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Buchcover: Jostein Gaarder: Jonathan und die Zwerge aus dem All

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Jonathan und die Zwerge aus dem All von Jostein Gaarder

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

in mein Bücherregal

Die Außerirdischen und ein Würfel bringen den kleinen Jonathan fast zum Verzweifeln. Gelbe Zwerge mit Pyramidenhüten haben die Macht auf Erden übernommen und alles nur, weil sie Bananen so lieben. Ein schneller Planetenaustausch scheint unumgänglich, wäre da nicht der Zauberwürfel mit den Sechsen. Irgendetwas stimmt an dieser Geschichte nicht oder ist alles nur ein seltsamer Traum?

Rums! Bevor die Geschichte beginnt, rutscht Jonathan auf einer Bananenschale aus. Autsch, das hat weh getan.
Als Jonathan allein in der leeren großen Wohnung steht, ist ihm irgendwie unwohl zumute. Alles ist leer. Auch die Telefonleitung ist tot. Auf der Straße läuft kein Mensch, kein Auto oder Fahrradfahrer rollt an dem Jungen vorbei. Kein Hund bellt, kein Kind schreit. Der Ort ist völlig verlassen. Nur Jonathan steht einsam auf der Kreuzung. Der Junge marschiert in den Supermarkt und läuft durch die Regalreihen. Eigentlich nicht übel, könnte man denken. Aber Jonathan interessiert sich nicht für das Abenteuer, er hat Angst. Als er Hunger verspürt greift er zu einer Banane. Auf der Innenseite der Schale steht: „Hüte dich vor der gelben Gefahr!“ Der Junge sichtet einen Zwerg. Kleidung und Hautfarbe des kleinen Wichtes sind gelb. Er würfelt und würfelt – immer nur eine Zahl – 6. Gelbe Zwerge hatte Jonathan noch nie gesehen. Sie erinnern ihn aber an die Holzfigur für sein Leiterspiel. Jonathan verfolgt den Zwerg, der ständig vor sich hin brabbelt, dass irgendjemand dann eben nicht entkommt. Der Junge fragt den kleinen gelben Mann, was er damit meint. Keine Antwort. Der Zwerg geht in den Keller und würfelt immer wieder. Jonathan bemerkt, dass der Würfel auf allen Seiten nur Sechsen hat und wünscht sich laut auch so einen Würfel. Er nimmt dem Zwerg den Würfel einfach weg. Der Zwerg behauptet, dass Jonathan schummelt. Der Junge protestiert. Der Außerirdische rechtfertigt seinen Würfel. Nie würde man sich beim Würfeln über die Einsen oder Zweien ärgern. Jonathan fragt den Fremdling nach den verschwundenen Menschen.

Der Zwerg schnappt sich ein Fahrrad und fährt Achten. Eine 7 zu fahren ist wirklich schwer. Jonathan bleibt hartnäckig. Er will endlich wissen, wo die Menschen sind.
„Sie sollen nach Sykk.“ , sagt der Zwerg. Die Menschen sollen den Planeten tauschen, denn den gelben Wichten gefallen auf der Erde die Bananen so sehr. Aber die gelben Eindringlinge brechen immer erst auf, wenn sie gewürfelt haben. Erst wenn eine Sieben gewürfelt wurde, dann gäbe es die Möglichkeit die Menschen laufen zu lassen. Der gelbe Außerirdische möchte gern eine Sieben würfeln, denn er ist mit dem Planetentausch nicht einverstanden. Er will lieber bei seiner Oma und seinem Opa bleiben, die zu alt zum Umsiedeln sind.

Jonathan ist völlig ratlos und erklärt dem Sykk-Bewohner, dass er mit einem Würfel voller Sechsen nie eine 7 würfeln kann. Doch wo ist die Grenze zum Unmöglichen?
Jonathan ist außer sich, doch der Zwerg wird nicht ungehalten, sondern sagt, dass man nicht ausrasten sollte, wenn man etwas nicht versteht.
Die Menschen, auch Jonathans Eltern, sind alle bequem in einem Raumschiff versammelt und kurz vor der Abreise. Jonathan hat einen Plan, doch der Zwerg versteht ihn nicht. Jonathan möchte mit einem Filzstift einfach nur auf einer Seite des Würfels einen Punkt mehr malen. Das Raumschiff beginnt zu steigen. Jonathan, der letzte Mensch auf Erden, rast nach Hause, malt seinen Punkt und würfelt. Sieben!
Dann plötzlich hört der Junge Stimmen aus der Ferne. Er hat Fieber und scheint aus einem Traum zu erwachen. Vielleicht eine leichte Gehirnerschütterung vom Sturz auf der Bananenschale?

