Inhalt überspringen

Buchcover: Dietrich Grönemeyer: Der kleine Medicus

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der kleine Medicus von Dietrich Grönemeyer

erschienen bei Rowohlt

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Kinderbuch des Monats (12.2005). Der kleine Medicus, liebevoll von seinen Freunden Nanolino genannt, zeigt uns atemberaubende Innenansichten des menschlichen Körpers und lehrt uns in seinem Abenteuer – so ganz „nebenbei“ -, wie wunderschön unser Organismus ist und wie ausgeklügelt seine Organe miteinander im Gleichklang arbeiten – und das rund um die Uhr …

Nanolino lebt mit seiner kleinen Schwester Marie, seiner Mutter und seinem grummeligen Großvater unter einem Dach. Während des Sportunterrichts verstaucht sich Nanolinos Freund Frido arg den Fuß. Ihr Sportlehrer bringt den Verletzten und seine Freunde, darunter auch Nanolino, zu Dr. X. Dieser arbeitet, zusammen mit seiner „freakikgen“ Assistentin „Micro Minitec, in der Micro-Forschung und behandelt auch Kranke wie Frido. Die Kinder kommen in dieser Umgebung, angefüllt von neuester diagnostischer Technologie, aus dem Staunen gar nicht heraus. Sie lernen Computer- und Kernspintomographen, Laser, Röntgengeräte und so einiges mehr kennen.

Da es Nanolinos Wunsch ist, selbst einmal Arzt zu werden lässt er sich die freundliche Einladung von Dr. X nicht entgehen und besucht die “Villa Nachtigall„; noch ein weiteres Mal auf eigene Faust. Micro Minitec zeigt ihm gerne alle neuesten medizinischen Errungenschaften – auch ihre neueste Erfindung: Die Microtisierungsmaschine. In einem unbeobachteten Moment schafft es Nanolino irgendwie die komplexe Erfindung in Gang zu setzen und findet sich schließlich zusammen mit dem kleinen rosa Kaninchen “Rappel„ in einer Art Unterwasserkapsel wieder, die in Micro Minitecs´ Verdauungsapparat unterwegs ist. Hier macht Nanolino zum ersten Mal die Bekanntschaft mit dem faszinierenden menschlichen Organismus und sieht Bilder, die zuvor noch kein anderer Mensch so gesehen hat: Seine Reise beginnt in der Mundhöhle, dort wird er durch die Speiseröhre in den Magen befördert und “tummelt„ sich hier eine ganze Weile, nachdem er von dem “Magenpförtner„ hindurchgelassen wurde. Von dort aus geht die Entdeckungsreise weiter in den Zwölffingerdarm, den Dünndarm und endet schließlich im Dickdarm. Auf seiner Reise sieht der junge Forscher auch so einiges von der Leber, der Galle und erfährt, wie es etwa zu Diabetes mellitus kommen kann.

Als Nanolino, wieder auf Normalgrösse “gewachsen„, mit dem Bus nach Hause fahren will, erfährt er, dass seine Schwester Marie und sein Großvater ihn bereits hier gesucht haben. Schließlich aber ist es der Großvater, der vemisst wird. Bei der alten Schlachterei des Ortes belauschen die beiden Geschwister ein Gespräch zwischen dem bösartigen Professor von Schlotter und seinem verschlagenen Gehilfen Scherge. Es stellt sich heraus, dass die beiden die Erfindung von Micro Minitec gestohlen haben. Mit einem microtisierten Roboter, genannt Gobbot, will von Schlotter die Gedanken der Menschen manipulieren. Ihr erstes Versuchsobjekt ist Opa Sonntag, der gesuchte Großvater.

Sie wollen Prof. X und seine Assistentin Micro Minitec natürlich umgehend vor den Machenschaften von Prof. von Schlotter warnen, aber ein allzu harmonisches, ja geradezu bilderbuchmässiges Wochenende bei ihrer Großmutter, die sich wie kaum ein anderer Mensch in Naturheilverfahren und allerlei Kräuterkunde auskennt, lenkt die beiden Kinder für eine Weile von ihren finsteren Ahnungen ab. Ihr Opa ist jedenfalls nicht mehr der Alte – selbst einem Roboter gleich, bleibt er zu Hause bei ihrer Mutter zurück.

Doch dann klügeln sie gemeinsam mit ihren Freunden einen Plan aus, wie sie die Schurken von Schlotter und Scherge überführen und ihren Großvater vom Gobbot befreien können. Es gelingt ihnen, das verbrecherische Duo festzusetzen und in einem hochspannenden Finale jagen die “Korponauten„ Nanolino und Marie in einem, als rotes Blutkörperchen getarnten, Spezial-Mini-U-Boot den zerstörerischen Gobbot. Auf ihrem Weg am Rückenmark vorbei zum Gehirn, treffen sie auf den “Homunkulus„, das Herz sowie auf viele eigenartige Wesen, die sich in den Blutbahnen tummeln. Doch den Gobbot zu fangen ist wirklich kein Kinderspiel und die beiden Korponauten müssen sich in ihrer schwimmenden Untertasse ganz schön anstrengen …

Das ist wahres Infotainment für wissbegierige Kinder, die Professor Dr. Dietrich Grönemeyer als ein, in meinen Augen, absolutes Novum geschaffen hat. “Verpackt„ in ein spannendes Science Fiction-Abenteuer, das so manchen Erwachsenen an die “Reise ins Ich„ erinnert (einem Film , der in den 80er Jahren neu verfilmt wurde), erfahren wir, beinahe so “ganz nebenbei", wie unser Organismus funktioniert.

