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Buchcover: Benjamin Chaud: Bühne frei für Papa Bär

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Bühne frei für Papa Bär von Benjamin Chaud

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Es wird ruhig im Wald. Die meisten Tiere haben sich für den Winterschlaf eingemummelt und auch Papa Bär schlummert schon selig. Doch der kleine Bär ist noch wach und hat die letzte Biene des Jahres entdeckt …

Sie ist genau an seiner Nase vorbei geschwirrt, da muss der kleine Bär einfach hinterher. Sein Verschwinden bleibt nicht unbemerkt, denn als Papa Bär nach ihm tastet, findet er den Platz des kleinen Bären leer. Sofort stürmt er dem kleinen Bären hinterher, doch dieser ist ihm immer eine Nasenlänge voraus. Die turbulente Verfolgungsjagd führt ihn durch den Wald direkt hinein in die Großstadt und schließlich zur und in die Oper. Dort verliert sich die Spur des kleinen Bären, doch Papa Bär gibt nicht auf und durchsucht die ganze Oper, bis er schließlich auf der Bühne landet. Dort findet gerade eine Aufführung statt, in die Papa Bär nach kurzem Zögern beherzt „einstimmt“. Panikartig verlassen die Zuschauer den Saal, nur ein kleines Wesen bleibt begeistert sitzen: der kleine Bär. Und der nimmt anschließend seinen Papa mit auf das Dach der Oper, um ihm eine großartige Entdeckung mitzuteilen. Denn dorthin führte ihn die Biene, direkt zu drei Bienenstöcken, die so verführerisch duften, dass die zwei Bären beschließen, den Winter auf dem Dach der Oper zu verbringen.

Wimmelbücher gibt es viele und immer wieder drängen neue auf den Markt. Doch leider wachsen die Kinder viel zu schnell aus dem Wimmelbuchalter raus und wollen „richtige“ Bücher lesen, also mit Text und einer Handlung, am besten einem Abenteuer. Dabei machen Wimmelbücher doch so viel Spaß und schließen eine stringente Handlung auch nicht aus. Bestes Beispiel ist „Bühne frei für Papa Bär“ von Benjamin Chaud. Dieses fantasievolle Buch mit der witzigen Geschichte um einen kleinen Bären, der kurz vor dem Winterschlaf einer letzten Biene hinterher rennt und dadurch in der Oper landet, verbindet die Eigenschaften eines Wimmelbuches und eines Vorlesebuches über eine stürmische Verfolgungsjagd. Die Handlung wird stringent erzählt und folgt einer Spannungskurve, ist jedoch von Illustrationen in bester Wimmelbuchmanier begleitet. Beide Bestandteile stehen gleichwertig nebeneinander und profitieren vom jeweiligen Gegenstück. So verleiht die witzige Sprache mit vielen ausdrucksstarken und humorvollen Worten wie beispielsweise „tummeln“ oder „einzigartiges Hinterteil“ den detailreichen Zeichnungen zusätzlichen Antrieb. Pro Doppelseite unterstreichen nur ein paar wenige Sätze die ausdruckstarken Bilder und gehen mit ihnen eine Symbiose ein.

Auf den großformatigen Bildern können die kleinen und großen Leser die rasante Verfolgung wunderbar nachvollziehen, müssen jedoch aufpassen, dass sie sich in den vielen liebevollen Details nicht verlieren und darüber hinaus vergessen, der Handlung zu folgen. Denn es gibt wirklich viele komische Situationen zu entdecken, die sich am Rand abspielen, z.B. herumtobende Eichhörnchen im Wald oder Einblicke in nächtlich erleuchtete Fenster – Steht da nicht ein Elefant hinter einem Vorhang? – in der Stadt. Dabei gibt es auch durchaus Fallstricke, denn Mützen mit Bärenohren oder Werbetafeln mit Bären auf Bussen oder auf Anzeigentafeln verwirren nicht nur den großen Bären. Jedes Bild erzählt eine Vielzahl kleiner Geschichten, in denen es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Auch der kleine und der große Bär wollen auf jedem Bild neu entdeckt werden und tummeln sich in den unterschiedlichsten Ecken, so dass jedes Bild intensiv betrachtet sein will. Unbeirrt folgt der kleine Bär der einsamen Biene, scheinbar vollkommen ausblendend, in welcher Umgebung er sich befindet. Spannung ergibt sich durch den Wissensvorsprung, den man als Leser durch das Betrachten der Bilder bekommt, denn dadurch weiß man früher als der große Bär, dass er sich unweigerlich der Opernbühne nähert. Die Auflösung kommt erst auf der nächsten Seite und auch hier sieht man schon den kleinen Bären im Publikum, während der große Bär noch geblendet ist von den Scheinwerfern. Dabei wechselt durchaus auch die Perspektive, mal blickt man auf den Bären, mal mit ihm zusammen auf das Publikum, mal steht nur der Bär auf der Bühne ganz zentral im Fokus.

Die Bilder sind durchweg in gedeckten Tönen, erinnern teilweise an alte Sepia-Fotografien und wirken durch die dargestellten Gegenstände trotzdem modern. Auf einigen Seiten sind Schlüsselsituationen (z.B. der schlafende Bär in seiner Höhle) spotlichtartig hervorgehoben und erleichtern so den Einstieg ins Buch bzw. betonen spannende Momente. Auf anderen Seiten gibt es diese Hilfestellung nicht, hier muss sich durch das Bild durchgesehen werden, was anhand der vielen Schwünge und verspielten Details gut gelingt.

Fazit:

„Bühne frei für Papa Bär“ fesselt bereits durch seine außergewöhnlichen Illustrationen und ist zugleich ein kurzweiliges, unterhaltsames und amüsantes Abenteuer-Wimmelbuch, welches dank der zahlreichen, originellen Details noch lange nach dem ersten Vorlesen Raum für Entdeckungen bietet.

Claudia Goldammer

 

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