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Buchcover: Dagmar Geisler: Das Weihnachtswunder von Schneeberg

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Weihnachtswunder von Schneeberg von Dagmar Geisler

erschienen bei dtv

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Das Weihnachtswunder beginnt – wenn man es genau nimmt – mit einer riesengroßen Katastrophe, einer Finanzkatastrophe. Denn überall in Schneeberg, ja, scheinbar auf der ganzen Welt, ist das Geld verschwunden. Es gibt keins im Sparschwein, keins auf der Bank und noch nicht mal die Sondermünzen in der Sparkasse sind noch vorhanden. Wie kann das sein? Und wie sollen die Menschen nun Weihnachten feiern?

Schneeberg ist nicht nur Zahlungsmittellos, sondern auch komplett eingeschneit. Die Schneeberger sind also ganz auf sich selbst gestellt. Lotte Mohr hat bereits ihren großen Bruder Felix verdächtigt, ihr das Geld aus dem Sparschwein gestohlen zu haben – doch als nach und nach das Ausmaß dieser rätselhaften „Geldvernichtung“ deutlich wird, sieht sie, dass da irgendwas ganz Eigenartiges am Werke ist. Die Stimmung ist, so kurz vor dem Weihnachtsfest, auf dem Tiefpunkt; die Erwachsenen, hören unablässig Nachrichten, laufen mürrisch oder verzweifelt umher. Da beschließt Lotte, dass es so nicht weitergehen kann. Zusammen mit drei anderen Kindern aus Schneeberg organisiert sie einen Tauschhandel – Weihnachtsgans gegen Rotkohl.

Zunächst sind die erwachsenen Schneeberger etwas skeptisch, doch nach und nach organisieren sie sich immer besser, bis es auf dem Marktplatz nur so wimmelt von fröhlichen und unternehmungslustigen Leuten. Und da ist auch noch Nick, der unverhoffte Gast in Lottes Familie. Zuerst denkt Lotte, er wäre in ihre Mutter verliebt – und sie in ihn – doch der musikalische Sonderling ist vor allem immer dann zur Stelle, wenn man ihn braucht. Ansonsten hält sich Nick sehr dezent im Hintergrund. Merkwürdig. Merkwürdig auch, dass Nick in seinem großen Sack immer genau das findet, was sie gerade am dringendsten brauchen. Und woher weiß Nick so genau, wie es in Lotte aussieht?

Dagmar Geisler zeigt in ihrer Weihnachtsgeschichte in 27 knappen Kapiteln, was man alles anstellen könnte – oder müsste – wenn es auf der Welt überhaupt kein Geld mehr gäbe. Könnte man so denn überhaupt ein glückliches Weihnachtsfest erleben?

Über Glück wird und wurde viel philosophiert – auch Kinder machen sich ihre Gedanken „wie viel Glück“ sie im Leben haben. Viele kluge Köpfe sind sich einig: Es ist mehr als Wohlstand und Sicherheit. Dagmar Geisler zeigt in ihrer Weihnachtsgeschichte für alle Querdenker ab 8, dass es auch das Miteinander ist, das glücklich macht. Dass es die Ideen sind, die man gemeinsam realisiert und die einem das wichtige Gefühl von Zusammenhalt – das gute Gefühl ein wichtiges Mitglied in einer Gemeinschaft zu sein – geben. So etwas kann mit Geld nicht kaufen.

Stück für Stück zeichnet Dagmar Geisler nach, wie die Ausnahmesituation und die Tatkraft der Kinder die Einwohner in Schneeberg langsam verändert; wie die Menschen aufeinander zugehen, Kompromisse schließen und alte Feindschaften begraben. Gleichgesinnte finden zueinander und treiben eigene Projekte an, die ihnen am Herzen liegen. Nicht nur Freundschaften entstehen so erst nach vielen Jahren des Nebeneinanderherlebens, auch Liebesbeziehungen.

Natürlich klingt das alles sehr rosarot und mit Zuckerguss. Aber das ist es nicht nur. Zwischendurch gibt es immer wieder Mitbürger, die scheinbar gar nichts verstanden haben: Die Kinder müssen tapfer gegen prinzipientreues Unverständnis und Ignoranz ankämpfen. Auch dass Lottes Vater schon vor längerer Zeit die Familie verlassen hat, lässt sie nicht unbeschwert auf die Weihnachtstage zusteuern. Hinzu kommt, dass Lotte auch ihre alte Freundin Fritzi vermisst, die vor kurzem fort gezogen ist. Und da ist auch noch Lottes großer Zweifel an sich selbst: Hat sie selbst überhaupt nichts, das sie besonders macht? Welches Talent hat sie? Auf der Suche nach ihrer eigenen Persönlichkeit ist ihr Nick ein wichtiger Ansprechpartner. Nick, der durch die Straßensperrung in Schneeberg „gestrandet“ ist, begleitet Lotte auf ihrem Weg. Von dem ersten Tauschgeschäft bis hin zur großen Party an Sylvester. Er hilft ihr, den Blick auf das zu werfen, was nur sie kann und kein anderer.

