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Buchcover: Agnès de Lestrade: Die große Wörterfabrik

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die große Wörterfabrik von Agnès de Lestrade

erschienen bei Mixtvision

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [08.2010]. In einem Land, in dem man Wörter erst kaufen muss bevor man sie aussprechen kann erhält jeder Satz einen ganz besonderen Wert. Insbesondere dann, wenn man Jemanden unbedingt etwas sagen möchte, weil man so verliebt ist, es sich aber nicht leisten kann.

Paul hat Marie unendlich lieb. Er möchte zu gerne ausdrücken, was er für sie empfindet, hat aber lediglich die Wörter Kirsche, Staub und Stuhl gefangen. Paul lebt in einem Land in dem die Menschen fast gar nicht reden, denn die Wörter, in den unterschiedlichsten Sprachen, werden in einer großen Fabrik hergestellt und dann verkauft. Manchmal fliegen Wörter durch die Luft, die die Kinder dann mit ihren Schmetterlingsnetzen einfangen. Alle anderen Wege sich Wörter unentgeltlich zu beschaffen sind nicht besonders ergiebig. Durchsucht man Mülleimer, dann findet man lediglich Wörter wie „Hundekacka“ und „Hasenpipi“. Im Sommerschlussverkauf sind die Wörter zwar billiger zu haben aber oft so exotisch, dass man mit ihnen nichts anfangen kann.

Paul ist traurig, denn er hat einen reichen Konkurrenten, der Marie zum Geburtstag die Wörter „Ich liebe dich von ganzem Herzen, meine Marie. Eines Tages, das weiß ich, werden wir heiraten“ schenken wird und viel mit ihr spricht. Paul selbst spricht nie, er lächelt nur. Und dann nimmt er allen Mut zusammen, holt tief Luft und spricht seine drei Wörter mit all der Liebe für Marie in seinem Herzen. Marie hat selbst keine Wörter zum antworten, schenkt Paul jedoch einen sanften Kuss auf die Wange. Da fällt Paul ein, dass er noch ein Wort besitzt, dass er sich für einen ganz besonderen Moment aufgehoben hat. Er sieht Marie tief in die Augen und sagt nochmal!

Dieses außergewöhnliche Bilderbuch ist auf seine Art und Weise beinahe poetisch. Das tut gut, weil es so leise und trotzdem kindgerecht daherkommt. Das fällt auf und hebt sich ab von den Neuerscheinungen dieses Sommers. Also ist es auch ein ganz klein wenig gewöhnungsbedürftig. Das beginnt bereits bei der Farbwahl der starken doppelseitigen Illustrationen Valeria Decampos. Die Bilder sind zunächst sehr ruhig und düster, was der Stimmung der Geschichte entspricht. Denn reden ist teuer und Menschen, die sich nicht mitteilen können, sind häufig schlecht gelaunt. Offensichtlich wohlhabende Menschen kleiden sich in Stoffe mit Wörtern und tragen diese Kleidung wie ein Statussymbol. In beige, braun und schwarz gehalten dominiert die Wörterfabrik das Bild und das Land. Die Kinder bilden den einzigen Lichtblick im Dunkel, denn das leuchtende rot ihrer Kleidung wärmt das Auge. Zum Ende, da Paul es schafft sich Marie zu nähern, ist alles in warme Farben getaucht. Rot steht für die Liebe. Es sind dann auch karminrote Schmetterlinge, die um die beiden glücklichen Kindern herum tanzen, wenn sie ganz ohne Worte spüren, wie tief ihre Zuneigung ist.

Auffällig ist der Einsatz von Typografie in Text und Bild. Im Erzähltext werden die ausschlaggebenden Wörter groß hervorgehoben. Die liebevoll gehauchten Wörter Pauls an Marie fliegen in sanfter Schreibschrift von Mund zu Ohr. Wenn der Widersacher Oskar (übrigens auch ganz in Wörter gekleidet) seinen Wortreichtum über Marie auskippt, dann sind die Sätze wie unpersönliche Plakate an die Wand projiziert. Text wird somit wesentlicher Bestandteil der Illustration und drückt optisch Gefühle aus.

Das Ende des Buches ist so versöhnlich, dass man unter Umständen als Erwachsener ein wenig mit den Tränen zu kämpfen hat. Es berührt so sehr, weil wir viel zu häufig durch viele Worte und leere Versprechungen getäuscht werden und echte Gefühle auf der Strecke bleiben. Kinder finden es einfach irgendwie schön und sehr schlau von Paul. Nichts ist schwieriger als so etwas Wertvolles so lange aufzuheben und abzuwarten, bis man es benutzen kann. Kinder können nachvollziehen, wie schwierig es für ihn war dieses „nochmal“ so lange zu bewahren, erkennen aber schnell, dass es zum absolut richtigen Zeitpunkt hervorgeholt wurde.

Schließlich ist man glücklich, dass man doch die Möglichkeit hat, all das in Worte zu fassen, was man empfindet und tauscht sich hoffentlich wortstark über das gerade gelesene Buch aus.

Fazit:

Ein bezauberndes Buch über den Wert von Sprache und die Bedeutung von echten Gefühlen. Eine fantastische Geschichte über das Verliebtsein, die aufgrund ihrer sanften Poesie auffällt und sich positiv abhebt.

Gabriele Jansen

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Gertraud Schwedler meint:
Julian Winter meint:
Amaya meint:
In einem fernen Land muss man die Wörter, die man sagen will, kaufen. Je nachdem sind die Wörter sehr teuer. Nicht alle können sich einen grossen Wortschatz leisten.
Paul ist Marie verliebt und möchte ihr das auch sagen, doch er kann sich diese Worte nicht leisten. Oskar hingegen, sein Nebenbuhler, ist reich und überschüttet Marie mit Wörtern.
Doch Paul beweist, das weniger manchmal mehr ist....

Ein super Buch, mit sehr eindrucksvollen Bildern. Auch die Geschichte ist super.
Ich würde das Buch sofort weiterempfehlen - nicht nur für Kinder!
Jasmin meint:
ich finde dieses Buch sehr interessant wir müssen in unserer schule jetzt ein interpretation schreiben mir ist viel dazu eingefallen..
und es ist mir auch sehr gut gelungen..
meine mutter hat sich das auch durchgelesen und ihr sind fast die tränen gekommen ..
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