Interview mit Jan Birck

Für die Kinderbuch-Couch: Stefanie Eckmann-Schmechta

Jan Birck

Anlässlich meines Interviews für die Jugendbuch-Couch zu seiner neuen Jugendbuchreihe „Moonsurfer“ habe ich die Gelegenheit natürlich sofort genutzt und habe Jan Birck, dem Erfinder von „Geheimagent Morris“ und Zeichner der „Wilden Fußballkerle“, ein paar Fragen zu seinen aktuellen Kinderbuch-Projekten gestellt.

Das Schreiben und Zeichnen muss mich unterhalten. Locker, unverklemmt, actionreich, phantasievoll, unrealistisch und dennoch real …Jan Birck

Kinderbuch-Couch: Lieber Herr Birck, als erstes muss ich stellvertretend für alle Fans von „Geheimagent Morris“ fragen, ob es eine Fortsetzung geben wird?

Jan Birck: Ich würde sehr gerne eine Fortsetzung umsetzen und habe inzwischen sogar ganze fünf weitere Plots in der Schublade. Oder einen zweiten Teil von „Gefrühstückt wird später“. Wegen der Aktualität. Titel: „Morris und des Müller`s Brot“. Ach nein, das backt ja der Bäcker. Wie auch immer, „Schublade“ ist genau das Stichwort, das Morris doch ein wenig zum Sorgenkind macht. Der Begriff Schublade nämlich lässt mich darüber grübeln, ob es den sehr hohen Aufwand weiterhin wert ist, der ja immer auch ein wirtschaftliches Risiko ist:
Geheimagent Morris ist im Handel schwierig zu platzieren, zumindest in den großen Ketten. Und das trotz der Begeisterung bei so vielen, die ihn in die Hände bekommen – und trotz seines Troisdorfer Jugendbuchpreises. Vielleicht liegt es an der dortigen Neigung zur „Schublade“: Ist das Buch nun ein Bilder -, bzw. Vorlesebuch (im dazugehörenden großen Format), oder gehört Morris nun aufgrund Anspruch und Textmenge in die sogenannte Erstleseschublade (kleineres Format)? Ein zum „Erstleser“ verurteiltes Buch passt aufgrund seines angeblichen „Vorleser-Formates“ der Größe wegen nicht ins Regal mit den Erstlesern. Also gibt es kein klares Plätzchen für Morris, und so bleibt er offensichtlich einfach ein Buch für die Bestellung aus dem Lager. Gäbe es übergreifende Schubladen (Abteilungen, Ecken, Regale) wie beispielsweise „Krimitipps für jedes Alter“, oder „Büchertipps für Regentage von 0 bis 99“, oder, oder …aber vielleicht kommt das ja alles mal. Immerhin muss der stationäre Handel sich ja irgendwann Modelle einfallen lassen, die attraktiv genug sind, um in Zeiten des zunehmenden Internethandels zu bestehen. Ja und dann: mach ich für das Regal „Vorlesebücher, bei denen nicht mal der Papa einschläft“ fünf weitere Bände in nur zwei Jahren!

Kinderbuch-Couch: Ihre Karriere als Zeichner haben Sie als Trickfilmkünstler und Art Director begonnen. Wie waren Ihre Anfänge bis Sie ganz als Illustrator von Kinder-/Jugendbüchern gearbeitet haben?

Jan Birck: Ich begann mit ersten Illustrationen für den Kinderbuchmarkt noch während ich bei einer Filmproduktion arbeitete. Das war ein Lernspielprojekt bei Tessloff, wo ich Ulrike Metzger als Lektorin kennenlernte. Ich muss das deshalb erwähnen, weil wir uns beide seitdem sozusagen nicht mehr aus den Augen verloren hatten und sie mich dann auch viel später zum Ravensburger Verlag holte. Genauer gesagt: zurückholte. Zurück deshalb, weil ich dort zuvor bei einer inzwischen lange vergangenen Geschäftsleitung in Ungnade gefallen war, vielleicht aufgrund meiner Neigung klare Positionen zu beziehen – was Ulrike Metzger und ich ganz in Ordnung aneinander finden. Inzwischen sind also Ravensbuger und ich wieder dicke Freunde und Ulrike Metzger bekanntermaßen Teil der Geschäftsleitung. Aber, stopp, ich fange schon wieder an zu erzählen. Und alles kann man hier ja nicht erwähnen, das wär zum Beispiel Bodo Horn-Rumold und dem Baumhaus-Verlag gegenüber dann nicht fair, mit dessen abenteuerlichen Verlegerleben mein Werdegang ja ebenfalls eng verbunden ist. Also spätestens seit ich ihm im Jahr 2001 auf der Frankfurter Buchmesse ein Fußballbuch-Projekt mit schwarzen Covern vorstellte …

Kinderbuch-Couch: Ein unverkennbares Markenzeichen – sowohl in erzählerischer als auch in illustratorischer Hinsicht – ist Ihr filmischer Erzählstil. Würden Sie gerne mal wieder einen Animationsfilm machen?

Jan Birck: Ich arbeite sogar gerade an einem eigenen Projekt, das zunächst Drehbuchförderung erhalten hat und dann auch Projektförderung. Doch eigentlich war das gar nicht meine Initiative. Auch das wäre also wiederum eine längere Geschichte, die ich an dieser Stelle kurz halten muss. Denn auf wie viel Panik man trifft, wenn einer mit einem originären Autorenfilm daherkommt, und nicht etwa mit dem Remix eines Klassikers aus den Zeiten Erich Kästners, darüber sollte ich an dieser Stelle besser nicht zu erzählen beginnen. Ach ja, dies ist der Arbeitstitel: „Geheimagent Morris jagt das Phantom“.

