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Buchcover: Heinz Janisch: Wir sind alle nett - von A bis Z

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Wir sind alle nett - von A bis Z von Heinz Janisch

erschienen bei Jungbrunnen

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

26 Buchstaben hat das Alphabet, 26 Kinder treten auf in diesem Buch, für jeden Buchstaben gibt es einen Namen. Und die Kinder sind alle ganz gut beschäftigt; mit allem, was Kinder so machen, die nicht nur nett sind, sondern auch sehr kreativ, lebendig und ein bisschen frech.

ABC-Bücher für Kinder sind quasi ein eigenes Genre: circa 900 Treffer aktuell beim Onlinehändler, vom Malbuch mit Buchstabenstempeln bis zur Kunst, vom didaktisch durchkonzipiertem Erstlesebuch bis zur antiquarischen Ausgabe eines Faksimile des vor mehr als 300 Jahren erschienenen „Orbis sensualium pictus“ von Kinderbucherfinder Comenius. Mit dessen „Thierbildern“ zur unterhaltsamen Belehrung und Aufklärung fing es an: ein Buchstabe, ein Tier, ein Spruch. Weitere und weitere folgten, von Wilhelm Busch bis James Krüss und Paul Maar.

Heutzutage lernen die Kinder allerdings didaktisch oft ganz anders lesen und schreiben. Die ABC-Bücher sind als Lehrbuch nicht mehr nötig, werden freier, künstlerischer. Das uralte Ordnungssystem ist statt starrem Korsett – in dem man dann als Autor auch immer was für die schwierigen Buchstaben X, Y, Q und J finden muss – nur noch Geländer.

„Wir sind alle nett – von A bis Z“ nimmt Kindernamen als Sortierung. Den Anfang machen „Anton und Bill; sie sind heute seltsam still“ so geht es los. Und so geht es weiter: auf jeder Doppelseite werden zwei Buchstaben vorgestellt, in einem kurzen, gereimten Satz. Zusammen mit dem Bild wird aus der Seite eine ganze Geschichte: denn zu sehen ist ein Kita-Klo und mit Spielzeug vollgestopfte – verstopfte – Toilettenschüsseln. Also klar, warum Anton und Bill heute so still sind.

So geht es doppelseitenweise weiter: „Cilli und Dorothee machen Kräutertee“ – auf einem Zeitungsfeuerchen auf dem Teppich. „Kiril und Leander turnen miteinander“ – mit hochrotem Kopf und Haare ziehen; „Quentin und Rolf zeichnen einen Wolf“ – an die Wand, mit dicker schwarzer Farbe, wie im Bild zu sehen ist. Anton, Kiril und Co sind also keine „netten“ Vorzeigekinderchen, sondern ganz normale kleine Biester. Aber so lebensklug und menschenfreundlich, wie sie das versierte Autor-Illustratorin-Duo Janisch und Bansch beschrieben und gestaltet hat, sind es eben – Kinder: liebenswerte So-sind-sie-halt-Racker.

Ein tolles Buch, rundum, viel Quatsch und harmloser Fäkalhumor, wie ihn die Altersgruppe liebt. Was wichtig ist, denn Lesen soll ja Spaß machen, gerade wenn man es lernt und lernen muss.

Allerdings, das sei gesagt: Ein ABC-Buch hat mit dem ABC-Lernen kaum zu tun. Ohne ABC-Kenntnisse versteht man es oft gar nicht. Und generell sollte man sich als Eltern an das didaktische Konzept der jeweiligen Schule halten, egal, was man davon hält, sonst bringt man das Kind nur durcheinander. Für die erste Phase des Selbst-Buchstabierens sind eher schlichte, effizient und gut lesbar layoutete Bücher in Schulbuchdruckschrift besser (zum Erstlese-Special). Wenn die Buchstaben schön bunt sind und über die Seiten tanzen, wie hier, sieht das zwar toll aus, macht aber das Wiederfinden und Wiedererkennen schwierig.

Diese erste Phase ist oft eher kurz und im Rückblick sowieso. Wenn das ABC richtig sitzt, dann macht dieses ABC-Buch noch mal doppelt Spaß. Zum Beispiel, zu suchen, was auf den Bildern noch alles mit den jeweiligen Buchstaben anfangen mag. Neben den Kindern sind nämlich noch jede Menge Tiere auf den Seiten verteilt: das Y-Yak und der J-Jaguar, Zebra, Ziege und Ameisenbär, Wal und Rentier, Rabe, Robbe, Tapir, Hirschkäfer und Gürteltier. Die Tiere sind gedeckter gehalten, wie im Hintergrund. Das ergibt ein schönes, ein bisschen träumerisches Gesamtbild; und gleichzeitig wird so klar, dass die Tiere zu der eigentlichen Kinder-Spiel-Szene nicht dazugehören, auf denen die lieben Kleinen Wände bemalen, sich verkleiden und schminken, Klos verstopfen, sich gegenseitig „was“ zeigen, nämlich was sie in der Unterhose haben; und am Ende auf den Boden pullern – weil das Klo ja noch verstopft ist.

Fazit:

„Wir sind alle nett – von A bis Z“ nimmt Kindernamen als Sortierung fürs ABC, immer zwei pro Doppelseite: zwei Namen, ein Satz, ein kurzer Reim und zusammen mit dem Bild wird aus der Seite eine ganze Geschichte, über das, was die kleinen Racker so alles anstellen, von Anton und Bill bis Yps und Zo. Neben den Namen sind auch immer noch buchstäblich passende Tiere auf den Seiten verteilt und versteckt, es gibt also viel zu entdecken und zu benennen. Ein tolles Buch, rundum. Lehrreich und lustig auf die Art, wie es die Zielgruppe liebt. So macht Lesen, Lesenlernen und Vorlesen Spaß.

Sigrid Tinz

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