Der Aufbau in 27 Kapiteln lässt sich wunderbar für das abendliche Einschlafritual in der Vorweihnachtszeit einsetzen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die jeweiligen Kapitel sich nicht an der Abfolge eines Adventskalenders orientieren. Das heißt zum Beispiel, dass der 24. Dezember, im Kapitel 15 stattfindet. Da die gesamte Rahmenhandlung noch bis Sylvester reicht, ist dies – wenn man es weiß – nicht weiter störend. Auf diese Weise muss man sich gar nicht erst mit dem Vorlesen auf die einzelnen Kapitel einstellen, sondern kann einfach so fortfahren wie es kommt; vielleicht ist ja noch Zeit, für ein zweites Kapitel am Abend. In jedem Kapitel enthalten sind auch Lottes E-Mails an ihre Freundin Nicki, die aber zunächst nicht antwortet. Auf diese Weise erfahren die LeserInnen wie es Lotte während dieser Zeit ergeht. Sie erzählt Fritzi alles und fasst so manche verzwickte Situation mit kindlich-scharfem Blick zusammen. Gleichzeitig schlüpfen die jungen LeserInnen in die Rolle der Freundin und fühlen sich somit direkt angesprochen.

Dagmar Geisler erzählt die Geschichte ganz aus der Sicht von Lotte, nimmt dabei aber nicht ihre, sondern die auktoriale Erzählerhaltung ein. Ihre Sprache wirkt kindlich aber geradlinig; sie findet schöne Gleichnisse, um die idyllische Winter- Atmosphäre greifbar darzustellen. Besonders für die mitwirkenden Darsteller findet sie lebendige Beschreibungen, die Kinder den jeweiligen Charakter nahe bringen – und ihre Veränderung in dieser Ausnahme-Situation ist wirklich amüsant mitzuerleben. Schwierig wird es jedoch irgendwann, die vielen Personen auf Dauer auseinander zu halten, vor allem, wenn sie schon länger nicht mehr in Aktion getreten sind. Doch im Großen und Ganzen findet die Autorin die richtigen Stichworte, um ihre am Ende doch arg wuselige Dorfgemeinschaft für die LeserInnen kenntlich zu machen.

Die zahlreichen vierfarbigen Illustrationen stammen ebenfalls von Dagmar Geisler. Hier zeigt sich, dass es eine wunderbare Sache ist, wenn Autor und Illustrator ein- und dieselbe Person ist. Die vielen kleinen Illustrationen fangen die geschilderten Situationen sehr treffsicher und humorvoll ein – besonders in Mimik und Gestik. Die Zeichnungen sind in warmen aber kräftigen Farben gehalten. Der lockere Strich von Dagmar Geisler verleiht den Figuren etwas Dynamisches und die vielen kleinen „Stillleben“ erzeugen mit ihren manchmal eine heimelige, sympathische Weihnachtsatmosphäre.

Fazit:

Ein Weihnachtswunder der besonderen Art beschert uns Dagmar Geisler mit „Das Weihnachtswunder von Schneeberg“. Geschickt stellt sie in ihrer Geschichte Kindern die Frage, ob Geld glücklich macht. Wir begleiten die kluge Lotte auf ihrer Suche nach einer Lösung, wie das Weihnachtsfest auch ohne Geld gerettet werden kann. Dass dabei ein noch viel besseres Weihnachtsfest herauskommt, das ist eine schöne Botschaft, die den eigentlichen Sinn von Weihnachten wieder in den Mittelpunkt rückt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Anne Hofer meint:
"Das Weihnachtswunder von Schneeberg" macht auf den ersten Blick resp. das erste Anlesen im Buch glustig auf eine Weihnachtsgeschichte in der ganz plötzlich alles Geld und alle Zahlungsmittel verschwinden und dank Lotte und ihren Freunden schliesslich doch noch ein wunderschönes Weihnachtsfest entsteht und sich der Zusammenhalt des Dorfes von Tag zu Tag steigert - bis schlussendlich jede und jeder zum Silvester-Neujahr anstösst und gemeinsam feiert.
Hauptkritikpunkt ist meiner Ansicht nach, dass die Geschichte, trotz der Sichtweise Lottes, sehr Erwachsenorientiert ist und verschiedenste Thematiken unter einen Hut bringen will. Da ist einmal die Auseinandersetzung zwischen Mama und Oma. Ausser dass sie sich am Schuss wieder vertragen, trägt diese Auseinandersetzung nichts zur Geschichte bei.
Dann ist da dieser Nick, der als Musikinstrumentenverkäufer im Dorf ankommt, bevor alles zugeschneit ist. Er hat einen sympathischen Charakter - aber warum muss da das Vorurteil eingesponnen werden, dass sich Mama in ihn verliebt haben soll? Wenn es am Schluss doch ganz anders ist?
Auch die Eifersucht ist ein Gefühl, das hier in eher nebensächlichen Figuren gross herauskommt. Da ist Frau Siebert (die einen Glühweinstand hat) und scheinbar eifersüchtig auf Mama wird, weil sie sich in Arthur Specht verguckt hat... Reichen denn nicht Lottes Gefühle (die im Übrigen auf Ida eifersüchtig ist), um dieses Gefühl in die Geschichte einzubringen?
Und dann gibt es da noch die Freundin Fritzi, der Lotte ab und zu versucht, eine Mail zu schreiben. Für dass diese am Schluss nur eine kurze Mail zurückschreibt und kaum auf die Mails von Lotte eingeht (nicht einmal ein Danke), ist diese Figur eigentlich überflüssig. Die Mails von Lotte könnten auch ein Tagebucheintrag oder Gedanken an ihren Vater (der dann aber darauf eingehen müsste) oder Monolog an ein Lieblingsstofftier sein.

Insgesamt war ich nach dem Buch eher enttäuscht - hatte ich mir doch eine wundersame, etwas andere, geheimnisvolle Weihnachtsgeschichte erhofft. Aber die Alltagsprobleme, die nicht nur Lotte betreffen, haben irgendwie überhand erhalten.
Ich habe die Geschichte total überarbeitet um sie vorlesen zu können. Denn einen pädagogischen Wert haben die Nebengeschichten wenig.
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