Kinderbuch-Couch: Von Ihrer aktuellen Buchreihe „FINN“ ist bereits der dritte Band erschienen: „FINN im Dschungel“. Welche Themen sind noch in Planung?

Jan Birck: FINNs Geschichten sind natürlich zunächst eine tolle Idee aus der Feder von Irene Wellershoff. Und über dem Thema eines möglichen vierten Bandes grübeln wir gerade noch. Nicht, dass uns da nichts einfallen würde. Wir haben da eher das Problem der Qual der Wahl.
Vielleicht: „FINN erklärt den Piraten das Recht auf Eigentum“. Nein, letztlich zu politisch. Und die falsche Zielgruppe.

Kinderbuch-Couch: Für welche Zielgruppe ist die Buchreihe besonders reizvoll – und wodurch zeichnet sich der der kleine Held Finn aus?

Jan Birck: FINN ist ein Vorlesebuch für Jungs ab 4 Jahren. Vielleicht ist er deshalb auch als ein kleiner Gegenentwurf zu Laura´s Stern oder ähnlichen Mädchenbüchern zu verstehen. Selbstverständlich sind FINNs Abenteuer deshalb auch nicht romantisch, kuschelig oder süß. FINN tut das, was auch mein Finn zuhause gerne tut: Tagträume verwirklichen. Er träumt sich in alle möglichen Abenteuer hinein, die aus der jeweiligen Situation, in die er gerät, erwachsen: In der Badewanne wird er zum Piraten, auf der Flucht vor dem Nachbarn, dem er eine Wasserbombe auf den Kopf geschmissen hat, wird er zum Ritter – wo er dann vom Regen in die Traufe gerät und sich gegen einen Drachen erwehren muss. Oder FINN verzieht sich in die tiefste Hecke des Gartens, die zu einem abenteuerlichen Dschungel wird. Dort freundet er sich mit einem Orang Utan an, dessen Nest er – politisch korrekt, wie er eben ist – vor der Säge eines Holzfällers retten wird.

Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist die Jungs nicht aus den Augen zu verlieren. Aus lesenden Jungs werden kluge Männer, was natürlich nicht bedeutet, dass auch der Umkehrschluss stimmt: Nichtleser bleiben nicht unbedingt dumm. Jan Birck

Kinderbuch-Couch: Dr. Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin im Kinderprogramm des ZDF, hat die Geschichten um den fantasievollen, kleinen Helden geschrieben. Sie hat auch den Raben Rudi und „Siebenstein“ erfunden. Wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden? Konnten bzw. können Sie Finns Charakter und seine Abenteuer mitgestalten?

Jan Birck: Sie hatte übrigens, als mir das Projekt vorschlug, keine Ahnung davon, dass mein zweiter Sohn tatsächlich Finn heißt und damals noch perfekte 5 Jahre alt war. Auf diese Weise hatte ich eine ziemlich gute Vorlage für die Zeichnungen und letztlich auch völlige Freiheit. Dennoch haben wir uns natürlich laufend besprochen und abgestimmt.

Kinderbuch-Couch: Sie haben bisher hauptsächlich für Jungs sehr erfolgreich gezeichnet und geschrieben. Werden Sie diesen Schwerpunkt auch in Zukunft beibehalten?

Jan Birck: Ja. Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist die Jungs nicht aus den Augen zu verlieren. Aus lesenden Jungs werden kluge Männer, was natürlich nicht bedeutet, dass auch der Umkehrschluss stimmt: Nichtleser bleiben nicht unbedingt dumm. Aber ich meine, und da steh ich ja zumindest in der Theorie nicht alleine da, dass Lesen durchaus hilfreich sein könnte. Nur bei der Praxis scheint´s noch ein wenig zu hapern: mehr Förderung auch durch den Handel wäre toll, der damit ja auch eine verstärkte Nachfrage schaffen könnte, die angeblich nur beschränkt vorhanden ist.
Trotzdem habe ich gerade auch zwei Mädchenbuch-Projekte in Startposition. Bilder – bzw. Vorlesebücher. Aber um Sie zu beruhigen: Die Ideen sind einfach zu witzig, um sie liegen zu lassen. Irgendwie anders eben …

Kinderbuch-Couch: Welche neuen Projekte sind geplant? Wird es nach „Moonsurfer“ – das sich an Jungs ab 12 Jahren richtet – auch wieder ein spannendes Kinderbuch-Projekt geben?

Jan Birck: Was das Jugendbuch betrifft, werde ich ja zunächst noch eine Zeitlang mit Moonsurfer beschäftigt sein. Aber ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass es mir Spaß machen würde einen knallharten Western für Jugendliche zu schreiben. Ich meine: keine Cowboy-Romantik, sondern hart und nah an der damaligen Realität. Und natürlich – anderenfalls wäre ich wohl nicht ich – auch keine Betroffenheits-Jugendbuchliteratur fürs Feuilleton. Das können andere besser. Lassen Sie mich es so nennen: das Schreiben und Zeichnen muss mich unterhalten. Locker, unverklemmt, actionreich, phantasievoll, unrealistisch und dennoch real.
Aber zurück zur Schublade, in der alles beginnt und offensichtlich auch wieder endet: Lassen Sie mich auch nochmal schnell in meine Schublade gucken – Moment – ah ja, puh: Da liegen noch genug weitere Projektideen …

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg für Ihre zukünftigen Projekte.

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