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Interview mit Adam Rex

»Ich habe meinen Traumjob.«

Der Film zu Happy Smekday nach dem gleichnamigen Roman von Adam Rex wird sowohl in den USA als auch in Europa ab dem 26. Dezember in den Kinos laufen. Der Autor lebt zurückgezogen und ist sehr vielseitig talentiert. Bisher hat er sich vor allem einen Namen als hervorragender Illustrator gemacht – bis zu seinem Debüt-Roman Happy Smekday. In „The True Meaning of Smekday“, das in den USA bereits im Jahr 2007 erschien, hat er auch als Autor brilliert. Ich freue mich sehr, dass Adam Rex, der sich zu dieser Zeit in einem Hotel in Süd Korea befand, bereit war, der Kinderbuch-Couch ein paar Fragen zu diesem außergewöhnlichen Roadmovie um ein kluges Mädchen, einen liebenswerten Alien und eine Katze zu beantworten.

Kinderbuch-Couch: Lieber Adam Rex, vielen Dank erst einmal für das Vergnügen, das Sie mir bei der Lektüre von Happy Smekday – im amerikanischen Original heißt es ja passenderweise „The True Meaning of Smekday“ – gemacht haben! Da fällt mir sofort die Frage ein, die Sie von nun an wohl häufiger als andere Menschen beantworten müssen: Glauben Sie, dass „da draußen“ noch etwas oder jemand ist?

»Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass in dem riesigen Weltall unser Planet der einzige sein sollte, auf dem es Leben gibt, oder sogar intelligentes Leben.«

Adam Rex: Oh, absolut. Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass in dem riesigen Weltall unser Planet der einzige sein sollte, auf dem es Leben gibt, oder sogar intelligentes Leben. Ich glaube halt nur nicht, dass wir jemals von Außerirdischen besucht worden sind, oder dass es wahrscheinlich ist, dass das jemals passieren wird. Meine Frau ist Physikerin, und sie macht mir solche Dinge eindeutig klar.

Kinderbuch-Couch: Ihr Verlag in Deutschland sagt über Sie: „Wir wissen nur wenig über Adam Rex. Er wiegt etwa 80 Kilo und besteht hauptsächlich aus Wasser und Kohlenstoff. Er kann zu verschiedenen Zeiten des Jahres mit bloßem Auge von Arizona und anderen Teilen der USA aus beobachtet werden.“ Geht es Ihnen wie ihre Heldin „Tip“, die die Welt rettet und lieber unerkannt bleibt, weil der Ruhm und der ganze Rummel, der damit zusammenhängt, nicht ihr Ding ist? Oder gibt es doch noch etwas, das wir über Sie wissen dürfen?

Adam Rex: Ich bin ein schrecklicher Mensch. Es ist mir unangenehm, längere Zeit im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, aber trotzdem bin ich dann enttäuscht, wenn niemand über mich reden mag. Aber Ihre Leser könnte es vielleicht interessieren, dass ich Deutschland sehr mag. Ich war schon in Frankfurt, Mainz, Rothenburg und im Schloss Neuschwanstein. Und das war im Dezember, so dass es überall Weihnachtsmärkte gab, das war wirklich ganz toll.

Kinderbuch-Couch: Sie sind auf jeden Fall ein sehr talentierter Zeichner: Die Illustrationen in Happy Smekday haben Sie selbst gezeichnet und sie bilden einen ebenso eigenständigen wie auch erzählerischen Bestandteil der Geschichte von Tip Tucci und ihrem außerirdischen Freund J.Lo, dem liebenswerten Boov. Wie wichtig ist es für Ihre Geschichten, dass Sie die Vorstellungen in Ihrem Kopf auch zeichnerisch wiedergeben können?

Adam Rex: Für mich ist wichtiger, dass ich in meinem Kopf eine klare und starke Vorstellung von meinen Figuren und ihrer Umgebung habe. Ich könnte diese klare Vorstellung immer, wenn nötig, in eine Zeichnung übertragen, aber es ist nicht so, dass ich jede kleine Szene oder Landschaft, über die ich schreibe, auch zeichne. Eigentlich würde ich das sehr gerne tun; und dann sechs Wochen und zwei Zeichenhefte später müsste mir dann jemand auf die Schulter tippen und mich daran erinnern, dass ich ja eigentlich ein Buch zu schreiben habe.

Kinderbuch-Couch: Für Ihr junges Publikum aus Deutschland: Was bedeutet „Smek“ (wie in Smekday) eigentlich?

Adam Rex: Das ist der Name des Anführers der Außerirdischen, Captain Smek. Mir gefällt einfach der Klang dieses Worts. Die Außerirdischen heißen die Boov, und auch hier mochte ich den Klang. Tatsächlich hat meine Frau einmal mit einem anderen Physiker namens Bhuvnesh zusammengearbeitet, der von allen einfach kurz Bhuv genannt wurde. Ich habe also seinen Spitznamen geklaut. Ich weiß nicht, ob ihm das wirklich so toll gefiel.

