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Buchcover: Tobias Elsäßer: Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit von Tobias Elsäßer

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

in mein Bücherregal

Linus Tizian Lindberghs Leben unterscheidet sich sehr von dem seiner Klassenkameraden. Er lebt in einem Kunststoff-Ei mitten auf dem Flughafen, seine Eltern – ja, sogar sein Großvater – sind allesamt geniale Erfinder und der Haushalt wird von Majus, einen Haushaltsroboter geführt …

 …von den unterirdischen Laboratorien, Tunnelsystemen und Startrampen (für die abenteuerlichen Fluggeräte) ganz zu schweigen. Das klingt alles wundervoll für abenteuerlustige Entdecker und könnte so schön sein, wäre nur Linus Vater nicht spurlos verschwunden.

Gerade jetzt könnte Linus gute Freunde brauchen, doch in seiner Klasse machen sich alle nur lustig über ihn, weil ihm keiner glauben will, dass seine Eltern erfolgreiche Erfinder sind. Wenn dann noch der eigenwillige Haushaltsroboter Majus seine schrillen Mode-Entwürfe an Linus ausprobiert, braucht Linus nicht lange auf einen dummen Spruch zu warten.

Nur zu gerne würde würde Linus seinen Klassenkameraden beweisen, wie abenteuerlich sein Leben wirklich ist, doch es ist ihm verboten: Seine Mutter ist Präsidentin des Rates der verantwortungsvollen Erfinder, die gefährliche Erfindungen ausfindig und unschädlich machen. Das bedeutet strikte Geheimhaltung.

Als eines Tages die neue Klassenkameradin Riana auf dem Flughafen auftaucht, ändert sich für Linus jedoch alles. Schon die Suche nach „ihrem“ entlaufenen Hund wird zu einem echten Abenteuer – und Riana nimmt alle Mutmaßungen, dass seine Eltern nur Hausmeister des Flughafens seien, zurück.

Als Linus und Riana nicht auf dem Klassenausflug, sondern in einer geheimnisvollen Unterwasserstation landen, erfährt Linus von dem angeblichen Doppelleben seines Vaters. Er soll als geheimer Forscher für eine Organisation gearbeitet und eine Zeitmaschine entwickelt haben. Prof. Dagendorf, der Linus ohne dessen Wissen schon seit geraumer Zeit beobachtet, versichert ihm, dass sein Vater noch lebe aber man nicht wisse, wo und in welcher Zeit er gestrandet sein mag. Spielt Professor Dagendorf Linus nur etwas vor, als er ihm anbietet, nach einem Aufnahmetest ebenfalls – wie sein Vater – die geheime Erfinderschule zu besuchen? Für Linus ein verlockendes Angebot, denn er wünscht sich nichts sehnlicher als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Der Test, den Linus und Riana bestehen müssen, stellt sich sogar als lebensgefährlich heraus und Majus, der die beiden begleitet hat, wird während ihrer Abwesenheit auseinander genommen. Nachdem es Linus und Riana gelingt, ihn wieder herzustellen, findet Majus einen überraschend schnellen Weg hinaus aus der Unterwasserstation. Doch der sonst so friedliche Haushaltsroboter ist plötzlich sehr kampfbereit und rätselhaft ist auch, dass Majus den Ausweg aus dem Unterwasserlabyrinth überraschend gut kennt. Aber auch andere Fragen treiben Linus um. Welche Ziele verfolgt Dagendorf, will er wirklich nur Linus´ Vater zurück zu bringen? Und was noch wichtiger ist: Wer ist der unsichtbare Fremde, mit dem Linus´ Vater kurz vor dem Verschwinden auf der letzten Filmaufnahme streitet?

Gleichzeitig müssen sich die Lindberghs mit dem Eigentümer des Flughafens auseinandersetzen, der sich immer neue Schikanen ausdenkt, um sie zu vertreiben. Er fordert mit immer neuen Nutzungsgebühren Summen, die sie nicht mehr aufbringen können. Das gesamte Geld, das sie durch ihre eigenen Erfindungen verdienen, wird durch die kostspielige Ausschaltung gefährlicher Entwicklungen aufgezehrt. Hat Großvater Anton vielleicht noch ein Ass im Ärmel?

