Interview mit Andrea Reitmeyer

Für die Kinderbuch-Couch: Stefanie Eckmann-Schmechta

Andrea Reitmeyer Foto-Copyright Andrea Reitmeyer
Foto-Copyright: Andrea Reitmeyer

Andrea Reitmeyer, 1979 in Ostfriesland geboren, studierte an der Fachhochschule Mainz Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration. Heute ist sie als freie Illustratorin und Autorin tätig. Ihr Bilderbuch „Emily und das Meer“ wurde Kinderbuch des Monats [03.2012] und mit dem Kinderbuch-Couch-Star* ausgezeichnet. In dem nachfolgenden Interview erzählt die vielseitige Illustratorin und Autorin von ihren Projekten und von ihrer Verbundenheit mit ihrer Heimat und dem Meer, das sie immer wieder zu neuen Ideen inspiriert.

Wenn mich jemand fragen würde, wo ich den Rest meines Lebens verbringen möchte, würde ich sagen, in einem einsamen Strandhaus direkt am Meer …Andrea Reitmeyer

Kinderbuch-Couch: Ihr erstes Bilderbuch, das Sie selbst geschrieben und illustriert haben, entstand aus dem Prototyp zu „Emily und das Meer“, das Sie als Diplomarbeit an der Fachhochschule Mainz eingereicht hatten. Wie kam Ihnen die Idee zu dieser Geschichte?

Andrea Reitmeyer: Ich wohne jetzt bereits seit 11 Jahren im Rhein-Main Gebiet und habe seitdem immer auch ein bisschen Heimweh nach Ostfriesland und vor allem der Nordsee. Plötzlich war es nicht mehr möglich, sich ins Auto zu setzen und in kurzer Zeit an den Strand zu fahren. Ich wusste: Das Thema für meine Diplomarbeit muss mich wirklich begeistern, denn ich werde viel Zeit damit verbringen. Und was vermisse ich in Mainz am meisten? Das ist meine Heimat und das Meer. Ich dachte, wenn ich schon nicht mehr dort sein kann, dann schreib ich wenigstens darüber! Und tatsächlich, ich habe ca. ein Jahr an meinem Buch gearbeitet, langweilig ist es nie geworden.

Kinderbuch-Couch: Wie ist Ihre illustratorische Umsetzung an der Fachhochschule angekommen? (Sie haben ja das Diplom erlangt ;-)) Sahen die Illustrationen bei dem Prototypen schon so aus, wie wir sie aus dem Buch kennen?

Andrea Reitmeyer: Nein, das war ein langer Schaffensprozess. Sogar die Geschichte sah vorher ganz anders aus. Ich habe viel mit Collagen experimentiert, habe parallel am Computer und manuell gearbeitet. Meine Professorin Sylvie Pagé war mir besonders im Geschichtsfindungsprozess eine große Hilfe.
Das Buch war dann im Kolloquium ein voller Erfolg. Die Professorinnen gaben mir außerdem nützliche Tipps, die ich anschließend umsetzen konnte. Sie waren davon überzeugt, dass ich einen Verleger finden würde, was ja dann auch geklappt hat ;).

Kinderbuch-Couch: War Ihnen bereits am Anfang des Studiums klar, dass Sie Kinderbücher illustrieren möchten?

Andrea Reitmeyer: Ja, das war mir ziemlich schnell klar. Ich habe mich für das Studium entschieden, weil ich kreativ arbeiten wollte und das Zeichnen schon immer zu meinen Stärken gehörte. Im Grundstudium belegt ich dann Zeichenkurse und erst im Hauptstudium war es möglich, sich gezielt für Illustrationskurse einschreiben.
Wir hatten sehr gute Illustrationsprofessoren an der Fachhochschule Mainz, ich studierte z.B. bei Albrecht Rissler oder Felix Scheinberger. Die waren gerade im Umgang mit Kinderbüchern sehr gut geschult und stellten den ersten Kontakt zu Verlegen her. Die Fachhochschule hat im Kinderbuchsektor einen sehr guten Ruf, tolle lllustratoren wie Phillip Wächter sind in Mainz ausgebildet worden.

Emily und das Meer
Foto-Copyright: Jumbo Verlag, Andrea Reitmeyer

Kinderbuch-Couch: Waren Sie mit dieser ersten Idee zu „Emily und das Meer“ selbst auch zuversichtlich, dass Sie einen Verlag für das Buch finden würden? Wie lange hat die Suche nach dem richtigen Verlag gedauert?