Prof. Grönemeyer spricht dabei direkt die Kinder an und passt seine Sprache, so weit es möglich ist, dem Erfahrungshorizont seiner anvisierten Lesergruppe an, ohne sie aber zu unterschätzen. Ein Dialog, stellvertretend zwischen Nanolino und dem/der Wissenschschafter geführt, vollzieht sich hier auf Augenhöhe und das macht Inhalte und Botschaften so eingängig wie wirkungsvoll.

Dies wird besonders an dem Punkt der „Energiegewinnung“ deutlich: An dieser Stelle erfahren die Kinder was ihr Körper braucht, um seine Funktionen optimal ausführen zu können – sie lernen aber auch welche Nahrungs- und Genussmittel schädlich für sie sind. Auf diese Weise wird damit eine ganz natürliche, im wahrsten Sinne des Wortes „vom Wissen genährte“ Sensibilität erzeugt, die unsere Kinder eigenverantwortlich bei der Auswahl der Nahrungsmitteln handeln lässt. Dieser Ernährungswissenschaftliche Exkurs des „kleinen Medicus“ hat leider auch einen aktuellen Hintergrund:

Die Anzahl der übergewichtigen Kindern nimmt stetig zu. Genau auf diese Wunde legt Prof. Dr. Grönemeyer seinen Finger und appeliert auch an uns Erwachsene, wie wichtig über die ausgewogene Ernährung hinaus auch regelmässige Bewegung, Sport und frische Luft sind – und das nicht nur für den gesunden Körper, sondern auch für die Seele.

Ein wenig spüren wir da schon den „erhobenen Zeigefinger“. Die Erzählung ist sehr darum bemüht, Kinder unmittelbar an die Kernaussagen und Botschaften des ambitionierten Autors heranzuführen. Dadurch wirkt die Geschichte an manchen Stellen allzu konstruiert, unwirklich und sprunghaft in seiner Dramaturgie. Man merkt der Sprache an, dass es dem Autor ein wenig schwergefallen sein muss, die ganz alltäglichen und zwischenmenschlichen Begebenheiten zu erzählen. Die „Science-Fiction-Sequenzen“ zeugen dagegen von einer bewundernswerten Fantasie. Dabei wirken gerade die „Innenweltreisen“ so authentisch, wie sie wohl nur ein echter Fachmann vermitteln kann. Zudem gelingt es Dietrich Grönemeyer in seinem Debüt als Kinderbuchautor, im Großen und Ganzen eine fesselnde Geschichte zu erzählen, die gerade zum Ende hin einen „ordentlichen“ Spannungsbogen aufweist.

So darf man, um Kinder für Wissen zu begeistern, das „Entertainment“ nicht von dem Informationsgehalt trennen – und genau das hat Dietrich Grönemeyer verstanden. Kinder wollen es an „Ort und Stelle“ wissen. So finden wir überall innerhalb der Geschichte farbig hinterlegte Informationskästen. Jeder Themenbereich hat sein eigenes Symbol wie das Ausrufe- (Anatomie) oder das Fragezeichen (Krankheit), das Zahnrad (med. Geräte) oder die Hand für Anwendungen, die auch und in erster Linie alternative und ganzheitliche Behandlungsmethoden vorstellen, wie zum Beispiel Ayurveda. Dabei verfolgt Dietrich Grönemeyer eines seiner weiteren Anliegen, nämlich den Horizont des Einzelnen zu erweitern, damit wir lernen, unseren Körper besser kennenzulernen und„;Krankheiten von leicht bis schwer“; (Zitat des Mediziners bei einer Lesung in Köln) einschätzen und behandeln zu können. Wobei „schwer“ natürlich ein Fall für den Arzt ist. Daher finden wir in dem Buch auch einen wahren „Fundus“ alter Hausmittelchen und Tipps der Kräuterheilkunde, die gerade bei kleinen Zipperlein sehr hilfreich sind und schon unseren Großeltern auf sanfte Weise geholfen haben. Im „Medizin-Service für Kinder (und Eltern)“, der dann tatsächlich den Anhang des Buches darstellt, finden wir weitere wertvolle Informationen und Erkläuterungen. Dort sind die häufigsten Erkrankungen und Beschwerden aufgeführt und was man, bis zu welchem Grad, selbst zur Linderung unternehmen kann, sowie Heilkräutertees und ihre Wirkungsweise, um nur einige der Themen zu nennen. Außerdem gibt es „Medizinchinesisch“ für Laien und ein Register, in dem man alle Themen in alphabetischer Reihenfolge finden kann.