Tobias Elsäßer, der als freier Journalist, Autor und Gesangslehrer arbeitet, leitet auch Schreibwerkstätten und Songwriter-Workshops für Jugendliche und schreibt Drehbücher. „Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit“ ist sein erstes Kinderbuch und der Auftakt zu einer Trilogie, deren Fortsetzung im Herbst 2012 erscheint. Der Einstieg in den ersten Band ist zunächst sehr rätselhaft, denn es werden – angesichts des fremden, hochtechnisierten Lebensumfelds der Erfinderfamilie – eine ganze Reihe Fragen aufgeworfen. Damit verlangt Tobias Elsäßer seinen jungen Lesern gleich zu Anfang schon ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen und gesunder Neugier ab, ehe er aus den rätselhaften Fragmenten eine „runde“ Geschichte konstruiert.

Warum der sympathische Franzose Monsieur Ohneheim, der in einem Flughafenterminal lebt, so sehr auf Verspätungen hofft, ist dabei eins der charmanteren Details, die jedoch erst ganz am Schluss aufgeklärt werden. Was es aber mit dem geheimen Rat genau auf sich hat und warum die Lindberghs erpresst werden, sind zunächst viel drängendere Fragen, die aber auch am Ende des ersten Band nicht ganz beantwortet werden. Auch die Zeitsprünge und die zunächst scheinbar unzusammenhängenden Episoden aus dem Alltag von Linus – vom immer wiederkehrenden Albtraum über den Vater, bis hin zur Mathearbeit in der Schule – sind eine Herausforderung für alle aufmerksamen Leser, die gerne Rätsel austüfteln und gut kombinieren können.

Sehr einfallsreich und fantasievoll sind vor allem die technischen Raffinessen mit denen Tobias Elsäßer hier punktet. Dies birgt viele Überraschungsmomente für die Leser, da nicht vorhersehbar ist, was in dieser fremdartigen Welt als nächstes passiert. Sicherlich nicht in einfache Worte zu kleiden, wirkt der Text zum Teil ziemlich komplex, auch wenn Tobias Elsäßer sich immer wieder geschickt auf die derzeitig aktuellen Entwicklungen im Bereich der Computerspiele und Spielekonsolen bezieht. Aufgrund einiger technischer Bezeichnungen wie „Hologramme, Energiefluss, dreidimensionales Leitungssystem“ und der detaillierten Beschreibungen der Erfindungen, Räumlichkeiten und Vorgänge wirkt seine Sprache schon recht anspruchsvoll, doch leseerfahrene Kinder sollten dies umsetzen und eine Vorstellung entwickeln können.

Nach dem ersten Drittel des Buches nimmt die Geschichte schließlich Fahrt auf und verdichtet sich zunehmend. Mit der tatkräftigen Riana, die vor nichts und niemandem Angst zu haben schient, hat Linus eine tapfere Mitstreiterin und Freundin gefunden. Auch die Charaktere werden im Verlauf der nun stringent fortgesetzten Erzählung immer greifbarer. Allen voran Majus; der mit „Hybridtechnologie“ ausgestattete Haushaltsroboter, wird aufgrund seiner menschlichen Wesenszüge und seiner gleichzeitig naiven Sicht eines Roboters, zu einem echten Sympathieträger. Anton, Linus´ chaotischer Großvater, steht bei so manchem Verstoß gegen die Regeln des Rates fest an der Seite seines Enkels und er heckt selbst so manchen Streich aus. Vor allem aber macht Tobias Elsäßer im Verlauf des ersten Bandes deutlich, wie sehr Linus seinen Vater vermisst. Jetzt, da er weiß, dass sein Vater noch lebt, kann er gemeinsam mit seiner Mutter und mit seinem Großvater daran arbeiten, seinen Vater aus dem Riss der Zeit zurück zu holen.

Fazit:

„Linus Lindbergh und der Riss in der Zeit“ ist der erste Band eines sehr fantasievollen Science-Fiction Abenteuers, das Jungen und Mädchen ab zehn Jahren einige Kombinationsgabe abverlangt. Doch die Neugier wird belohnt: Mit einer spannenden Geschichte und ebenso außergewöhnlichen wie liebenswerten Charakteren.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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