Jetzt gibt es bald einen Film über die Boov, und Herr Bhuvnesh wird überall seinen Namen aus sehr seltsamen Gründen ausgesprochen hören. Ich habe ihm schon einen netten Entschuldigungsbrief geschrieben. Aber der Name Smek ist einfach aus dem Nichts aufgetaucht. Tatsächlich ist das schon sein zweiter Name – als ich mit dem Schreiben von Happy Smekday anfing, hatte er noch einen anderen Namen, aber dann erfuhr ich, dass das in einer anderen Sprache ein Schimpfwort war.

Kinderbuch-Couch: Wer oder was hat Sie zu dieser außergewöhnlichen Geschichte inspiriert?

Adam Rex: Ich las damals ein paar Bücher über Weltgeschichte, und dadurch habe ich mich an eine beschämende Episode meiner eigenen Vergangenheit zurückerinnert: Die Vereinigten Staaten haben eine schreckliche Geschichte vorzuweisen, was den Umgang mit den indianischen Ureinwohnern angeht, und ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, als mir das wirklich klar wurde. Ich war zwölf oder dreizehn und lernte wohl zum ersten Mal einige der harten Wahrheiten der US-Geschichte. Und weil ich mich innerlich mehr mit den Europäern identifizierte, fing ich an, das zu entschuldigen. Die Indianer mussten es ja irgendwie schon verdient haben.

Jetzt finde ich es schrecklich, dass ich so dachte, und ich glaube, es muss mich damals auch schon ein bisschen erschreckt haben, sonst würde ich mich wohl nicht immer noch dran erinnern. Aber wie auch immer, es brachte mich als Erwachsenen dazu, dass ich etwas über Kolonialismus schreiben könnte und über unsere Geschichte, betrachtet durch das Objektiv einer heute stattfindenden Invasion der Außerirdischen. All das hätte auch richtig langweilig und didaktisch werden können. aber zum Glück ist daraus eher ein lustiges Hope/Crosby Road Movie mit Raumschiffen geworden.

Kinderbuch-Couch: Wie lange hat es gedauert, bis Sie mit dem Schreiben für Happy Smekday loslegen konnten? (Haben Sie vorher zunächst Story-Boards etc. angelegt?)

Adam Rex: Ich habe einige Jahre immer wieder daran geschrieben. Es war mein Spaßprojekt, an dem ich arbeitete, wenn ich andere Dinge vor mir her schob und keine Lust auf meine eigentliche Arbeit hatte. Es begann eigentlich als ein eher furchtbares Bilderbuch. Monate später habe ich es dann nochmal als Roman probiert und immer daran geschrieben, wenn ich Zeit dazu fand. Erst als ich etwa zwanzigtausend Wörter hatte, überraschte ich meinen Verleger und erzählte ihm davon. Ich glaube er hat mich damals immer noch in erster Linie als Illustrator gesehen, und deshalb hat er nicht damit gerechnet, dass ich mit einem Roman zu ihm kommen würde, der sich verkaufen ließe.

Kinderbuch-Couch: Was inspiriert sie generell zu einer neuen Geschichte? Ihre Geschichten und Illustrationen handeln u.a. von Blauwalen, von Frankensteins Monster (das sich ein riesiges Sandwich macht und die Hochzeitstorte stiehlt), von Zirkustieren im Baum bis hin zu den Boovs, den Außerirdischen in Happy Smekday.

Adam Rex: Ich weiß nie, von wo die nächste Sache herkommen wird. Meine Monster-Gedichtbücher entstanden hauptsächlich aus meinem Wunsch heraus, Monsterbilder zu zeichnen. Ich musste mir also quasi eine Entschuldigung schreiben, um das machen zu können. Das Buch über Zirkustiere in Bäumen fing an als ein Roboter-im-Baum-Buch. Dann habe ich immer mehr Tiere dazugetan und schließlich festgestellt, dass der einzige Teil des Manuskripts, der nicht funktionierte, der Roboter war.

Kinderbuch-Couch: Wie ist Ihnen die Figur von J.Lo in den Sinn gekommen? (Mit seiner verschrobenen Art zu sprechen – na gut, das kennen wir auch von einem anderen kleinen Männchen aus dem All – und seinem Aussehen ist er ja schon sehr speziell.) Und warum hat er den Namen J.Lo bekommen?

Adam Rex: Zuerst habe ich ziemlich viele verschiedene Außerirdische gezeichnet, bis ich das Gefühl hatte, jetzt habe ich den richtigen Burschen. Der Name entstand einfach aus dieser Idee heraus, dass es für einen Außerirdischen wahrscheinlich schwierig wäre, herauszufinden, welche Erden-Namen wirklich passend sind. Ist Hans ein Name für ein Mädchen? Oder vielleicht Samsung?

Der Spitzname von Jennifer Lopez war zu der Zeit, als ich das Buch schrieb, in aller Munde, und ich dachte, es wäre lustig, wenn ein Außerirdischer annimmt, dass ein so allgegenwärtiger Name doch ziemlich typisch sein müsste. Tatsächlich hatte J.Lo in früheren Fassungen auch schon andere Namen. Eine Zeitlang hieß er Oprah, und dann Cher.

