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Buchcover: Tracey Corderoy: Robert sagt Nein!

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Robert sagt Nein! von Tracey Corderoy

erschienen bei Kerle bei Herder

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Das kleine Nashorn Robert ist ein ganz bezauberndes Kind. Mama, Papa, Oma, Postboten, alle sind einfach hin und weg von ihm. Bis er in die Trotzphase kommt. Dann wird es ungemütlich, für alle Erwachsenen, aber besonders auch für ihn selbst.

Anfangs schläft er, der neue kleine Mensch, trinkt, macht in die Windeln, ist herzig, knuffig, drollig, süß; lacht, läuft, lernt sprechen – und sagt bald nicht mehr Mia„ oder Leo“, wenn er sich selber meint, sondern: Ich.„ Und das heißt: Ich habe festgestellt, dass ich eine eigenständige Person bin. Dass ich kann und dass ich will – oder eben auch nicht will; und dann sagt er: Nein.“

Genau wie der kleine Robert, von dem dieses Buch handelt. Robert ist ein Nashornkind – herzig, knuffig, drollig, süß – und entdeckt eines Tages, dass er Nein„ sagen kann. In der Nashornwelt scheint man von der Trotzphase noch nicht viel gehört zu haben, denn Roberts Eltern sind baff, als ihr Kleiner das Nein“ das erste Mal und dann in jeder Situation ausprobiert: beim Anziehen, beim Sag-schön-Guten-Tag, beim Mittagessen, beim Baden, beim ins Bett bringen.

Wobei: Ausprobieren„ trifft es nicht ganz. Ein Kind benutzt das Wort Nein“ nicht so zum Spaß. (Das mag stimmen bei Scheiße„ oder A...loch“, womit sich jeder Morgenkreis auf Trab bringen lässt oder das Kaffeetrinken mit Oma und Opa.) Nein„ sagen ist eine Lebensphase, in der sich Selbstbewusstsein, Persönlichkeit und der eigene Wille entwickeln und bedeutet so viel wie: Einen Moment bitte, ich bin ich und ich möchte gerne alleine entscheiden, was ich mache und nicht einfach automatisch machen, was Mama oder Papa wollen.“ So geschliffen kann ein Kind von zwei Jahren es natürlich nicht ausdrücken; aber auch wir Erwachsenen treffen mit dem Wort Trotzphase„ ja auch nicht wirklich, worum es geht; sondern es zeigt lediglich unsere Perspektive, dass neinsagende Trotzkinder unbequem, anstrengend und nervig sind. Und nicht, dass diese Phase völlig normal ist, wichtig und nur besorgniserregend, wenn sie im Alter zwischen zwei und vier Jahren überhaupt nicht auftritt.

Wie auch immer, allgegenwärtig ist sie in jedem Fall, weswegen Bücher zu diesem Thema auch immer gerne genommen werden.

Wie dieses Buch damit umgeht, ist allerdings ziemlich platt.
Denn so geht es weiter: Robert sagt fortan nur noch Nein. Ob die Erzieherin fragt, wer etwas Süßes möchte, wenn seine Freunde mit ihm spielen wollen, als alle reingehen, weil es regnet: Nein, Nein, NEIN! Weder seine Eltern noch die Erzieherin übrigens nehmen sich seiner an, zum Beispiel, um zu fragen, warum er denn immer Nein sagt, sogar zu Sachen, die er mag (Süßigkeiten!). NEIN. Sie ignorieren ihn. Gucken enttäuscht und bedröppelt, lassen ihn im Regen sitzen vor seiner auseinanderfließenden Sandburg; keiner spielt mehr mit ihm. Bis Robert schließlich das Wort Ja (wieder) entdeckt und alles wieder gut und er wieder everybodys darling ist.

Nebenbei: die Bilder sind schön, zwar niedlich bis kitschig so hell und pastellig, aber voller witziger Details und absolut gelungen, die Emotionen zu zeigen. Wie Robert mit hängenden Ohren und ratlosem Blick im Regen sitzt, wie er als Tiger verkleidet neinsagend über die Seiten hüpft, der Blick der Erwachsenen, wenn er ihnen sein Nein vor den Latz knallt, wie er Nein sagt: hochnäsig, streng, wütend und wie am Ende dann alle froh und ausgelassen unter dem Regenbogen jubeln und tanzen. Der Text ist amüsant, die zusätzlichen Dialoge in den Sprechblasen dem Alltag abgelauscht.
Und beides Text und Bild unterstreichen die Botschaft aufs beste.

Leider, muss ich sagen. So gibt es nirgendwo einen Zwischenton oder ein Stolpern, das Eltern und Kinder zum Gespräch animieren würde:
Ob das denn so stimmt, dass, wer Nein sagt, Gefahr läuft einsam, allein und ausgegrenzt zu werden? Und wer Ja sagt und mitmacht und brav ist und sich anpasst, wird gemocht und gelobt?
Ob das denn gut so ist?
Ob das denn immer gut ist, Ja zu sagen?
Ob man nicht manchmal Nein“ sagen darf, soll, muss, zum Beispiel wenn einer fragt, ob du mit ihm mitgehen willst, weil er dir was Tolles zeigen kann?

Ob everybodies Darling nicht ganz schnell Everybodies Depp werden kann?
Nichts desto trotz: die lieben Kleinen sind begeistert von dem Buch. So bunt, so viele Tiere und das immer größer gedruckte und so lauter werdende Nein rufen sie mit wachsender Begeisterung mit und das ganz dicke Jaaa am Ende auch.

Aber: Kinder mögen auch Gummibärchen zum Frühstück, den ganzen Tag Fernsehgucken und ohne Zähneputzen ins Bett. Das ist also kein Argument.
Deshalb würde ich Nein„ sagen zu diesem Buch.

Fazit

Nein-Wut-Trotz ist ein Dauerbrenner-Thema, in jeder Familie und damit natürlich auch im Kinderbuch, wie auch in Robert sagt Nein. Schön hell und bunt und voll mit netten, niedlichen Tieren vermittelt die Geschichte eine ziemlich platte Botschaft: Wer immer Nein“ sagt, wie das kleine Nashorn Robert, den mag keiner. Wer (wieder) Ja" sagt, den haben alle lieb. So einfach ist es nicht und so einfach sollte es auch nicht sein.

Sigrid Tinz, September 2014

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