Die Illustrationen von Peter Volpert, bei denen der Autor, wie bei allem anderen, sehr viel Mitspracherecht hatte, sind durchweg fröhlich und lebendig. Nanolino, an dem laut Prof. Grönemeyer wohl am meisten „gefeilt“ wurde, ist ein sympathischer, etwas zu klein geratener Wildfang mit Strubbelhaar und „Segelohren“. Das Buch wirkt in seiner optischen Darstellung sehr ausgewogen. Dabei finden wir auf fast jeder Seite ein kleines Detail, das die kindliche Neugier zu wecken vermag. Schade bei den geradzu kunstvollen Aufnahmen unserer Organe, wie sie wohl kaum jemand kennt, ist, dass man eine Bezeichnung leider vergeblich sucht.

Der Rowohlt-Verlag hat eine Website zum kleinen Medicus mit vielen interaktiven Bereichen online gestellt: www.groenemeyer-medicus.de

Fazit:

Man muss dieses Buch in seiner Gesamtheit betrachten und als solches ist es, meiner Meinung nach, sehr gelungen und stellt wohl eine Neuheit auf dem Kinderbuchmarkt dar, das das Zeug zu einem echten Klassiker hat.„;Der kleine Medicus“; ist nicht „nur“ ein spannender Abenteuerroman, nicht „nur“ ein Sachbuch der Medizin und auch nicht „nur“ ein Nachschlagewerk für die ganze Familie. Die Kombination dieser drei Buchtypen miteinander, auf diese lebendige und begeisternde Weise, macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Zu etwas, das auch Grönemeyers humanistische Weltanschauung „dahinter“ für jedermann begreifbar werden lässt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Politischandersdenkender meint:
Waltraud Heiser meint:
Ich finde das Buch ganz große Klasse.Ich würde gerne für mein Enkelkind eins haben,leider find ich keins.!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!Evtl.weiß von euch wer oder wo es noch ein Buch gibt.LG Waltraud.!!!!!!!!!
Robin Zott meint:
Ich finde dieses Buch super und lese es immer wieder ! Hab nur das 1. gelesen
Muss ein Referat schreiben.
Sag mir mal bitte, wo ich einen Steckbrief finden kann.
Bitte 2 Angaben (ist vieleicht besser )

Dien Leser Robin
Pascal meint:
Also ich hab das Buch gelesen und es hat mir sofort gefallen bedsonders die bilder und rezepote und nebenboxen.Hab schon viele so Großmutterrezepte gemacht bringen echt viel!


Meine Bewertung:Echt Super!!!
nikki meint:
Ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Der ganzeitliche Ansatz ,nämlich Wissen, Naturheilkunde ,aber auch den Wissensdurst ,die Neugierde und Freude am Lernen der Kinder miteinander zu verbinden ist dem Autor wirklich gut gelungen. Ich werde zu Weihnachten die Fortsetztung" Die neuen Abenteuer des kleinen Medicus" meinen Kindern schenken und freue mich schon drauf..
trine meint:
Dieses Buch hat mich sofort begeistert, als ich es das erste Mal gesehen habe. Ich finde es mit seinen Abbildungen und farblichen Hervorhebungen sehr ansprechend gestaltet.
Was ich zunächst für ein reines Sachbuch hielt, entpuppte sich aber als mehr: es wird eine fantastische Geschichte um den kleinen Nanolino erzählt, in welche immer wieder kurze, farblich hervorgehobene Boxen mit passenden Informationen zu Krankheiten, Behandlungsmethoden, Anatomie und Technik sowie gelegentlich auch Großmutters Hausrezepte eingeflochten werden.

Nanolinos Geschichte war ganz nett, aber ich bin wohl deutlich älter als die eigentliche Zielgruppe, so dass ich das abschließende Urteil lieber jemand mit Kindern in der unmittelbaren Umgebung hinterlassen möchte. (Nebenbei bemerkt ist die Geschichte auch noch illustriert mit Bildern der Hauptfiguren.)

Die wissenschaftlichen Informationen sind interessant, lehrreich und aus meiner Sicht auch gut aufbereitet, z. B. mit einfachen Vergleichen. Das eine oder andere Hausmittel werde ich mit Sicherheit mal ausprobieren.

Im Anhang gibt es dann noch einen "Medizin-Service für Kinder (und Eltern)", wo noch einige zusätzliche medizinische Themen kurz aufgenommen werden, die wohl im Kontext der Geschichte nicht unterzubringen waren.

Anständigerweise hat das Buch auch ein Glossar und ein Register.

Ein schönes, informatives Buch, in welchem man bei Gelegenheit auch mal was nachschlagen kann. Es wird einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommen. :)
Katharina meint:
Ich habe das Buch selbst gelesen und finde es super!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ihre Meinung zu diesem Buch

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2016 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.