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Buchcover: Lin Hallberg: Jola und die Sache mit den Pferden

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Jola und die Sache mit den Pferden von Lin Hallberg

erschienen bei Kosmos

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

Jola mag’s gemütlich, so wie ihr Kater Marmelade. Ihre Freundin Alba ist genau anders, sie hat gefühlte tausend Hobbys, ist ständig unterwegs und probiert regelmäßig was Neues aus. Und manchmal schleift sie Jola mit. Wie in diesem Buch. Dieses Mal hat Alba beschlossen, dass sie und Jola Reiten lernen werden.

„Ich bin faul, hab kein Ballgefühl, ich passe nicht in Showtanzkostüme und falle jedes Mal ins Wasser, wenn ich auf ein Boot steigen soll“, so beschreibt sich die fast 12-jährige Jola am Anfang des Buches selbst. Beim Tennispielen bekommt sie die Bälle ins Gesicht, sie hat Eiskunstlauf probiert und Fußball, Snowboard fahren und nichts davon hat richtig geklappt. Was sie selber nicht stört, denn eigentlich ist sie zufrieden, wenn sie lesen, gammeln und mit ihrem Kater Marmelade spielen kann. Aber: weil ihre Eltern meinen, ein richtiges Kind müsse aktiv sein und jede Menge Hobbys haben und weil ihre beste Freundin Alba genau so ein Kind ist, kommt Jola manchmal eben doch nicht drumherum, Tennis, Fußball oder Showtanz auszuprobieren. Statt die Nachmittage mit Marmelade auf dem Sofa abzuhängen.

Jetzt will Alba unbedingt Reitstunden nehmen. Einmal mehr überredet sie Jola, mitzukommen zu ihrem neuen Hobby. Jolas Eltern freuen sich durchaus und erlauben es – unter der Bedingung, dass sie diesmal auf Gedeih und Verderben ein halbes Jahr dabei bleibt und die gekaufte Zehnerkarte auch ableistet; und nicht wie sonst bei den vielen anderen Aktivitäten nach ein paar Mal wieder aufhört. Jola verspricht alles. Und bereut es bereits beim ersten Mal. Es riecht komisch, die Pferde sind riesig und die Hufe noch riesiger, es ist alles anstrengend und gefährlich und überhaupt.

Und während Alba sich von jetzt auf gleich in ein richtiges Pferdemädchen verwandelt, sucht Jola Woche für Woche nach einer Ausrede, um nicht zur Reitstunde zu müssen. Aber ihre Mutter ist eisenhart, versprochen ist versprochen. Für Jola eine Qual, für den Leser ein lustiges Vergnügen; denn die Art, wie sie als Ich-Erzählerin von ihren Erlebnissen und Gedanken berichtet ist großartig: flott und flapsig, mit Selbstironie und viel Humor. Man könnte auch sagen: Jola hat eine ziemlich große Klappe. Sie sagt, was sie denkt und Denken tut sie bisweilen fantasievoll bis dramatisch übertrieben, alle paar Seiten untermalt und weitergezeichnet durch kleine schwarz-weiß-Zeichnungen: als Jola sich fragt, wie sie wohl auf dieses große Tier überhaupt hinaufkommen soll, sieht man ein dickes Pferdehinterteil, an dem eine Leiter lehnt und wenn die Voltigierstunde ansteht, sieht sie sich schon als eingegipste Mumie im Krankenhaus.

Zusätzlich gibt es eine ganze Menge Reiterwissen – weswegen das Buch sicherlich perfekt ist für Kinder, die ebenfalls mit dem Reiten angefangen haben, und vermutlich jeden Fachbegriff von Sattelgurt bis Steigbügel, von Striegel bis Halfter und Hufkratzer aufsaugen wie ein Schwamm. Und wenn nicht, ist das Buch immer noch perfekt, denn all die Fakten fallen kein bisschen auf als theoretischer Teil, sondern sind gut verpackt in die Storys aus dem Stall, die Jola auf ihre unnachahmlich unterhaltsame Art und Weise zum Besten gibt. Gut verpackt, aber vermutlich immer noch viel zu viel, um dieses Buch einer anderen Zielgruppe als Pferdemädchen anzubieten. Und ob die es mögen, sich mal nicht mit der schönen, netten, patenten, pferdeverständnis-begabten und natürlich reitbegeisterten Protagonistin zu identifizieren, sondern mit einem Mädchen, dass sich eigentlich viel lieber nicht mit weichen Nüstern und wehenden Mähnen befassen würde, das nicht viel übrig hat für den Duft des Pferdefells und das ganz und gar nicht davon träumt, die Bewegungen des großen Tieres unter sich zu spüren, eins zu werden mit ihm und gemeinsam über die Felder zu galoppieren, sondern im Gegenteil, Angst davor hat?

Ausprobieren. Ein Pferdebuch ohne Pferdenärrin als Hauptperson – das ist sicherlich Geschmackssache. Auch wenn Jola am Ende natürlich doch noch eine wird. Irgendwie überlebt sie jede Reitstunde – und auch die Dynamik zwischen alten und neuen Reitermädels und in der Gruppe selber – und als sie mitbekommt, dass Tristan, der in ihre Klasse geht und den sie toll findet, „nur so“ natürlich, es toll findet, dass sie reitet, strengt sie sich sogar ein bisschen an. Und entscheidet sich weiter zu machen und meldet sich für den Ausritt in den Weihnachtsferien an. Was sie prompt bereut, denn „Ausreiten ist wirklich das Bekloppteste, was man ein einem verschneiten, eiskalten Dezembertag tun kann.“
Davon handelt dann Band 2 Also echt, Jola! der am 14. September 2016 erschienen ist.

Fazit:

Jola fängt mit dem Reiten an, weil ihre Freundin es macht. Eigentlich hat sie gar keine Lust, viel zu anstrengend und Schiss vor den Viechern hat sie sowieso. Jede Woche versucht sie sich mit einer neuen Ausrede drumherum zu mogeln, aber ihre Eltern bestehen drauf, dass sie endlich mal eine Sache durchhält. Wovon Jola sehr lustig zu erzählen weiß, mit viel Selbstironie und Selbstreflexion – und mit viel theoretischem Reiterwissen nebenher. Ein Pferdebuch ohne Pferdenärrin als Hauptperson – mal was anderes, auch wenn Jola am Ende natürlich doch irgendwie eine wird.

Sigrid Tinz, Oktober 2016

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