Interview mit Wieland Freund

Für die Kinderbuch-Couch: Stefanie Eckmann-Schmechta

Wieland Freund Foto-Copyright Andrea Nieradzik
Foto-Copyright: Andrea Nieradzik

Kinder sind Freigeister. Und ich wünsche mir, dass sie es bleiben. Nicht ganz leicht in dieser Welt. Wieland Freund

Kinderbuch-Couch: Lieber Herr Freund, nach so manch amüsant-turbulentem Abenteuer der Schildkröte Törtel und ihren tierischen Freunden vom Müggelsee oder etwa ihrem spannenden Western für Jungs „Falsches Spiel in Silver City“, haben Sie sich nun in das Reich der Elfen und Zauberer begeben. Was hat Sie auf die Idee gebracht, diesen ganz besonderen „Sommernachtstraum“ zu erzählen?

Wieland Freund: Ich wollte in den Wald – das kommt schon mal vor. Und außerdem hatte ich einen Namen im Kopf – das kommt auch öfter vor, dass alles mit einem Namen losgeht. Diesmal lautete der Name „Holunder“, und ich musste ihm erst eine Weile nachforschen. Schließlich führte er mich zu Frau Holle und der wilden Jagd. Und dann kam eins zum anderen: Zum Zauberer kam der Sturm, zum Sturm kamen die Elfen, zu den Elfen kam der Schrat, zum Schrat kam das elfische Buch über alles und zum elfischen Buch über alles kam sein Verfasser, Amsel Salamander. Und plötzlich war ich nicht nur im Wald, sondern auch in der Wissensgesellschaft. Was jetzt bestimmt zu weit führt. Aber so ist das mit den Büchern: Sie führen immer zu weit.

Kinderbuch-Couch: Das Buch erinnert doch an einige alte Bekannte, wie zum Beispiel das Elfenkönigspaar aus dem „Sommernachtstraum“ von Shakespeare, oder steckt bei den „Tanteln“, den riesigen Spinnen, die im Wald ihre Netze spinnen, nicht auch ein wenig von J.R.R. Tolkiens Abenteuern?

Wieland Freund: Wenn man schon mal einem Elfenkönigspaar begegnet, muss man es eigentlich Titania und Oberon nennen, oder nicht? (Motte ist übrigens auch ein Shakespeare-Name …) Und Tolkien? Ja, jede Menge Tolkien. „Wecke niemals einen Schrat“ ist mein Tolkien-Buch. Tiefe Verbeugung.

Kinderbuch-Couch: Sind diese kleinen Anspielungen aus bestimmten Grund von Ihnen eingeflochten worden – vielleicht für die vorlesenden Eltern?

Wieland Freund: Ach, so planvoll ist das alles gar nicht. So ein Roman ist ein Gesumm und Gebrumm. Viele Stimmen, von überallher, und nicht alle sprechen zu jedem. Manche, stelle ich manchmal fest, sprechen erst Jahre später zu mir.

Kinderbuch-Couch: Denn „Wecke niemals einen Schrat“ richtet sich an Leser ab 9, die bereits selbst die Abenteuer der beiden Elfen Jannis und Motte lesen können, aber eignet es sich, wie alle Ihre Bücher, besonders gut zum Vorlesen. Achten Sie beim Schreiben darauf, haben Sie eine „Erzählstimme“ im Kopf, oder lesen Sie sich die Geschichte manchmal laut vor?

Wieland Freund: Oh ja. Ich schreibe sogar laut. Und eigentlich geht es erst los, wenn die Stimme da ist. Das dauert allerdings. Ich muss warten. Und im Warten bin ich leider nicht sehr gut.

Wecke niemals einen Schrat Foto-Copyright beltz und gelberg

Kinderbuch-Couch: Gibt es jemanden, dem Sie ihre ersten Entwürfe anvertrauen und dessen Meinung Ihnen wichtig ist?

Wieland Freund: Meine Familie ist natürlich wichtig. Und ich habe mit Frank Griesheimer einen großartigen Lektor.

Kinderbuch-Couch: Müssen Sie sich beim Schreiben für Kinder umstellen oder tauchen Sie vielleicht sogar selbst mit Ihrem Helden in das Abenteuer ein?

Wieland Freund: Nein, keine Verstellung vonnöten. Ich habe Glück: Ich habe das Spielen nicht verlernt.

Kinderbuch-Couch: Gibt es etwas, das Sie den Kindern mit Ihren Geschichten, Ihren Helden auf den Weg geben möchten. Was ist Ihnen besonders wichtig, wenn Sie für Kinder schreiben?

Wieland Freund: Ich habe kein Programm und keine Botschaft – nur die Geschichten selbst. Und haben die überhaupt etwas miteinander gemein? Jede ist anders, hoffe ich. Aber wenn sie vielleicht doch etwas miteinander verbindet, dann, dass sie vom Sich-nicht-unterkriegen-Lassen erzählen. Kinder sind Freigeister. Und ich wünsche mir, dass sie es bleiben. Nicht ganz leicht in dieser Welt.

Kinderbuch-Couch: Welches Feedback bekommen Sie direkt von den Kindern?

Wieland Freund: Das Beste. Gestern hat mir ein Junge erzählt, dass Hokuspokus seine Lieblingsfigur in den Törtel-Geschichten ist – mir ist es auch immer so gegangen. Und kaum war der „Schrat“ erschienen, schrieb mir ein siebenjähriges Mädchen aus Berlin: „Schreib noch einz.“ Da freue ich mich.

Kinderbuch-Couch: Welche Bücher haben Sie in Ihrer Kindheit am meisten gemocht?

Wieland Freund: Vor Tolkien habe ich mich ja schon verbeugt. Also verbeuge ich mich jetzt vor A.A. Milne. „Pu, der Bär“ muss eines der weltbesten Bücher sein.

Kinderbuch-Couch: Wird es von den Elfen und ihrem Freund, dem Schrat, noch eine Fortsetzung geben?

Wieland Freund: Noch einz? Mal gucken.

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview.

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