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Buchcover: Wolfgang Hohlbein: Drachenbrüder - Der Schwur des Dschingis Khan

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Drachenbrüder - Der Schwur des Dschingis Khan von Wolfgang Hohlbein

erschienen bei Ueberreuter

geeignet für Kinder im Alter ab 11 Jahren

in mein Bücherregal

Dschingis Khan, den kennt man. Berühmter Mongolenfürst, klug, mächtig, legendär. Zwischen die historischen Fakten spannt das Buch die Geschichte des Jungen Temucins, der er als Kind war: nachdenklich, unsportlich und klein, mit großer Angst vor Hunden. Aber immer an seiner Seite, wenn auch nur in Gedanken: der weise Drache Sarantuya. Und so geht Temucin seinen Weg, durch Klankämpfe, Schicksalsschläge und Intrigen, reift vom gehänselten Jungen zum berühmten Khan.

Dschingis Khan, das ist ein Name wie Alexander, Cäsar, Napoleon – den kennt man eigentlich und weiß, dass es ein ganz Großer war, eine historische Berühmtheit. Ein bestimmter Typ Junge bekommt da schon mal leuchtende Augen. Und wenn dieser Junge dann auch noch gerne liest und mit der normalen überwiegend für 10-jährige Lesemuffel konzipierten Lektüre nicht viel anfangen kann oder zumindest immer viel zu schnell damit durch ist, dürfte Drachenbrüder genau das richtige Buch sein.

Dschingis Khan, geboren um 1155, zu einer Zeit, in der die Klans der mongolischen Steppe in ständige Kämpfe untereinander verwickelt waren, war er der älteste Sohn eines Häuptlings und trug als Junge den Namen Temucin. Als er neun Jahre alt ist, geht sein Vater für ihn auf Brautschau und wählt die Tochter eines befreundeten Stammesführers aus. Temucin zieht für einige Zeit zu seinen zukünftigen Schwiegereltern, wie es damals Brauch war, um seine Verlobte kennenzulernen, die beiden Kinder mögen sich und freunden sich an. Während dieser Zeit wird Temucins Vater ermordet, der Junge kehrt nach Hause zurück – wird dort aber nicht als Nachfolger seines Vaters anerkannt: er gilt als ängstlich, schwach und schüchtern und außerdem noch viel zu jung – es gibt Streit und letztendlich löst sich der ganze Klan auf, er und seine Familie und auch seine Verlobte werden enteignet und vertrieben, sie leben die nächsten Jahre in Armut und ständig auf der Flucht. Denn nach wie vor sehen die anderen Stämme in ihm eine Bedrohung und irgendwann wird er von den Tataren gefangengenommen und versklavt.

Diese historischen bis legendären, aber allgemein bekannten Fakten aus der Kindheit des Dschingis Khan bilden das Gerüst des Buches – und zwischen diesen Fakten hat Wolfgang Hohlbein die nachempfundene Geschichte geschrieben, wie es für den Jungen Temucin gewesen sein könnte, ein ängstlicher, nachdenklicher, ungeschickter und unsportlicher Kronprinz zu sein, und das in einer Welt, in der nur das Gesetz des Stärkeren herrscht und die Rolle als Nerd für Menschen wie ihn noch nicht zu Verfügung stand – sondern nur die Rolle des Schwächlings. Und wie er seinen Weg geht.

Das Besondere an diesem historischen Roman ist, dass er einen Funken Fantasy hat und zwar einen wunderschönen: die goldgeschuppte, glänzende Drachendame Sarantuya, die sich Temucin zu ihrem Schützling erkoren hat und ihn in seinen Träumen und Gedanken und manchmal auch in echt besucht. Die ihm zuhört, mit ihm diskutiert und ihm Ratschläge gibt, wie er sich auf seine Weise Respekt und Vertrauen verschaffen kann, ohne grausam und brutal Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern weise, menschenfreundlich und vernünftig.

Illustrationen gibt es keine, auch genaue Personen- oder Landschaftsbeschreibungen oder epische Kampfszenen fehlen, jeder Leser kann sich in seiner Fantasie also die Landschaft, Temucin, seine Freunde, Eltern, das Dorf, seine Braut und auch Sarantuya, den Drachen so ausmalen wie er möchte. Oder muss, das ist Ansichtssache. Ohnehin ist Drachenbrüder ein Buch, dass seinen Lesern viel zutraut – aber auch viel anbietet: Es sind schwere Zeiten und dementsprechend ist das Buch nicht lustig, keine Situationskomik, keine scherzhaften Neckereien oder albernen Dialoge, kein Slapstick. Die Schrift ist klein, die Seiten voll, viel Text auf vielen Seiten, der die Möglichkeiten des Satzbaus und der Grammatik ausschöpft und auch den Wortschatz, von schlaftrunken bis silberhell, von sputen bis schänden. Wobei nicht wirklich viel geschändet wird im Buch. Es wird ein, zwei Mal erwähnt, wer darüber noch nichts weiß, wird auch nicht hellhörig und auch um Liebe und Romantik geht es nur sehr am Rande; auch die Kampfszenen sind eher schematisch und vor allem nicht blutrünstig beschrieben. Damit eignet sich das Buch inhaltlich auch für eher junge Kinder. Für ältere natürlich sowieso.

Temucin kann irgendwann fliehen, findet seine Verlobte wieder und gründet einen eigenen Klan: nur bestehend aus ihm, seiner Frau, deren Kind, seiner Mutter und seinem Blutsbruder. Hier endet das Buch – und in der Historie begann damit sein Aufstieg, die eigentliche Geschichte von Dschinigs Khan. Der durch geschickte Diplomatie die mongolischen Stämme der heutigen zentralen und nördlichen Mongolei einte Großkhan wurde und weite Gebiete eroberte, vom Osten bis an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer. Um dieses Reich zu verwalten, ließ er eine eigene Schrift entwickeln und setzte schriftliche und für alle verbindliche Gesetze durch – und ging in die Geschichte ein er als der stärkste und berühmteste Mongolenfürst aller Zeiten.

Fazit:

Drachenbrüder ist ein ernsthaftes Buch, mit kleiner Schrift und großem Wortschatz, mit viel Action, historischem Hintergrund plus das Quäntchen Fantasy, das der weise Gedankendrache Sarantuya hineinbringt, mit Männerfreundschaften und einem ganz kleinen bisschen Liebe – perfekt für Jungen im Grundschulalter, die gerne, gut und viel lesen und – ganz wie Dschingis Khan als Kind – auch eher nachdenklich sind.

Sigrid Tinz, März 2016

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