Andrea Reitmeyer: Natürlich hofft man immer, einen Verlag für seine Projekte zu finden, aber da es heute so eine Vielzahl an tollen Arbeiten und Illustratoren gibt, habe ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell klappen würde. Ich hatte mich dazu entschlossen, zur Frankfurter Buchmesse zu gehen, da ich glaubte, dass der direkte Kontakt sicher viel versprechender sein würde als meine Arbeit nur an Interessenten zu verschicken.
Manche Verlage bieten auf der Messe Termine an, zu denen man sich vorstellen kann, manche habe ich einfach ohne Anmeldung angesprochen.
So war es übrigens auch beim JUMBO Verlag: Ich wollte eigentlich schon gehen, sah dann aber Gabriele Swiderski vor ihrem Stand. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es sich um die Geschäftsführerin handelte und sprach sie einfach an. Sie schien zuerst nicht besonders interessiert, doch das änderte sich zum Glück, als sie mein Buch durchschaute. Am nächsten Tag rief mich Ulrich Maske, der Art Director und kreative Kopf vom JUMBO Verlag an und lud mich nach Hamburg ein. Manchmal muss man einfach Glück haben und zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Menschen treffen.
Mit meiner Emily hatte ich erstaunlicherweise viel Erfolg, es gab mehrere Verlage, die das Buch haben wollten, so konnte ich mir das vielversprechendste Angebot raussuchen und beim JUMBO Verlag bin ich auch sehr glücklich!

Kinderbuch-Couch: Wie wurde dann aus dem Prototypen schließlich das Buch, das wir alle kennen?

Andrea Reitmeyer: Natürlich hat es eine Weile gedauert, bis das Buch auf dem Markt war. Zuerst mussten die Rahmenrichtlinien stimmen. Mein Prototyp war bilingual, in Hochdeutsch und ostfriesischem Platt verfasst. JUMBO konnte sich für diese Version begeistern und bot an, zwei Versionen zu drucken, eine rein hochdeutsche und eine bilinguale Version. Dirk Römmer verfasste das bis dato ostfriesische Platt in eine allgemeine Form, die ebenso in Schleswig Holstein oder Mecklenburg Vorpommern anerkannt ist.
Es gab außerdem noch einige Seiten, die mir selbst nicht mehr so gut gefielen, die tauschte ich aus, und JUMBO hatte ebenfalls einige Änderungswünsche. Der Prototyp hieß übrigens „Wo ist das Meer?“. So ein Titel existierte allerdings schon auf dem Buchmarkt, auch solche Dinge müssen beachtet werden, sobald ein Buch verlegt wird.

Ich liebe es, mit Gegensätzen zu spielen… Andrea Reitmeyer

Kinderbuch-Couch: 2011 erschien „Marc und die Zebramuschel“ von der Autorin Tatjana Fuhr, das Sie ebenfalls illustriert haben. Der Illustrationsstil unterscheidet sich doch sehr von dem, den wir aus „Emily und das Meer“ kennen gelernt haben. Hier sind es wenige Farben mit Strichzeichnungen, sie wirken eher skizzenhaft und sind aber dennoch atmosphärisch. Wie kam es dazu und ist es Ihnen wichtig, in unterschiedlichen Bildsprachen zu illustrieren?

Andrea Reitmeyer: Marc und die Zebramuschel ist nach „Emily und das Meer“ entstanden, der Verleger zeigte mir vorab einige Bücher und Zeichnungen, welche ihm gefielen und daran orientierte ich mich. Die Bildsprache ist nicht zu vergleichen mit Emily, wie Sie schon sagten, habe ich dort schneller, skizzenhaft illustriert. Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, einen komplett anderen Stil zu verfolgen, die Bilder sind schneller, manchmal aus dem Zufall heraus entstanden. Gerade nach der langen, intensiven Arbeit zur Emily war das eine willkommene Abwechslung.

Kinderbuch-Couch: Was, würden Sie selbst sagen, zeichnet Ihren Stil aus?

Andrea Reitmeyer: Ich lege großen Wert auf die Komposition und die Farbgebung in meinen Bildern. Bevor ein Bild entsteht, probiere ich sehr lange herum, schiebe Horizont, Protagonisten, Gegenstände eine gefühlte Ewigkeit hin und her. Am nächsten Tag kann das Spielchen von vorne losgehen, bis ich vollkommen zufrieden bin. Ich liebe es, mit Gegensätzen zu spielen: groß/klein. Fern/nah, hell/dunkel und mag Herausforderungen, z.B. in Form eines schwierigen Formates.
Auch die Farben spielen in meinen Büchern eine große Rolle. Ich mag nicht so gern Kinderbücher, die Hauptsache quitschbunt und „laut“ sind, sondern mache mir viele Gedanken, welche Farbe welche Aussage trifft. Ich möchte meine Bilder nicht mit Objekten überladen, schaffe aber dennoch Raum für Entdeckungen.

