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Buchcover: Claudia Carls: Woher kommt der Wind?

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Woher kommt der Wind? von Claudia Carls

erschienen bei minedition

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

Dieses Buch fällt schon durch das außergewöhnliche Cover der jungen Autorin und Illustratorin Claudia Carls auf. Ein aufgewecktes Mädchen mit Sommersprossen und großen Augen schaut uns direkt an. Ihr bunter Mantel flattert im Wind und die Sonne scheint wohlig warm vom Himmel herab. Sie scheint uns mit der Frage „Woher kommt der Wind?“ regelrecht herauszufordern. Und so ist es auch …

denn das ist eine Frage, die sich wohl viele Kinder (und nicht nur die) besonders im Herbst stellen: Woher kommt eigentlich der Wind? Das Mädchen namens Theresa findet dazu erstaunlich viele Antworten.

Sie fragt einen fliegenden Frosch. „Der Wind kommt, wenn sich die Bäume schütteln und wenn das Gras sich wiegt. Wenn die Wellen ans Ufer schlagen und die Gardinen flattern. Wenn die Wolken ziehen und die Schiffe segeln. Der Wind kommt, wenn Wölfe niesen und wenn Drachen atmen,. …Und er kommt nur, stell dir vor, damit wir Frösche fliegen können. “- so ein Auszug aus dem fast schon poetisch anmutenden Text aus Theresa´s Traumreise. Der Nordwind selbst mischt sich auch in dieses Gespräch ein. Doch kaum hat sie die Frage, woher er wirklich kommt, gestellt, ist er auch schon vorübergezogen. Das letzte Wort haben die fliegenden Frösche, die sich fragen, ob Theresa ihnen ihre wilden Theorien tatsächlich abgenommen hat.

Wer auf die Frage „Woher kommt eigentlich der Wind?“ ein wissenschaftlich fundiertes Buch erwartet, liegt ziemlich falsch. Denn schon das Coverbild lässt erahnen, was auf den Leser und Betrachter zu kommt: Etwas sehr Außergewöhnliches, das den Leser, hat er einmal einen Blick darauf geworfen, nicht mehr so schnell los lässt.

Die kleine Theresa geht in ihrer Traumreise diese Frage auf ihre ganz besondere Art und Weise an. Sie fragt einen fliegenden Frosch. Dieses ist gar nicht mal so abwegig, wie man im ersten Augenblick denken mag, denn es gibt den Mulu-Frosch auf Borneo, der tatsächlich kleine Gleitflüge von Baum zu Baum schafft. Aber dieser hier entspringt ganz eindeutig ihrer Fantasie. Die Frösche in den Bildern geben eine Fülle an tollen und zum Teil ziemlich bizarren Antworten, die manchmal witzig, manchmal naheliegend und manchmal einfach nur überraschend sind. Natürlich wird sich der oder die junge Betrachter/in spätestens jetzt selbst Gedanken zu diesem Thema machen.

Doch ohne die fantastischen und atmosphärisch-dichten Illustrationen würde dieses Fantasiespiel kaum so überzeugend funktionieren. Die Illustrationen von Claudia Carls erinnern mich ein wenig an den Surrealismus Salvatore Dalís, da auch ihre Darstellungen auf eine besondere Weise magisch wirken und den Betrachter förmlich in die Geschichte saugen. Sie zeigen in ihren vielseitigen Techniken und Mustern viel und beflügeln die Fantasie. Allein Theresa in ihrem gelben Mantel, mit seinen großen bunten Punkten und dem Pelzkragen, ist ein echter Hingucker. Die Gesichtszüge der Hauptfigur in Öl-Malerei, die mit sehr feinem Pinsel herausgearbeitet sind, entspringen im Entwurf und in der Ausführung ganz der Phantasie von Claudia Carls. Theresa wirkt dabei so lebendig, wie ein echtes Mädchen und gleichzeitig scheint sie nicht von dieser Welt. Diese aufwändige Technik sieht man auch an den Tieren, die Claudia Carls mit feinen Pinselstrichen in Öl zum Leben erweckt hat, wie zum Beispiel bei der Libelle.

Da überrascht es auch nicht, dass uns der Meister, nämlich Salvatore Dalí, persönlich auf einer der Illustrationen begegnet. Seine charakteristischen Augenbrauen und sein schmaler Bart waren seine besonderen Merkmale. Die Welt Dalís stellt oft das Unbewusste aus Träumen dar. Wie beim veristischen oder auch kritisch-paranoischen Surrealismus findet man auch hier bei Claudia Carls Vereinigungen nicht zusammengehörender Dinge, wie z.B. niesende Wölfe auf denen Theresa mit Fieberthermometer und Schniefnase liegt, wie auch verdrehte Perspektiven.

Auf dem ersten Bild läuft Theresa noch neben einem Erwachsenen und schaut den Leser direkt an, aber auf den folgenden Bildern ist Theresa inmitten einer quirligen Traumwelt, voller Farben, Figuren, Formen, Muster und Fantasiegebilde. Dennoch ist der enge Kontakt zum Betrachter stets da. Ich denke kaum jemand wird sich der Bilder dieser leidenschaftlichen Welt entziehen können.

Fazit:

„Woher kommt der Wind“ von Claudia Carls ist ein wirklich faszinierendes Buch. Die Geschichte um Theresa´s Traum vom Wind lebt von seinen fantasievoll-surrealistischen Illustrationen und hebt sich in jeder Hinsicht aus der Masse der Bilderbücher heraus. Für Liebhaber besonderer Bilderbücher ist dieses außergewöhnliche Bilderbuch sicherlich ein reizvolles Sammelobjekt. Aber auch für alle „Fantasten“ ab 5 Jahren ist diese Vielfalt an Farben und Eindrücken ein wahrer Augenschmaus.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

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