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Buchcover: Heinz Janisch: Eine Wolke in meinem Bett

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Eine Wolke in meinem Bett von Heinz Janisch

erschienen bei Aufbau-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

Mit einer Wolke im Bett, Hausaufgaben mit einem Gorilla oder mit einer Einladung in ein Schneckenhaus öffnet Heinz Janisch die reich gefüllte Schatzkiste der kindlichen Phantasie. Dieses wunderschön gestaltete Bilderbuch strahlt eine erstaunliche Ruhe aus und zündet gleichzeitig ein buntes Feuerwerk an Geschichten im Kopf.

Ohne einleitenden Text, nur durch Bilder gelangt der Leser in eine Straße, wie sie in tristen Randbezirken größerer Städte entstehen: kastenförmige Betonhäuser, einsame Autos, endlos gerade Bürgersteige, ein karger Baum im Vordergrund, eine Fabrik am Horizont. Es ist früh am Abend, ein Mädchen im roten Kleid und ein Junge fallen im Hintergrund kaum auf, nur die Schaukel in dem Baum lässt einen Spielplatz vermuten.

„Heute lag eine Wolke in meinem Bett.“
Das Bett steht im obersten Stockwerk eines Hochhauses, der Himmel ist rosa gefärbt, zwei Wolken sind zu sehen, von der sich eine durch ein Fenster zwängt. „Was hast du gemacht?“
Der Text auf der linken Seite zieht sich wie immer gleiche Strophen eines Liedes durch das ganze Buch. „Mich dazugelegt“.

Knappe drei Zeilen, die das Gespräch zweier Kinder wiedergeben, die sich wohl noch nicht vertraut sind. Und in nur drei Zeilen passieren unglaubliche Dinge. Es ist ein amüsantes Wechselspiel zwischen un- und möglich.
„Heute stand ein Elefant vor meiner Haustür“ – „Was hat er gesucht?“ Der Zeilenabstand und die an den rechten Seitenrand versetzte Antwort bremsen zu einer Pause: „Eine Diskothek.“

Auf der rechten Seite steht das Mädchen vor Hausnummer 1 und zeigt in eine Richtung, betrachtet aus Elefantenperspektive. Und damit ist der Tag „Heute“ noch lange nicht zu Ende. Insgesamt elf phantastische Begebenheiten verwandeln den öden Spielbaum in eine bunte Traumwelt. Es tropft aus der Milchstraße, Fische spielen nachts Trompete und der Wind verliebt sich.

Und wie endet so ein wundersamer Tag? Natürlich auf dem schönsten Baum der Erde, zusammen mit einem Freund, der jetzt an der Reihe ist, seine Geschichte zu erfinden.

Heinz Janisch ist nicht ganz unbekannt für seine Kinderbücher, die zwischen den Zeilen eigene Welten entstehen lassen. Seine kurzen Sätze wirken wie Impulse, von denen man sich gerne überraschen lässt („Heute hat der Wald geschlafen“). Das Ganze ist verpackt in ein Frage – Antwort – Spiel, sodass spätestens nach der dritten Seite das Buch eine ansteckende Eigendynamik entwickelt.

Dieser Einladung, die Phantasie sprudeln zu lassen, bedarf einer besonderen Illustration. Isabel Pin lässt in ihren feingliedrigen Bildern reichlich Platz für eigene Ideen, so besteht der schlafende Wald eben nur aus zwei Bäumen und den Gorilla bekommt man gar nicht erst zu sehen, nur eine herabfallende Bananenschale. Farben sind verhaltend eingesetzt, die Straßenszenen sind in einem leicht wässrigen Blau, Grau, Grün gehalten und vermitteln die Stimmung funktionaler Vorstädte, ohne zu übertreiben. Der größere Teil der Phantasiewelt, die Kinder und das wunderschöne Titelbild leuchten dagegen einladend und warm.
Auch wenn der Phantasie keine Regel zugrunde liegt, wünschte ich mir eine Art roten Faden bei der Illustration, so variiert das Mädchen im roten Kleid von Seite zu Seite im Aussehen und Alter.
Der Spannungsbogen endet stimmig auf der letzten Seite und diese ist Anfang zugleich. Denn erst jetzt sieht man die beiden Kinder nebeneinander auf dem Baum sitzen, auch der Gorilla ist da, die Fische und die Schnecke leben als Buntstiftzeichnung in der selben Stadt und warten interessiert auf die Geschichte des Jungen und die Geschichten anderer Kinder.

Fazit:

„;Eine Wolke in meinem Bett“ ist nicht nur der Titel dieses besonderen Bilderbuches, sondern auch Programm. Denn mit einer Wolke als Bettdecke wird das kleine Kinderzimmer im grauen Hochhaus zur Nebensache. Dem Buch gelingt es, die enorme Vorstellungskraft in kleinen Köpfen (kleine Köpfe ab 4 Jahren) hervorzulocken und diesen Schatz mit anderen zu teilen.

Christina Buschmann


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