„Wenn ich mich am Rand des Möglichen aufhalte, dann bin ich auch nicht weit von der Grenze zum Unmöglichen entfernt.“ sagt der gelbe Zwerg vom Planeten Sykk.
Jostein Gaarder kann es nicht lassen, der Traum und das Unterbewusste beschäftigen ihn. Und so äußerte er in einem Interview: „In vielleicht allen meinen Büchern gibt es zwei Niveaus, ich meine, zwei verschiedene Geschichten. Es gibt immer eine fantastische Geschichte und einen realistischen Hintergrund.“ Und ist auch in dieser Geschichte, die zum einen einer fantastischen Idee folgt und zum anderen sich um die Grenzen des Wissens und um die Erforschung dieser Grenzen dreht. Wenn man das Unmögliche ernst nimmt, ist es eigentlich nicht zu entdecken, ansonsten wäre es schlicht nicht unmöglich. Heißt es nicht schon in Jostein Gaarders wohl erfolgreichstem Buch „Sofies Welt“: „Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das einzige, was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden.“

Immer mit einer Prise Skurrilität ausgestattet geht es in den Geschichten des Norwegers um weitaus mehr als um die Geschichte seiner Protagonisten. Da geht es um das Unfassbare, das dem menschlichen Leben erst seinen Ernst, seine Tiefe und seine Würde gibt. Bei Gaarder ist das Leben kein Traum, sondern ein Spiel, dessen Grenzen ausgelotet werden können. Spannend beginnt diese Geschichte und spielt mit den Urängsten des Menschen, allein auf der Welt zu sein. Doch schnell löst sich dieser Gedanke ab und thematisiert die Wut des Kindes, das selten auf Anhieb eine 6 würfeln kann. Im Fiebertraum verbindet sich alles mit der Zwergen-Begegnung. Seinen Würfel mit den Sechsen möchte der Junge gern haben. Für ihn ist es ein Zauberwürfel, was der gelbe Wicht verneint. Die Unmöglichkeit mit diesem Würfel eine Sieben zu werfen, wird zum existentiellen Problem. Am Ende rundet sich das Bild ab, denn Jonathan, man ahnte es bereits, träumt. Er verarbeitet das Leiterspiel und seine Erfahrungen. Seine personifizierten Gegenspieler im Traum sind die Spielfiguren mit eigenen Argumenten und einer seltsamen Macht. Zufall oder Berechnung – ein Spiel bleibt ein Spiel. Alles ist ein wenig verwirrend und zugleich psychologisch, geheimnisvoll und doch klar – wie Träume eben sind. Und wie immer gibt es unterschiedliche Interpretationsansätze. Einen liefert auch Peter Schössow mit seinen Illustrationen.

Mit Bildwitz und vielen fast unscheinbaren Details stattet der Hamburger Illustrator Peter Schössow dieses besondere Bilderbuch aus. Sein Strich, sein Blickwinkel und seine Bildkompositionen, bei denen er auf Reduktion und Stilisierung setzt, kommentieren fast ohne Absicht die Geschichte. In einem Interview erzählte Peter Schössow, dass er am Rechner arbeitet. Die Skizzen entstehen per Hand mit dem Bleistift, werden dann eingescannt und bearbeitet.

Schnell kann jeder Betrachter die Bildinformation erfassen. Die Leuchtkraft der Illustrationen, wie die Schattierungen üben ihre eigene Faszination aus. Allein die einheitliche Kostümierung und die Austauschbarkeit der gelben Außerirdischen, so wie das spezielle Bild, in dem eine Ansprache gehalten wird, assoziiert für den erwachsenen Leser eine ganz eigene Botschaft. So wie der junge Leser seine Geschichte lesen kann, wird der erwachsene lesende oder auch vorlesende Betrachter wiederum auf eine ganz andere Weise in Text und Bild angesprochen.

Fazit:

Jostein Gaarder erzählt scheinbar eine einfache Geschichte. Wie immer verwirrt er seine Leser, macht es ihnen nicht einfach und zwingt sie hinter die Kulisse zu schauen. War es ein Traum? Was ist unmöglich? …Ohne Fragen scheint Herr Gaarder nicht leben zu können. Wir dürfen eine Antwort suchen, neugierig und miteinander im Dialog bleiben.

Karin Hahn

 

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