugt.

Die Bilder erzählen also erst die ganze Geschichte und zeigen auf sehr humorvolle Weise, was tatsächlich passiert. Damit ergänzen sich Text und Bilder auf ideale Weise. Gerade Kinder ab vier Jahren werden an diesem Buch auch dauerhaft ihre Freude haben, weil sie die Geschichte in ihrer Gänze nach und nach für sich entdecken können. Und am Ende können sie anhand der vielen kleinen Bilder, die ganz ohne Worte die weitere Reise der beiden zeigen, die Geschichte selbst zu Ende erzählen.

Fazit:

„Rüssel und Hase“ ist ein sehr lebendiges Bilderbuch, dessen Zusammenspiel zwischen Text und Illustration Kinder immer wieder Neues entdecken lässt. Die vielen kleinen Details und die frischen Farben in Thomas Docherty´s Illustrationen erwecken zwei Charaktere zum Leben, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite der eigenbrötlerische Rüssel und auf der anderen Seite der quirlige, abenteuerlustige Hase. Will Buckingham zeigt Kindern, wie sehr Freunde unser Leben verändern und wie wundervoll es sein kann, mit ihnen zu neuen Ufern aufzubrechen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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