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Buchcover: Jonathan Farr: Hast du Angst im Dunkeln?

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Hast du Angst im Dunkeln? von Jonathan Farr

erschienen bei Aracari

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Hast du das auch gehört? Das Geräusch eben. Es kam unter dem Bett hervor. Sollen wir nachsehen?

Es ist Zeit ins Bett zu gehen. Nach der Gute-Nacht-Geschichte werden Felipe und Max ins Bett gesteckt. Licht aus. Und schon geht es los mit den unheimlichen Geräuschen. Nach langen angstvollen Minuten beschließen sie, nachzusehen und finden unter dem Bett einen total verängstigten Riesen. Der sie ermahnt still zu sein und auf die unheimlichen Geräusche zu hören. Also machen sie sich zu dritt auf die Suche und treffen erst auf den Vampir und dann auf das Gespenst. Doch immer noch knistert und klappert es irgendwo. Zu fünft gehen sie den gruseligen Geräuschen nach – und finden eine Maus vor dem Kühlschrank, genüsslich Käse verzehrend. Nach einem ausgiebigen Mitternachtsmahl begeben sich anschließend alle wieder zurück ins Bett. Gute Nacht.

Mit dem nahenden Ende der Gute-Nacht-Geschichte steigt die Angst mancher Kinder vor dem, was danach kommt. Denn im Dunkeln scheinen die Ohren plötzlich besonders gut hören zu können. Hat da nicht eine Tür geknarrt? Schlug dort nicht etwas ans Fenster? Bei der Vielfalt der nächtlichen Geräusche kann schon manchmal die Phantasie mit den Kindern durchgehen und so manches weiß einen Riesen unter dem Bett oder ein Gespenst im Kleiderschrank.

Auch Felipe und Max (übrigens ein Wolf und ein Schaf) im vorliegenden Buch geht es nicht anders. Wie groß ist daher die Freude als sie entdecken, dass zwar tatsächlich ein Riese unter dem Bett liegt, der aber mindestens ebenso große Angst vor den nächtlichen Geräuschen hat wie sie. Und da man in der Gruppe bekanntlich mutiger ist als allein, fällt es zu dritt auch viel leichter, den unheimlichen Geräuschen nachzugehen – und dahinter lauter verängstigte Ungetüme zu entdecken. So vermittelt das Buch ganz nebenbei eine wichtige Lehre: auch große und vermeintlich starke Wesen haben Angst. Angst ist etwas ganz natürliches, alle haben irgendwann Angst und es ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Dass Angst manchmal aber auch unbegründet sein kann, zeigt die kuriose Auflösung der nächtlichen Geräusche: nicht etwa etwas unvorstellbar Grauenhaftes ist Urheber der ganzen Aufregung, nein, ein, wortwörtlich,
mäusekleiner Grund treibt den gestandenen Ungeheuern die Furcht in die Glieder!

Gemäß dem nächtlichen Thema sind die Illustrationen großflächig in dunklen, nächtlichen (lila, blau, schwarz), aber dennoch strahlenden Farben gehalten und werden nur punktuell durch helle Lichtkegel aufgerissen. In ihnen werden dann große zitternde Riesen oder schlotternde Gespenster erleuchtet. Über allem schweben wie halb durchlässige Nebelschwaden die unheimlichen Geräusche der Nacht: Suischsch, grumpf, buuhuu oder mampfmampf. Diese allgegenwärtigen Geräusche lassen zusammen mit den ausdrucksstark aufgerissenen ängstlichen Augen der Figuren das Unheimliche fast greifbar werden und verstärken wunderbar die Stimmung. Diese hebt sich erst auf, als die Maus am Kühlschrank entdeckt wird und anschließend ein Mitternachtsimbiss in einem herrlich erleuchteten Zimmer stattfindet. Nicht angestrahlte Gegenstände sind nur schemenhaft zu erkennen und wirken durch das Licht und Schatten-Spiel noch gruseliger.

Textlich ist das Buch sehr reduziert gehalten und beschränkt sich fast ausschließlich auf wörtliche Rede, die hauptsächlich zwischen den beiden Hauptfiguren ausgetauscht wird. Da eindeutig die Bilder im Vordergrund stehen, ist der textliche Umfang eher gering. Trotzdem werden darin sehr schön nachvollziehbar die Gefühle von Max und Felipe und allen anderen ängstlichen Gestalten transportiert: keiner will sich bereit erklären, der Ursache auf den Grund zu gehen, jeder schiebt die Aufgabe auf den nächst besten, bis sie schließlich gemeinsam auf ein Kommando der Gefahr ins Auge sehen.

Fazit:

Mit Hilfe von Max und Felipe lernen Kinder in diesem Buch eine wichtige Lektion: jedes Lebewesen hat Angst, doch manchmal ist der Grund dafür geradezu winzig.

Claudia Goldammer

 

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