Kinderbuch-Couch: Ihre Darsteller sind echte Individualisten; glaubhaft und eigensinnig – man hat sie regelrecht vor Augen. Wie erreichen Sie das? Gibt es da vielleicht eine spezielle Herangehensweise, wenn Sie einen Charakter erschaffen?

»Im Fall von Gratuity „Tip“ Tucci kann ich sagen, dass sie all das ist, was ich als Kind gerne gewesen wäre – mutig, loyal, ethisch, und im Ganzen schlauer.«

Adam Rex: Nicht bewusst. Manchmal lehne ich eine Figur in ihren Charaktereigenschaften an einen Freund oder ein Familienmitglied an. Im Fall von Gratuity „Tip“ Tucci kann ich sagen, dass sie all das ist, was ich als Kind gerne gewesen wäre – mutig, loyal, ethisch, und im Ganzen schlauer.

Kinderbuch-Couch: Ich selbst habe beim Lesen so manches Mal laut gelacht! Wieviel Spaß hatten Sie selbst beim Schreiben von „The True Meaning of Smekday“?

»Es kam dieser Punkt, auf den, glaube ich, alle Autoren hoffen, an dem es sich anfühlt, als ob deine Figuren schneller denken und sprechen als du es überhaupt aufschreiben kannst. Du bist dann nur noch der Stenograph.«

Adam Rex: Ich hatte vielleicht mehr Spaß beim Schreiben als mit irgendetwas anderem, vorher oder nachher. Es kam dieser Punkt, auf den, glaube ich, alle Autoren hoffen, an dem es sich anfühlt, als ob deine Figuren schneller denken und sprechen als du es überhaupt aufschreiben kannst. Du bist dann nur noch der Stenograph.

Kinderbuch-Couch: Bei allem Humor, ich habe auch die berührenden Momente von Happy Smekday als sehr gelungen empfunden. Haben Sie nicht doch eine kleine Botschaft in das sehr ungewöhnliche Roadmovie gelegt? Etwas, das die Kinder sich von Tip und den anderen kleinen Helden abgucken könnten? Ihre Schlagfertigkeit, Ihre Tapferkeit und vielleicht auch ihre Respektlosigkeit, wenn es darum geht ihre „Familie“ zu beschützen?

»…die lustigen Momente machen das Drama umso bewegender, und umgekehrt. «

Adam Rex: Alle diese Dinge. Ich freue mich, dass Sie den Herzschlag unter der Oberfläche dieses Buches spüren, denn für mich ist das so viel wichtiger als der Humor. Aber ich denke, in jeder Geschichte gibt es auch Raum für Humor – die lustigen Momente machen das Drama umso bewegender, und umgekehrt.

Kinderbuch-Couch: Schließlich wurden auch die Filmschaffenden auf dieses originelle und witzige Weltuntergangsszenario aufmerksam. Wie kam es dazu?

Adam Rex: Das war einfach ein riesiges Glück, ganz ehrlich. Tim Johnson, der als Regisseur bei DreamWorks arbeitet, las eine Besprechung des Buchs in der New York Times (die für sich genommen schon ein ziemliches Glück war), woraufhin er das Buch kaufte, um es seinen Jungs vorzulesen. Tim hat mir erzählt, dass er den Jungs am ersten Abend daraus vorgelesen hat, bis sie einschliefen, und dann hat er das Buch mit in sein Zimmer genommen und allein zuende gelesen.

Am nächsten Tag hat er es dann zu DreamWorks gebracht und ihnen gesagt, dass er die Rechte daran erwerben will. Das ist wahrscheinlich eine sehr vereinfachte Darstellung dessen, was wirklich passiert ist, aber es ist eine gute Geschichte.

Kinderbuch-Couch: Wieviel Einfluss hatten Sie auf die Entstehung des Films?

Adam Rex: Nicht so sehr viel – sie haben doch einiges geändert – ich sehe es als eine ideengetreue Film-Adaption – gewissermaßen eine „Alternate Reality“-Fassung des originalen Werks. Und DreamWorks hat mich schon auch sehr stark beteiligt – durch Einladungen zu Vorführungen von Rohfassungen, und so weiter.

Kinderbuch-Couch: Wie sehen Ihre Pläne für zukünftige Projekte aus?

»Ich habe meinen Traumjob, also strenge ich mich an und versuche alles zu tun, damit ich ihn auch verdiene.«

Adam Rex: Ich illustriere gerade in diesem Moment eine Fortsetzung, „Smek for President“! Und noch ein halbes Dutzend andere Sachen. Ich habe meinen Traumjob, also strenge ich mich an und versuche alles zu tun, damit ich ihn auch verdiene.

Mir kommt es so vor, als ob ich aus Versehen immer wieder die Post bekommen habe, die eigentlich für jemand anderen bestimmt war, und demnächst kommt er bei mir vorbei und möchte seine Karriere von mir zurück haben.

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute!

Das Interview führte Stefanie Eckmann-Schmechta im April 2014, Übersetzung von Dr. Jürgen Gerner.

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