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Buchcover: Roald Dahl: Sophiechen und der Riese

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Sophiechen und der Riese von Roald Dahl

erschienen bei Rowohlt

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Und das ist er im Original: Acht Meter groß, mit schwarzem Umhang und dünner Trompete, GuRie, der gute Riese, wie ihn die kleine Sophie in diesem Buch nennt. Oder BFG, Big Friendly Giant, wie er vielen sicherlich seit dem Sommer aus dem Kino oder zumindest aus der Kinowerbung bekannt sein dürfte. Ganz im Original ist BFG übrigens auf Englisch, geschrieben vor 40 Jahren vom Kinderbuchautor Roald Dahl, dem Erfinder von James und der Riesenpfirsich oder Charlie und die Schokoladenfabrik.

Der Anfang ist ein bisschen gruselig, im Buch wie im Film: Sophiechen, ein Mädchen, das in einem Waisenhaus lebt, beobachtet eines Nachts einen Riesen, der sie dann entführt, weil sie „ihn sonst sicherlich verraten würde, dann würden die Zeitungen berichten und er in den Zoo in einen Käfig gesteckt werden“. Entführung geht auch eigentlich gar nicht, aber Sophiechen hat Glück, denn es ist ein guter Riese und er entführt sie nicht, um sie zu fressen – wie die anderen noch mal sehr viel größeren Riesen im Riesenland es tun würden. GuRie, wie Sophiechen ihn nennt, ist sozusagen Vegetarier, er ernährt sich nur von Kotzgurken, das einzige, was im Riesenland an Gemüse wächst. Die anderen aber ziehen jeden Abend in die Welt, um Menschen zu fressen.

GuRie dagegen ist für die Träume der Menschen zuständig, er fängt sie ein wie Insekten und schickt sie dann in die Schlafzimmer und Gedanken der Menschen. Das ist auch die Rettung, denn mit Sophies Hilfe, träumt die englische Königin von Knochenknacker, Blutschlucker und Co und erfährt so, was die Riesen Nacht für Nacht auf der Welt anrichten; sie sendet ihre Truppen aus, lässt die Riesen fangen und alles wird am Ende gut.

Das ist die knappe Geschichte des Buches und auch der knappe Plot des Filmes, den Steven Spielberg in diesem Sommer daraus gemacht hat.
Es lohnt nicht in die Debatte einzusteigen, ob das Original-Buch oder der Film „besser“ ist. Das Buch ist 40 Jahre alt, von einem damals schon sehr alten Schriftsteller geschrieben, ein Klassiker mit allem, was diese an Charme und auch Schwierigkeiten so haben. Nostalgisch oder altmodisch, gewisse Längen in dem Erzählstil oder endlich mal wieder ein ruhiger Lesefluss, veraltetes Weltbild oder lebendige Kulturgeschichte? In einem Gespräch zwischen GuRie und Sophie geht es um den Geschmack verschiedener Menschen und wäre sie nicht ein altmodisches englisches Mädchen sondern eine Göre von heute, würde sie ihn fragen, ob er Rassist ist, denn was er da aufzählt, ist pures Klischee: Menschen aus Panama schmecken nach Strohhut und Griechen sind eklig durch und durch.

Mit ein bisschen gutem (Durchhalte-)Willen und Nachsicht ist man dann aber bald drin in der Geschichte und angetan: Denn GuRie hat auch viele sehr kluge moderne Gedanken. Zum Beispiel unterhalten sich die beiden darüber, wie schrecklich Sophie es findet, dass die Riesen Menschen essen. GuRie gibt zu bedenken, dass die Menschen ja auch Tiere essen, und überhaupt: „Die menschlichen Leberwesen verschwinden überall und immerzu auch wenn die Riesen sie nicht fressen. Die menschlichen Leberwesen machen sich gegenseitig viel öfter tot als die Riesen. Riesen tun sich gegenseitig nicht auffressen, und morden tun die Riesen sich auch nicht. Die menschlichen Leberwesen sind die einzigen Leberwesen, die ihre eigenen Leute morden, sie ballern mit Kanonen und fliegen mit Flugzeugen und werfen sich gegenseitig Bomben auf den Kopf.“ Und als Sophiechen einwendet, dass es trotzdem gemein ist, wenn die Riesen jeden Abend losziehen und Menschen essen, weil, „wir haben denen doch nichts getan!“ antwortet GuRie: „Das sagt auch Ferkelwutz, das Schweinchen, dieses Schweinchen, das geschlachtet wird, sagt: den Leberwesen habe ich doch nichts getan, warum essen sie mich dann.“

Die lustige Sprache ist übrigens sein, so redet er, weil er nie in der Schule war und sich das Sprechen selber beigebracht hat, ganz verdreht und oft noch viel lustiger: er macht Furzelbäume, wenn er zu viel Blubberwasser getrunken hat, Hubschrauber nennt er Pups-Räuber, der Luftwaffengeneral wird zum Luft-Affen-General und die englische Königin redet er durchweg mit Majonäse an, oder Sultanine, getöntes Haupt, Staatsoberbraut.

Wer gerne vorliest, wird mit den Dialogen sein großes Vergnügen haben. Der Film braucht mehr Action, denn die langen Gespräche geben im Blockbusterkino nicht so viel her, es soll ja kein Kammerspiel sein. Und so ist er eine schöne Ergänzung, abenteuerliche und magische Bilder dort, Wortwitz und Dialogspielerei hier. Die Illustrationen im Buch sind von Quentin Blake, das reicht für Fans als Hinweis. Für alle, die seine präzise und doch ganz lässig hingezeichneten Menschen, Wesen, Szenen, Gesten und Gesichter nicht kennen vielleicht eine Entdeckung wert.

Fazit:

Neuauflage des Originals aus den 1980-er Jahren, das jetzt als Vorlage zum Film von Steven Spielberg diente. Ob BFG wie im Film oder GuRie im Buch oder im Hörbuch, der große freundliche gute Riese ist es wert, den Weg in die Kinderherzen zu finden, egal mit welchem Medium oder ob mit allen dreien auf einmal. Für ihre Träume ist er ja schon zuständig Nacht für Nacht.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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