Kinderbuch-Couch: Für eine/n Illustrator/in stellt sich irgendwann die Frage nach dem Wiedererkennungseffekt seiner/ihrer Illustrationen. Spielt das für Sie auch eine Rolle?

Andrea Reitmeyer: Ich glaube, das vernachlässige ich momentan noch ein bisschen. Wie Sie ja erkannt haben, ist Marc und die Zebramuschel überhaupt nicht mit Emily zu vergleichen. Für mich liegt der Reiz in einer Illustration gerade darin, verschiedenste Techniken und Illustrationsformen entdecken zu können. Ich mische für ein neues Projekt die Karten gerne jedes Mal neu und schaue, was passiert.
Ich kann allerdings auch verstehen, dass meine Leser zum Beispiel den „Emily“-Stil besonders schätzen und hoffen, ähnliche Projekte in Zukunft wiederzufinden. Darum wird es bestimmt auch weiterhin Projekte in dem Stil geben ;)
Trotzdem möchte ich mir in jedem Fall die Freiheit für „verrückte“ Projekte lassen.

Kinderbuch-Couch: In dem Buch von Tatjana Fuhr „Marc und die Zebramuschel“ dreht es sich wieder – wenn auch etwas entfernter – um das Meer und seine Bewohner. Ebenso bei dem kleinen Einsiedlerkrebs (der noch auf eine Veröffentlichung wartet?) der sich natürlich im Meer bewegt und eine Muschel sucht, in der er wohnen kann. Wie eng fühlen Sie sich persönlich mit der (Nord-)See verbunden?

Andre Reitmeyer
Andrea Reitmeyer (ganz rechts) Foto-Copyright: Andrea Reitmeyer

Andrea Reitmeyer: Wenn mich jemand fragen würde, wo ich den Rest meines Lebens verbringen möchte, würde ich sagen, in einem einsamen Strandhaus direkt am Meer. Da würde ich dann den ganzen Tag Geschichten darüber schreiben und malen. Ich weiß nicht, ob es daran gelegen hat dass ich einen großen Teil meiner Kindheit an der ostfriesischen Küste verbracht habe, aber es zieht mich einfach immer wieder dorthin.
Die Idee zur Geschichte vom Einsiedlerkrebs ist mir auf den Malediven gekommen. Dort rennen eine Unzahl an kleinen Krebsen herum, die sich begutachten, neue Muscheln als Häuser suchen, immer unterwegs sind. Ich habe die Krebse Tag für Tag beobachtet und sie sind mir irgendwie ans Herz gewachsen. Als ich wieder zu Hause war, verarbeitete ich meine Erlebnisse in dieser Geschichte, sie wurde zu einer Projektarbeit in einem Illustrationskurs. Ehrlich gesagt habe ich bisher noch nicht so richtig nach einem Verleger gesucht, aber vielleicht werde ich das in Zukunft einmal in Angriff nehmen ;)

Kinderbuch-Couch: Wie war Ihre Kindheit in Wiesmoor?

Andrea Reitmeyer: Ich würde sagen, sehr idyllisch. Auf dem Land groß zu werden, ist sicher für Kinder etwas ganz wunderbares. Ich bin in einem kleinen Haus zusammen mit zwei Geschwistern groß geworden, das schönste war unser riesiges Grundstück, hinter dem ein Hochmoor mit kleinem Wald zu jeder Menge Abenteuer lockte.
Meine Eltern hatten eine kleine Gärtnerei, daher bin ich auch besonders gut geschult im Unkraut jäten oder Pflänzchen pikieren. Aber meiner und auch der Lebenstraum meiner Geschwister war ein anderer, darum betreiben meine Eltern die Gärtnerei heute nur noch im kleinen Rahmen.
Richtig viel Geld hatten wir nicht, aber meine Eltern haben immer versucht, uns trotzdem etwas zu bieten. So haben wir jedes Jahr einen Urlaub verbracht, und sie wussten: Wir wollten am liebsten ans Meer! Glücklicherweise war der Weg nicht so weit :-).

Kinderbuch-Couch: Sie leben heute in Mainz – wie sehr vermissen Sie die See und die Weite?

