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Buchcover: Andrea Hensgen: Als Häschen den Sheriff erschoss

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Als Häschen den Sheriff erschoss von Andrea Hensgen

erschienen bei Jacoby & Stuart

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 9 Jahren]

Häschen ist in argen Schwierigkeiten. Hat es nun den Sheriff erschossen oder nicht? Sollte der schießwütige Kerl aber nicht tot sein, dann werden er und die Menschen sich bitterlich rächen. Und nicht nur an Häschen. Knifflige Situation. Aber Häschens Freunde im Großen Wald werden ihm sicher helfen, hofft das kleine Tier.

Häschen stürmt in die Kneipe im Großen Wald, lässt sich einen Schnaps einschenken und erzählt, dass es den Sheriff, den „Dreckskerl“, vor dem sich alle Tiere fürchten, in Notwehr erschossen habe. Gewissensbisse nagen an Häschen, aber es konnte einfach nicht anders handeln. Ein Unfall, eine heikle Situation, aus der nur einer entfliehen konnte, entweder der Bösewicht oder Häschen. Die großen Tiere im Wald lassen Häschen hochleben, freuen sich und überlegen, was sie nun mit dem Leichnam des miesen Typen anstellen. Er muss so verschwinden, dass die Menschen ihn nicht finden. Am besten sollte der Sheriff, so die Meinung von Matze Bär, im Steinbruch versteckt werden. Die Tiere können eine Racheaktion der Menschen nicht riskieren, denn niemand weiß, wie die schwachen und starken Tiere den Menschen gleich im Wald wohnen und leben. Häschen kann sich seit der Tat nicht beruhigen. Als es vor seinem Bau Geräusche und Stimmen hört, gräbt es sich immer tiefer ein und landet schließlich bei Roswitha, der Wasserratte. Mütterlich kümmert sich die Ratte um Häschen und bietet ihm sogar an, dass es bei ihr Western sehen kann. Aber Häschen hat von Schießereien erstmal genug. Häschen ist ein sehr selbständiger Junge. Sein Freund ist Conny Carnickel und er lebt allein. Trotz aller Angst kann er aber nicht ewig bei Roswitha bleiben. Aber die anderen starken Tiere, der Bär, der Wolf, der Fuchs werden es schon verteidigen. Doch Roswitha kommt mit schlechten Nachrichten in den Bau zurück. Die großen Tiere haben den Sheriff nicht gefunden, das kann nur heißen, er lebt noch. Häschen ahnt, dass es nun brenzlig wird. Die Tiere haben beschlossen, um sich nicht der Rache der Menschen aussetzen zu müssen, dass sie in einer Versammlung abstimmen, ob sie Häschen dem Sheriff ausliefern. Häschen ist entsetzt. Noch vor einem Tag war es der Held und nun ist es eine Bedrohung für den Großen Wald und seine Bewohner.

Es plant nach Mallorca zu einem Onkel auszuwandern und Conny Carnickel könnte ja mitkommen. Die Versammlung beginnt und Roswitha lauscht für Häschen. Vater Hopps ist gnadenlos. Nach dem Motto, wir haben ja sowieso viel zu viele Kinder und einer muss geopfert werden, stimmt er der Auslieferung zu. Aber das grausame Oberhaupt hat nicht mit seinem einfühlsamen Nachwuchs gerechnet. Nettchen, Pittchen und Severin stellen sich an Häschens Seite. Auch wenn die Kinder die Erwachsenen beschämen, die großen Tiere sind ebenfalls für eine Auslieferung. Matze Bär schlägt vor, dass alle gemeinsam gegen die Feinde kämpfen. Dächsin Hedwig Eckstein spricht aus, was die anderen nicht wagen zu sagen: Matze Bär soll allein mit seinen Bärenkräften den Ansturm abwehren. Der Bär akzeptiert dies und die anderen sich froh, dass sie sich nicht die Hände schmutzig machen müssen. Schöne Gemeinschaft!

