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Buchcover: Erwin Grosche: Und Löffel zu Löffel ins Löffelfach

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Und Löffel zu Löffel ins Löffelfach von Erwin Grosche

erschienen bei Boje

geeignet für Kinder im Alter ab 5 Jahren

in mein Bücherregal

Seit 2008 gibt es die Reihe „Gedichte für neugierige Kinder“. In der werden altgediente Kindergedichteschreiber mit lustigen, fröhlichen, ernsten und fantasievollen neuen Bildern neu belebt; und alle paar Bände ist ein zeitgenössischer Dichter dran.

In diesem Buch ist es Erwin Grosche: „Geboren 1955, lebt in Paderborn, isst gerne Kuchen und schreibt Kinderbücher“, so steht es hinten auf dem schmalen vokabelheftgroßen Buch. Er dürfte dem ein oder anderen bekannt sein aus Shows, Feiern und Veranstaltungen; Kinder mögen seine Spaßgedichte und weil sie nicht nur spaßig sind, sondern auch sprachspielerisch, lautmalerisch, rhythmisch und damit sprachförderlich, schätzen ihn auch Erwachsene.

Seine Gedichte sind ein klasse Mittelweg zwischen dem, was eigentlich nur Reime sind und sich sonst oft in Kinderbüchern findet und beim Vorlesen und Vorsprechen Fremdscham verursacht. Und zwischen dem, was man Lyrik nennt und doch oft eher ernst, dunkel, alt und getragen daher kommt.

Grosches Gedichte machen Spaß, hinterlassen beim Kind positive Assoziationen rund um Gedichte und legen so den Grundstein, das Schöne an Lyrik zu schätzen: dass in so wenigen Worten so viel drinstecken kann an Fantasie, Leben und Gefühlen. Diesen Grundstein kann auch der drögste Deutsch-Gedichte-Analysieren-und-Interpretieren-Unterricht hoffentlich nicht mehr kaputt machen, der Gedichte zerplatzen lässt wie eine Seifenblase, die man anfasst und der Zauber an allem, was jemand mit großer Kunst und Fantasie hineingedichtet hat, ist dahin.
Grosches Gedichte dagegen darf man anfassen, dazu sind sie gemacht.

Es sind Alltagsgedichte dabei wie früher die Mühle am rauschenden Bach oder die birnensammelnden spannenlangen Hanseln und nudeldicken Deerns – aber eben solche, die auch zur heutigen Lebenswelt einen Bezug haben. Und deshalb „Löffel zu Löffel ins Löffelfach und Gabel zu Gabel ins Gabelfach und Messer zu Messer ins Messerfach“ beim Spülmaschineausräumen gesungen und gesprochen werden können. Oder „Ach was für ein Krach, der Staubsauger“; oder das Toastergedicht, das „Toaster, Toaster, Doppelback komm heraus jetzt und zwar zack“ die endlosen zwei Minuten verkürzt, bis der Toast endlich fertig ist. Am besten zum gleichen Rhythmus wie „Lirum Larum Löffelstiel“.

Bei manchen Gedichten hat Grosche nicht nur den Takt weiterverwendet, sondern noch mehr Anklänge als alte runderneuert: „Mein Hund, der hat drei Flecken“ oder die zehn fiesen Bankräuber – die kommen sehr rasant daher und sind hundertmal besser als die rassistische ganz alte Variante oder die jüngeren und braven zehn Zappelmänner.

Manche Gedichte haben einfach Lust an Sprache wie die „Ganz neuen Fische“, die auflisten, was man neben normalen Fischen in einem Fluss noch so alles finden kann, vom Süßigkeitenpapiertütenfisch über den Supermarkttragetaschenfisch bis zum Bierflaschenverschlussfisch. Oder die Bankräubernachrichten, in denen durchgesagt wird, dass in der Bankräuberschule heute der Unterricht ausfällt, weil die Kreide geklaut wurde. In der nächsten Strophe ist es dann die Kreide und die Tafel, und es kommt Strophe für Strophe ein Delikt dazu – am Ende ist die ganze Schule geklaut. Und weil wir ja in der Bankräuberschule sind, gibt es darauf eine Eins.

Die Bilder sind schwarz-weiß-türkis illustriert, die Türkistöne reichen von hell bis dunkel, von satt bis zart. Auf jeder Seite, zu jedem Gedicht gibt es eins bis mehrere, meist ein Aspekt aus dem Gedicht, der so per Illustration vertieft wird, ergänzt um lustige Tierdetails: Hasen, Vögel, Mäuse räumen die Spülmaschine aus und beim Zahnbürstengedicht sind die elektrischen Zahnbürsten in Hummelfliegen-Optik – passend zum Geräusch, dass sie machen.

Fazit

Erwin Grosches schöne, lustige, leichte, nachdenkliche, sprachspielerische Alltags-Gedichte sind genau richtig für Kinder von heute, ein klasse Mittelweg zwischen schlichten Kinderbuchreimen und ernster, alter, getragener Dichtkunst. Zusammen mit den feinen und fantasievollen Bildern zeigt das Buch wie nebenbei, wie viel in und zwischen ein paar wenigen Zeilen stecken kann. Einstieg in die Welt der Lyrik, der definitiv Lust auf mehr macht.

Sigrid Tinz

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