Andrea Reitmeyer: Sehr! Glücklicherweise habe ich schon vor zehn Jahren einen Job bei der Lufthansa erhalten: Als Stewardess! Dort arbeite ich seitdem in Teilzeit und konnte mir damit z.B. mein Studium finanzieren. Und ein willkommener Nebeneffekt: Ich fliege immer mal wieder an die schönsten Küsten: Los Angeles, Tokio, Singapur …Aber die Sehnsucht nach dem Wattenmeer und der Nordsee können auch diese schönen Reisen nicht lindern ;)

Emily und das Meer
Foto-Copyright: Jumbo Verlag, Andrea Reitmeyer

Kinderbuch-Couch: Was sagt Ihr Sohn Kilian, dem Sie das Buch „Emily und das Meer“ gewidmet haben zur den Entdeckungen des tapferen Rotschopfes? Hat er eine Lieblingsstelle?

Die Lesung [...] hat mir gezeigt, dass auch im „Facebookzeitalter“ Kinderbücher hoch im Kurs stehen und Kinder sehr wohl dazu in der Lage sind, sich von Bildern und Texten verzaubern zu lassen, die nicht über einen Fernseher oder Computer flimmern… Andrea Reitmeyer

Andrea Reitmeyer: Mein Sohn Kilian liebte das Buch vom ersten Moment an. Ich war sehr verblüfft, wie viel er mit seinen zwei Jahren schon verstanden hatte. Jeder Schornstein in Mainz ist für ihn plötzlich ein Leuchtturm und er ist immer ganz besorgt, wenn Emily sich aufmacht, um das Meer zu suchen, weil er weiß, dass es bald zurückkommt. Im nächsten Sommer werden wir eine kleine Wattwanderung machen, dann zeig ich ihm die Wattwürmer und die Möwen. Die möchte er nämlich unbedingt so nass spritzen, wie Emily das im Buch macht.

Kinderbuch-Couch: Wie kam es zu Ihrem Nordsee-Projekt, bei dem Sie sehr schöne, ausdrucksstarke schwarz-weiß Fotografien aufgenommen haben?

Andrea Reitmeyer: Auch diese Bilder sind während des Studiums in einem Fotokurs entstanden. Ich bin an einem dunklen Novembertag nach Norderney gefahren. Tage vorher gab es eine Sturmflut, welche ungewöhnliche Strukturen in den Dünen und einen Strand vergleichbar mit einer Mondlandschaft gezaubert hatte. Der Tag war wundervoll, ich verbrachte ihn nur in Gesellschaft von Möwen am Ende der Insel, es war so kalt, dass sich kaum ein Mensch draußen blicken ließ.
Gerade diese ungewöhnlichen Momente machen für mich das Meer so besonders. Es hat so viele Gesichter, ich habe bestimmt noch nicht alle entdeckt …

Kinderbuch-Couch: Helfen Ihnen diese Impressionen auch bei Ihren Illustrationen? Etwa als Orientierung oder als Inspiration?

Andrea Reitmeyer: Absolut! Um ein Bild zu erzeugen, in das man sich hineinversetzen können soll, hilft es am besten, diesen Ort zu besuchen! Für Marc und die Zebramuschel bin ich auch nach Paris gereist, da die Geschichte dort spielt. Während den Spaziergängen durch die Landschaften fallen mir meist die besten Ideen ein.

Kinderbuch-Couch: Der Jumbo Verlag hat „Emily und das Meer“ nicht nur als hochdeutsche-, sondern auch die plattdeutsche Variante verlegt. Wie Sie bereits erwähnten, war schon der Prototyp bilingual, aber wie kam es zu der Idee, das Buch auch auf Plattdeutsch zu erzählen?

Andrea Reitmeyer: Meine Großeltern und meine Eltern sprachen nur Plattdeutsch miteinander. Nur mit uns, da sprachen sie hochdeutsch! Irgendwie war es in dieser Generation nicht mehr angesagt, die Heimatsprache zu verwenden. Daher verstehe ich jedes Wort, spreche es aber nur schlecht. Und das finde ich unheimlich schade. Denn das Plattdeutsche gehört zu meiner Heimat wie der Ostfriesentee zum Nachmittag. Ich wollte die Sprache für die Kinder wieder präsenter machen, ihnen zeigen, wie viel Spaß sie macht, und wie besonders es ist, so eine zweite heimatverbundene spannende Sprache sprechen zu können.

Kinderbuch-Couch: Wie groß ist der Zuspruch für das plattdeutsche Exemplar?

Andrea Reitmeyer: Der Zuspruch ist wie erwartet in meiner Heimat und in den Küstenregionen groß. Für viele ist das Buch gerade deshalb etwas ganz besonderes. Mich macht es glücklich, dass meine Heimatschule in Wiesmoor das Buch in Zukunft als Teil des bilingualen Unterrichts nutzen möchte. Denn diese Schule bewegt sich gegen den Trend: den Kindern wird ganz gezielt das Plattdeutsche wieder nähergebracht.

