Der Erste Weltkrieg

Krieg?! Ist das denn überhaupt ein Thema für Kinder?

Ja, es wäre schön, wenn es kein Thema wäre. Aber unsere Welt ist wie sie ist, nicht rundum friedlich. Es gab und gibt Hass, Gewalt und Krieg, und es wird immer wieder Hass, Gewalt und Krieg geben. Und weil unsere Kinder in dieser Welt leben, ist das natürlich ein Thema für sie.

Und damit auch eines für Kinderbücher.

In diesem Jahr ist es genau 100 Jahre her, dass der Erste Weltkrieg begonnen hat. Es ist ein Jahr der Erinnerungen und Gedenktage und damit erst recht Thema: im Radio und im Fernsehen und abends beim Abendbrot, weil der große Bruder ein Referat für die Schule machen muss. Manche Kinder interessiert das sofort sehr, manche schnappen nur wenig auf. Aber: die ein oder andere Frage wird sicherlich kommen. Und mal ehrlich, wie viel wissen wir Eltern denn über den Ersten Weltkrieg? Der Zweite Weltkrieg ist im kollektiven Gedächtnis und auch in unserem viel präsenter; und selbst wenn wir Zahlen, Namen, Fakten kennen und eine Meinung haben, heißt das ja noch nicht, dass wir auch wissen, wie man es einem 5-jährigen erklärt.

Mit einem guten Buch geht das – wie bei vielen heiklen Themen – gleich viel besser. Wobei es nicht sehr viele Bücher über den Ersten Weltkrieg für Kinder gibt.

Vielleicht, weil es einfacher ist „ab 12“ drauf zu schreiben – ähnlich wie bei so manchem Spielzeug „ab 3“ draufsteht, obwohl klar ist, dass auch oder nur viel kleinere Kinder damit spielen; aber für „ab 3“ gelten eben weniger Anforderungen, was Schadstoffe und sorgfältige Verarbeitung betrifft. Wer ein Kriegsbuch für Kinder schreiben will – ein gutes – der muss viel mehr machen, als nur die historischen Fakten ansprechend zu verpacken. Nämlich sich hineinknien in die Gedanken und Gefühle von Kindergarten- und Grundschulkindern, was interessiert und beschäftigt sie, was können sie fassen und verkraften?

Es ist in der Tat schwierig, Kindern Kriege zu erklären – sollen sie doch weder Alpträume bekommen noch denken, dass Ganze sei ein harmlos-abenteuerliches Ballerspiel; sollen sie es doch verstehen können, ohne dass die Komplexität auf Ja-Nein, Schwarz-Weiß und Gut-Böse gestutzt wird.

Je näher der Krieg noch an uns dran ist, desto schwieriger scheint es zu werden: Bücher über Römer, Wikinger, Indianer, Sternenkrieger und Ninja-Kämpfer gibt es für Kindergartenkinder und Grundschüler, in Mengen – vielleicht, weil sich das als spannende Geschichte erzählen lässt – ist ja lange her und weit weg. Beim Zweiten Weltkrieg geht das noch nicht und auch beim Ersten nicht. Da war Uropa dabei, da hat Uroma gelebt, Menschen, die unsere Kinder zumindest noch von Fotos und mit Namen kennen.    

Diese Bücher stellen wir Ihnen in diesem Special näher vor

Eine schmale, neu aufgelegte Familiensaga durchs vergangene Jahrhundert: Die Lisa
Großes Pixi-Buch über ein Haus und seine Bewohner: jetzt – und vor hundert Jahren: Damals und heute
Roman über einen kleinen englischen Jungen zur Zeit des Ersten Weltkriegs: So fern wie nah
Erzähltes Sachbuch Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg
bunt bebildertes Sachbuch: Memo Wissen: Der Erste Weltkrieg

Wer ein Kind im Alter von 9, 10, 11 Jahren hat – neudeutsch „Tweenie“ genannt – der schaut sich am besten auch um in unserem Special auf der Jugendbuch-Couch. Je nach Interesse und Entwicklungsstand des Kindes passt ein Buch „ab 12“ durchaus schon für 10-jährige.

Generelle Tipps zum Thema „Mit Kindern über den Krieg reden“

Drängen Sie Ihrem Kind  das Thema nicht auf; es wird fragen, wenn es etwas wissen will; oder Sie sprechen es darauf an, wenn Sie das Gefühl haben, es beschäftigt oder bedrückt etwas.  Wenn es sich überhaupt  nicht dafür interessiert – auch gut; zum „Pflichtprogramm“ der Allgemeinbildung und Lebenserfahrung gehört es erst für Jugendliche.

Lesen oder betrachten Sie Bücher zum Thema Krieg nur gemeinsam. Denn auch was für Erwachsene nicht grausam scheint – in Wort oder Bild – kann ein Kind erschrecken.

Und was nachmittags spannend und interessant war, kann abends schon ganz anders wirken. Besonders wenn eigene Ängste dazu kommen. Die bitte nicht mit „Du musst keine Angst haben“ abtun. Nehmen Sie die Frage und damit ihr Kind ernst. Versuchen Sie so ehrlich und genau wie nötig zu antworten und so knapp und zuversichtlich wie möglich. 

Ein bisschen ist das wie beim Thema „Wo die Kinder herkommen“.

Will ihr Kind zum Beispiel wissen, was der Erste Weltkrieg war, dann muss es kein vorauseilend gehaltener Vortrag über das große Ganze, über Kriegsrecht und Pazifismus, UN-Konventionen und ABC-Waffen sein. Vielleicht reicht es schon, zu sagen, dass sich damals Soldaten aus vielen Ländern  gegenseitig totgeschossen haben. Wenn es mehr wissen will, wird es weiter fragen.

Ein Buchtipp für alle Eltern, die sich für solche Fakten-Fragen wappnen wollen ist das handliche Bildbändchen „Der Erste Weltkrieg“ (Franz Hofmeier, Wochenschauverlag,112 Seiten, 2014), in dem anschaulich bebildert und in gut verständlichem Geschichtsbuchtonfall alle wichtigen Daten, Fakten, Erklärungen, Gründe, Folgen abgehandelt werden.

 „Warum sind Menschen so?“, „Gibt es jetzt auch Krieg auf der Welt?“, „Hat Opa Leute totgeschossen?“, Kann das auch bei uns passieren?„, “Musst du dann auch Soldat werden?„ – auch das sind typische Fragen von Kindern und viel schwerer zu beantworten als die nach dem Wann, Wie und Wo. Denn eine klare Antwort wissen wir Erwachsenen ja selber nicht. Genau das zu sagen, ist gar nicht das schlechteste: “Das frage ich mich auch oft.„ Oder: “Da habe ich auch manchmal Angst, wenn ich darüber nachdenke.„ Oder: “Darüber denken die Menschen seit ewigen Zeiten nach. Aber niemand hat rausgefunden, warum es all das Böse gibt und wie man es verhindern kann. Und niemand kann versprechen, dass das nicht bei uns passiert."  Je kleiner das Kind, desto zuversichtlicher sollten sie allerdings betonen, dass Sie es immer lieb haben und beschützen werden.

Ein Kinderbuch-Couch-Special von Sigrid Tinz, Juli 2014

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