Inhalt überspringen

Buchcover: Frank Schwieger: Ich, Zeus und die Band vom Olymp

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Ich, Zeus und die Band vom Olymp von Frank Schwieger

erschienen bei dtv

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Wer nach Büchern über die griechische Antike fürs Kind sucht, findet eine regalmeterlange Reihe an Sagen und Mythen und Geschichten, von oldfashioned nacherzählt bis auf heutiges Actionniveu hochgezogen, von den „Schönsten Sagen des klassischen Altertums“ bis zu „Percy Jackson“. Etwas, das in erster Linie Lustig ist, ist selten dabei. Aber jetzt: Göttervater Zeus hat die Nase voll, dass sich die Menschen erzählen, was sie wollen. Er schickt den Götterboten Hermes herum, der in der Art eines Freundebuchs Steckbriefe und eine kurze Selbstdarstellung vieler griechischen Göttern, Helden und Göttinnen einsammelt. Und so erfährt der Leser aus erster Hand, warum der große Held Achill mal in Mädchenkleidern herumlief, Apoll einen Baum knutschte oder wer die Heulsuse von Naxos ist.

Jeder der Götter und Göttinnen hat dafür ein eigenes Kapitel: Ein gezeichnetes Ganzkörperporträt der jeweiligen Gottheit, und dann eine Doppelseite im Freundebuch: was sie können, mögen und auch was sie überhaupt nicht mögen. Und: Beschreibungen über die Familienzugehörigkeiten, was bei Göttern ein ziemliches Durcheinander ist, zumindest bei den lebenslustigen Griechen.

Allein diese drei Auftaktseiten sind – kleines Wortspiel – göttlich. Dabei sind nicht nur unsterbliche Götter dabei, sondern auch sterbliche Halbgötter.

Und im Anschluss folgt eine in der Ich-Form von der jeweiligen Göttin, vom jeweiligen Gott erzählte Geschichte aus ihrem oder seinem Leben.

Aphrodite erzählt wie sie sich mit zwei anderen Göttinnen um einen goldenen Deko-Apfel balgt, der laut Aufschrift „Für die Schönste“ sein soll. Und zwar auf einer Hochzeitsfeier. Mit Hauen, Spucken, Kratzen, Haareziehen. Eris, die Göttin des Streits hat diesen Apfel gebastelt und aus purer Lust am Unfrieden auf die Tanzfläche gelegt. Sie war nämlich nicht eingeladen. „Klar“, erklärt uns Aphrodite, „die will nie einer in der Nähe haben, schon gar nicht auf einer Hochzeit. Aber irgendwie bekam Eris Wind von der Feier und vor allem davon, dass sie nicht auf der Gästeliste stand. Da wurde ihre Laune noch schlechter als sie es ohnehin schon immer ist und sie beschloss, den anderen das Fest so richtig zu vermiesen. Das kann sie ja besonders gut, die blöde Kuh.“

Die Göttin der Jagd, Artemis, optisch Typ „Mädchen zum Pferdestehlen“, verwandelt einen Jäger, der sie zufällig beim Nacktbaden gesehen hat, in einen Hirsch, damit er niemandem davon erzählen kann, dass er die Göttin der Jagd zufällig beim Nacktbaden gesehen hat. Und „schief gegrinst“ hat er. Trottelig wie sterbliche Männer sind, geht er, der Hirsch, zurück zu seinen Jagdhunden – die hetzen ihn dann dummerweise zu Tode. „Was kann ich dafür? Eigentlich sollte er nur bis zu seinem Lebensende röhrend durch den Wald laufen.“

In diesem Stil und Ton geht es durch das ganze Buch; eine Gottheit nach der anderen wird auf Schulhofniveau gebracht und redet auch so. Schön ist auch, dass der Leser direkt angesprochen wird. Dadurch entsteht eine direkt Verbindung, die bringt uns die Charaktere noch näher: die dralle, blumige Demeter, die knochige Athene, die naive-süße Ariadne, die ihren Geliebten mit dem berühmten Wollknäuel aus dem Labyrinth leitet, von ihm auf einer einsamen Insel sitzengelassen wird, wo sie vor Liebeskummer vergeht und Dionysos persönlich trifft und sich sofort unsterblich in den verliebt. „Ja, ja ich weiß schon was du denkst. Das dumme Huhn verliebt sich innerhalb von zwei Tagen in zwei verschiedenen Typen.“ Oder Achilles, der berühmte Krieger mit der verwundbaren Ferse, den seine überbesorgte Mutter vorm Kriegersein beschützen will und deshalb bei einem befreundeten König als Mädchen verkleidet unter dessen 12 Töchtern aufwachsen lässt. Dieser König wird vom berühmten Odysseus besucht und, so Achilles:„Ich trete zum ersten Mal dem berühmten Odysseus unter die Augen, mit Ohrringen, einer prächtigen Perlenkette, frisierten Haaren und in einem roten Kleid. Danke Mama!“

Auch Zeus selbst kommt am Ende zu Wort, der ist in den meisten Sagen ja irgendwie schon da. Auch er erzählt seine Story, wie er vom kleinen Baby zum Big Boss wurde und dabei nur ein klein bisschen seine Brüder beschummelt hat. Ansonsten ist er sehr beschäftigt, und hat – was man in den vorherigen Kapiteln schon öfter mitbekommen hat – jede Menge Kinder; „aber nicht alle von meiner Frau Hera, ehrlich gesagt, habe ich da komplett den Überblick verloren.“

Fazit:

Ein Buch über Zeus und Co. ist ein Muss für alle, die Sagen und die Antike lieben – und auch wer die Figuren und Geschichten schon in und auswendig kennt, lernt hier von seinen großen Helden noch mal neue menschliche Facetten kennen. Lehrreich und informativ, sehr witzig und unterhaltsam, abwechslungsreich und spannend. Und auch wer den durchgeknallten Göttern eigentlich nicht viel abgewinnen kann, sollte sich mit diesem Buch durchaus versuchen. Es ist einfach lustig, es sind auch viele Göttinnen dabei und macht deshalb nicht nur Jungen Spaß, sondern bestimmt auch Mädchen.

Sigrid Tinz

Meinungen zu diesem Buch

Ihre Meinung zu diesem Buch

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2017 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.