Kinderbuch-Couch: Sprechen Sie selbst auch noch Plattdeutsch?

Andrea Reitmeyer: Ich verstehe jedes Wort, aber richtig sprechen gelernt habe ich leider nicht. Daher kommt mein Plattdeutsch sehr holprig daher. Für mich ist die Sprache der Inbegriff eines Heimatgefühls, das mich immer überkommt, sobald ich in Ostfriesland/Wiesmoor eintreffe und meine Eltern bei einer Tasse Tee auf „Platt“ über den Tag plaudern. Dann weiß ich: Jetzt bin ich wieder zu Haus!
Ich habe den Eindruck, dass sich mein Leben in Ostfriesland entschleunigt. Dort nehme ich mir bewusst Zeit für Dinge, für die in der Stadt kaum noch Zeit sind. Wie z.B. lange Spaziergänge im Wald oder am Meer. Ostfriesland ist für mich ein Platz der Ruhefindung, weit weg vom stressigen Berufsleben in meiner neuen Heimat Mainz.

Kinderbuch-Couch: Sie hatten am 13. April eine Lesung in der Grundschule Ihres Heimatortes Wiesmoor. Was sind für Sie besondere Erlebnisse im Zusammenhang mit Kindern und Ihrer Geschichte?

Marc und die Zebramuschel
Foto-Copyright: Très Rochas Buchverlag

Andrea Reitmeyer: Die Buchhändlerin Susanne Köster-Schoon hat mich gemeinsam mit der Grundschule eingeladen und ich durfte meine Geschichte 180 Kindern der 3. und 4. Klassen vorlesen. Da überkommt einem schon ein mulmiges Gefühl. Kinder geben unmittelbar ein ehrliches Feedback. Du weißt recht schnell, ob Ihnen dein Buch gefällt. Und wenn der Funke überspringt, ist es einfach toll! Zu sehen, wie sie auf die Bilder reagieren, bei welchen Textstellen sie lachen müssen ist so viel mehr wert als bloße Recherche! Die Lesung in Wiesmoor hat mir außerdem gezeigt, dass auch im „Facebookzeitalter“ Kinderbücher hoch im Kurs stehen und Kinder sehr wohl dazu in der Lage sind, sich von Bildern und Texten verzaubern zu lassen, die nicht über einen Fernseher oder Computer flimmern. Ich habe große Lust auf weitere Lesungen bekommen, die wir im Sommer planen.

Kinderbuch-Couch: Wie arbeiten Sie? Sind Sie zu Hause oder in einem Atelier außerhalb? Benötigen Sie eine bestimmte Atmosphäre und/oder eine bestimmte Tageszeit zum Arbeiten?

Andrea Reitmeyer: Ich arbeite von zu Hause aus. Da ich auch noch Mutter bin, ist es am praktischsten, möglichst viel Zeit dort zu verbringen, wo die Familie ist. So bin ich flexibel, kann auch abends oder nachts arbeiten, falls es nötig ist. Leider ist mein Zeitplan zu Hause daher auch sehr festgelegt, aber es ist Teil des Jobs, auf „Knopfdruck“ kreativ sein zu können. Trotzdem versuche ich, mir die festgelegte Arbeitszeit möglichst angenehm zu gestalten, mit guter Musik, Ruhe und ner Menge Kaffee.

Kinderbuch-Couch: Ist bereits ein neues Buchprojekt in Sicht, an dem Sie arbeiten und mögen Sie uns bereits etwas darüber verraten?

Andrea Reitmeyer: Ja, es gibt schon neue Projekte! Ich darf sicherlich verraten, dass mein nächstes Kinderbuch beim JUMBO Verlag im Herbst 2012 erscheinen wird! Es heißt „Kater Paul und der rote Faden“ und richtet sich besonders an junge Kinder mit ersten Kontakten zur Bücherwelt. Wir stellen eine Katze vor, die einen „roten Faden“ durchs Buch verfolgt, und dabei eine Menge erlebt. Mehr wird noch nicht verraten, aber JUMBO wird sicherlich bald erste Bilder und Texte vorstellen.
Außerdem arbeite ich zurzeit an den Illustrationen zu einem wunderschönen Kinderbuch, welches meine ehemalige Professorin Sylvie Pagé geschrieben hat. Sie hat mich auch zu „Emily und das Meer“ beraten, und die neue Geschichte hat mich sofort begeistert! Die Suche nach einem Verleger wird bald in Angriff genommen ;).

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg für Ihre zukünftigen Projekte.

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