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Buchcover: Rose Cooper: Geheimnisse vom Mädchenklo

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Geheimnisse vom Mädchenklo von Rose Cooper

erschienen bei Baumhaus

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Sofia Becker geht in die sechste Klasse und will endlich zu den beliebten Kindern der Klasse gehören. Ihr Plan: Einen eigenen Blog, in dem sie Gerüchte und Geschichten über die Lehrer und Schüler ihrer Schule verbreitet. Damit sie nichts vergisst oder verdreht, schreibt sie tagsüber alles, was ihr auffällt in ein Notizheft, mit Zeichnungen und Listen und eingeklebten Zetteln versehen, eine Art Tagebuch als Blog-Drehbuch und das ist dieses Buch.

„Warnung: Das hier ist nicht irgendein normales Tagebuch-Schmierheft. Das ist die Vorstufe zu meinem Blog. Dem Blog der mich berühmt machen wird, es enthält meine innersten, geheimsten Gedanken – die so lange geheim sind, bis sie am nächsten Tag veröffentlicht werden, ich weiß, ich weiß, die meisten Leute brauchen keine Vorstufe zu ihrem Blog, aber ich bin nicht die meisten Leute, ich muss die ganzen pikanten Details der Ereignisse möglichst schnell niederschreiben, mit schläft das Gehirn nämlich ab und zu mal ein und ich will keine einzige superwichtige Kleinigkeit vergessen. Oder irgendwas verwechseln, wenn ich erst später darüber blogge, das könnte sonst Ärger geben.“

So fängt das Buch an – geschrieben von Sophie Becker, die eben diesen Blog betreibt, um beliebt und berühmt zu werden – und so ist auch schon erklärt, warum wir als Leser und Leserinnen eben kein Blog lesen, sondern ein Buch, eine Art Tagebuch. Unlogisch in der Realität, aber ein Kunstgriff, um aus einem Blogprojekt ein Kinderbuch zu machen; und er funktioniert durchaus.

Wie jedes Tagebuch, ist auch dieses Heft „megageheim“ und niemand weiß davon, außer der allerbesten Freundin ABF. Kleiner Einschub für alle Erwachsenen, die in der WhatsApp-und-Co-Kürzelsprache nicht bewandert sind: A wie aller, B wie beste und F wie Freundin, und nein, das ist kein echtes Deutsch, und vielleicht auch nicht wahnsinnig originell, aber ja, die Kids von heute kommunizieren so, auch wenn es vielleicht gerade schon ABFFIUE heißt (allerbeste Freundin für immer und ewig) oder ein anders Kürzel in ist, die Tatsache, dass überhaupt solche Kürzel verwendet werden, zeigt, dass sich die Autorin mit ihrer Zielgruppe beschäftigt hat und für sie schreibt.

Auch in anderen Formulierungen geht es durchaus lässig und schnodderig und im Umgangston von Teenies zur Sache. Zum Beispiel wird in einer Szene im Biologieunterricht Kuhaugen seziert: Von „Iih“, „Cool.“, „Augenglibber“, bis „die armen Kühe“, „hoffentlich kommt nichts auf meine Klamotten“ reichen die Kommentare. In diesem unzensierten Plaudertonfall ist das Buch geschrieben, was – wie die aufgedruckte Ringbuchoptik des Layouts – die Anmutung der Kladde verstärkt, genau wie die kleinen Zeichnungen, die sozusagen Sophia ihren Notizen beigefügt hat und die kleinen Listen und eingeklebten Zettel: der kommentierte Stundenplan („Mathe 1 000 000 000 000 mal Kotz“) oder eine Seite Unterschriftübungen, für den Tag, an dem sie berühmt sein wird.

Denn das ist der Grund, warum Sophie ihren Blog betreibt und auch ihr Vorstufenheft: sie will beliebt und berühmt werden und zwar, so ihr Plan, in dem sie Gerüchte über die coolen und beliebten Schüler verbreitet, damit ihr Blog gelesen wird. Die Gerüchte denkt sie sich aus oder lauscht sie auf dem Mädchenklo ab; welche Lehrerin mit welchem Lehrer was hat, oder welche Mutter wieder schwanger ist. Anfangs hat sie nicht wirklich viele Leser, also schreibt sich auch die Kommentare noch selbst, aber nach und nach entwickelt sich eine ziemliche Dynamik, die die ganze Schulgemeinschaft erfasst und zu einem Showdown am Ende und ein paar lehrreichen Einsichten führt. Sophie beschließt danach, es erst mal ruhiger angehen zu lassen mit dem Bloggen. Andererseits, wenn sie es anders aufziehen würde ...
Wem das Buch gefallen hat, der darf sich schon auf Band 2 freuen: Gerüchte vom Jungsklo, das am 14. Oktober 2016 erschienen ist.

Fazit:

„Gossip from the Girls’ Room“, so ist der Originaltitel und das ist fast treffender als die deutschen „Gerüchte“. Schnodderig-schräger Mädchenklatsch und – tratsch als Tagebuch-Blog-Comic-Roman, im Tonfall treffend der Zielgruppe abgelauscht und mit dem gefüllt, was die so beschäftigt: von nervigen Lehrern bis zu nervigen Freunden, von peinlichen Eltern bis zu peinlichem Verliebtsein. Leichtes, Schnelles, Lustiges für Zwischendurch und witziges Lesefutter in modischem Outfit.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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