Aber Matze ist nicht allein. Zum einen ist da sein kluger, lebenserfahrener Vater Matthias und die jungen Tiere, die Häschen und dem Bären helfen werden. „Pfote in Pfote“ überwinden die Häschen mit Conny Carnickel ihre Angst im dunklen Wald und graben mit Matze eine Falle für den Sheriff. Die Feigheit der anderen Tiere lassen die Mutigen hinter sich und stellen sich der Gefahr.
Aber nicht nur die 22 Häschengeschwister sind dabei, sondern auch die Wildschweinkinder und die Fuchskinder. Eines Tages jedoch erhält Häschen in seinem geheimen Versteck bei Roswitha einen anonymen Brief. Häschen soll endlich dem Sheriff vor die Flinte laufen. Dann ist Ruhe im Wald. Wer hat ihn aufgespürt und wie soll sich Häschen verhalten?

Die schwachen Tiere heben weiterhin Fallen aus und überlegen sich, was sie mit dem Sheriff anstellen, sollten sie ihn fangen. Häschen kennt jetzt keine Skrupel mehr, der Sheriff muss sterben. Aber die Fuchskinder sind dagegen. Sie sollten ihn in die Stadt bringen. Viel zu gefährlich. Die Menschen dürfen nicht wissen, dass die Tiere genauso leben wie sie. Doch dann hat Jan van Fuchs Häschen aufgespürt. Wird er Häschen erwischen und was unternimmt Matze Bär? Ist der Sheriff noch am Leben oder ist er vielleicht doch tot?

Wie können die kleinen Tiere mit den anderen feigen Tieren, nach allem was geschehen ist, unter einem Dach noch zusammenleben?
Das Ende ist in gewisser Weise für die Elterntiere im Wald ziemlich hart. Aber Strafe muss sein.

Andrea Hensgens Kinderbuch erreicht mit dem Titel „Als Häschen den Sheriff erschoss“ auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Und erst das Cover – ein kleiner Hase steht mit dem Rücken zur Wand und die grimmigen Tiere lauern.
Gewalt, Mord, Verrat und viele moralische Fragen ziehen sich durch diese leichthändig geschriebene Kindergeschichte, ohne wirklich jemandem ein schweres Leid anzutun. Alle Probleme verfrachtet die Autorin verfremdet in den Tierbereich, die Menschen lässt sie außen vor und doch erzählt sie von ihnen.

Ist es ethisch vertretbar einen Hasen aus der Gemeinschaft zu opfern, damit alle anderen verschont bleiben? Wer trägt die Verantwortung, wer die Schuld? Vater Hopps hat da keine Zweifel. Als grausam empfindet jeder Leser diese Haltung und die Fronten sind schnell abgesteckt zwischen den Tieren, die sich mit dem Häschen solidarisieren und denen, die nur an sich denken. Weit zieht die Autorin den Spannungsbogen, denn fast bis zum Ende wird nicht klar, ob der Sheriff nun zurückkehrt oder nicht. Beruhigend wirken die beiden Bären, die wie ein Fels in der Brandung, die schwachen Tiere stützen und zugleich ihre Hilfe benötigen.
Die Lektüre regt an, über viele Gewissensfragen nachzudenken und zu überlegen, wie würde ich mich in dieser komplizierten Situation entscheiden und verhalten. Andrea Hensgen appelliert an den Gerechtigkeitssinn der Kinder und das Bedürfnis, Schwächere zu schützen.

In einer Gesellschaft, in der jeder für sich allein kämpft und Egoismus und Vorteilnahme, von Eltern nicht selten unterstützt, als kritisch betrachtet wird, hat dieses Kinderbuch auf jeden Fall seine Berechtigung.

Durch Tagebucheinträge, viele Verwicklungen, zahlreiche Tiere und dazugehörige Namen verheddert sich die Geschichte nach einem wirklich spannenden Einstieg. Hier besteht die Gefahr, dass der junge Leser aussteigen könnte und gar nicht mehr geduldig ausharren mag, um zu erfahren, was nun mit dem Bösewicht geschehen ist.
Ein wahres Happy End findet nicht statt, denn die feigen Tiere werden gestraft und nicht zu knapp.

Fazit:

Andreas Hensgen wirft eine wichtige moralische Frage in unserer Gesellschaft auf und spinnt drumherum eine aufregende Handlung. Diese Geschichte fordert geradezu zum Gespräch auf. Auch wenn sie stilistisch nicht durchgängig überzeugt, lesenswert ist sie allemal.

Karin Hahn

 

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