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Buchcover: James Flora: Die Kuh, die mal niesen musste

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die Kuh, die mal niesen musste von James Flora

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

in mein Bücherregal

Die Kuh Flora erkältet sich, muss niesen, schreckt eine Maus auf und alle Tiere des Bauernhofs gleich mit – und löst eine bombastische Kettenreaktion aus, die beinahe die ganze Stadt explodieren und einstürzen lässt. Ein amerikanischer Hit aus den Fünfzigern, der jetzt auf Deutsch erschienen ist.

„Spaß pur“ und „eine der hinreißendsten, witzigsten und rasantesten Geschichten, die je erzählt wurden“ verspricht der Klappentext; damit hängt die Latte ziemlich hoch. Schauen wir also, ob die Kuh Flora es schafft, drüber zu springen.

Das Kind lacht bereits übers Cover, auf dem Flora herzhaft und unübersehbar feucht niesen muss. Und über alles, was dann kommt – plattgewalzte Autos, herumfliegendes Popcorn, Elefanten im Riesenrad – auch. Das Humorzentrum der Zielgruppe trifft Flora offenbar genau.

Flora muss niesen, weil der kleine Junge Fletcher nicht richtig aufgepasst und sie sich erkältet hat. Ihr Hatschi scheucht eine Maus auf; und die eine Katze. Die erwischt versehentlich den Ziegenbock, der panisch auf ein Polizeimotorrad stürzt und damit dann in eine Dampfwalze rauscht. Auf der rasen Bock, Katze und Maus weiter, krachen die Wand vom Schulhaus ein, fahren im Zoo die Käfige platt – und die Tiere; überwalzen eine Kirmes und plötzlich sitzen alle Tiere im Riesenrad; das rollt über einen mit Feuerwerk beladenen LKW und über eine Pfadfindergruppe; deren Lagerfeuer zündet die Raketen und alles endet in einem sternsprühenden ZISCH ZOSCH KADONG im Atlantik.

Rasant ist die Geschichte also auch.

Erzählt wird sie übrigens von Fletchers Schwester. Sie spricht ihre großen Leser und kleinen Zuhörer des Öfteren direkt an – „ich wette, so was habt ihr noch nie gesehen“ – und Autor und Übersetzerin legen ihr klingende und sehr bilderreiche Worte in den Mund: vieles ist riesengroß oder klitzeklein, eiserne Rentiere, Eisenbahnen und Eiscremelaster werden umgefahren, Kraken bekommen Kringel, die Kuh zittert und schlottert, es gibt Feuerwerkskaskaden und Zickzackmuster.

Der Text ist anspruchsvoll und sehr vergnüglich vorzulesen – für alle, die solche Texte mögen. Alle anderen werden sich hin und wieder wünschen, das Schwesterlein würde etwas weniger zum Plaudern aufgelegt sein, weil man vor lauter Sprechen bzw. Hören kaum dazu kommt, sich in Ruhe die Illustrationen anzuschauen.

Die sind zwar meist schwarzweiß und manchmal zurückhaltend in rot, rosa oder grün, aber es ist immer mächtig was los : Schweine, Nilpferde, Pferde, Bären, Tiger, Motorräder, Eisenbahnen, Schiffe, Polizisten, Postboten, Eisverkäufer, Feuerwehrmänner; mal groß und im Detail, mal viele kleine auf einer Seite, mal aus diesem Blickwinkel, mal aus jenem; und immer vom dampfwalzenfahrenden Ziegenbock durcheinandergewirbelt. Der übrigens auf jeder Seite zu suchen und zu finden ist und jedes Mal mit einem anderen Gesichtsausdruck: erschrocken, verdattert, abenteuerlustig, entspannt-amüsiert.

Halten wir fest: Die Geschichte von Flora ist eine schöne, witzige, rasante Geschichte, in der auch noch so viele Tiere, Fahrzeuge und uniformierte Männer untergebracht sind, wie sich ein Vierjähriger nur wünschen kann.

Trotzdem: die Latte hängt im Vergleich zur Kinderliteratur dieser Tage leider doch ein wenig zu hoch. Vielleicht, weil Witz und Rasanz nicht das Herz berühren. Oder vielleicht, weil es doch an manchen Stellen veraltet ist: Zum Beispiel als Fletcher, wieder zu Hause, vom Vater am Ohr gepackt und in die Scheune gezerrt wird. „Ihr könnt euch vorstellen, was dann passierte“, sagt die Schwester. Aber: Dass diese fantastische Feuerwerksgeschichte mit einer Tracht Prügel endet, können oder, besser gesagt, sollten sich die heutigen Kinder eben nicht mehr vorstellen.

Sagen wir es so: Flora wird bei vielen „Früher-war-das-aber-aus-Holz“-Eltern punkten, in erster Linie der originalen Retro-Optik wegen. Alle anderen können für sich und ihr Kind ein zeitgemäßes, rasantes, witziges Buch mit vielen Tieren, Autos und Berufen aussuchen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, etwas zu verpassen.

Fazit:

Das Buch enthält genau das, was viele Kindergartenkinder gut finden: Bauernhof- und Zootiere, Fahrzeuge aller Art, Feuerwehr und Feuerwerk. Es stammt ursprünglich aus dem Jahre 1957 und die Illustrationen sehen auch genauso aus. Das freut alle Eltern, die die Retro mögen. Allerdings ist es auch inhaltlich manchmal etwas altmodisch.

Sigrid Tinz

 

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