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Buchcover: Heinz Janisch: Herr Kratochwil kommt - fast - zu spät

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Herr Kratochwil kommt - fast - zu spät von Heinz Janisch

erschienen bei Jungbrunnen

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

in mein Bücherregal

[ab 5 Jahren]

Schule mal anders- jetzt kommt der kuriose Lehrer Herr Kratochwil „fast“ immer zu spät. Und das, wie sich herausstellt, aus besonderem Grund. Heinz Janisch hat das Thema Pünktlichkeit mit einem besonderen Augenzwinkern umgesetzt.

Ein neuer Schultag: alle Kinder sind in der Klasse und warten gespannt auf ihren Lehrer Herr Kratochwil. Eigentlich ist er ein guter Lehrer- auch wenn das im ersten Moment ganz anders wirkt. Denn ein Lehrer darf doch nicht stets beim letzten Klingeln in den Klassenraum fegen. Was für ein Vorbild!?!

Und doch stürmt Herr Kratochwil jeden Morgen in allerletzter Sekunde in die Klasse. Das begründet er stets mit hahnebüchenen Geschichten: Er erzählt den Schulkindern dann, dass er nicht die passenden Socken finden konnte – nicht, dass sie farblich nicht passten- nein- diese Socken wollten einfach nicht in seine Schuhe. Ein anderes Mal wird er von Indianern überfallen, oder findet die unmöglichsten Dinge: Kleiderbügel, Gürtelschnalle, Steine …Dann wiederum findet er einen Rettungsring im Wasser, den es zu retten gilt- triefnass kommt Herr Kratochwil anschließend in die Klasse. Oder auch: ein Schulweg dauert natürlich um einiges länger, wenn man einen Krug mit Wasser auf dem Kopf transportieren möchte- so machen es nämlich die Frauen und Männer in Afrika. Ausrede an Ausrede reiht sich so jeden Morgen aneinander- obwohl Herr Kratochwils Schulweg eigentlich sehr kurz ist.
Die Kinder dagegen sind vorbildlich- sie sitzen stets pünktlich auf ihren Plätzen und warten auf ihren Lehrer. Schliesslich möchte keiner von ihnen die ausgefallenen Ausreden des Lehrers verpassen!

Unpünktlichkeit ist auch noch heutzutage ein Thema, welches u.a. in Schulen für reichlich Zündstoff sorgen kann. Mit Herrn Kratochwil hat Heinz Janisch einen überzeugenden Charakter geschaffen, der dieses Thema einmal ganz von der humorvollen Seite aufgreift. Scheinbar ist Herr Kratchowil kein gutes Vorbild, denn er könnte im Erfinden von Ausreden kaum einfallsreicher und gewitzter sein. Scheinbar. Denn auf seine etwas verrückte Weise erreicht er leicht sein Ziel: alle Kinder sind überpünktlich im Klassenraum – voller Erwartungen auf den Unterricht (der ja meist mit einer neuen, spannenden Geschichte beginnt).

Sicherlich ein oftmals nicht erfüllter Traum so mancher Lehrer. Mit seinen verrückten Ideen schafft es der Lehrer fast nebenbei Wissen an die Schüler zu vermitteln. Ich denke da zum Beispiel an die afrikanische Weise, den Wasserkrug auf dem Kopf zu transportieren.

Mit dieser umgedrehten Situation des fast immer zu spät kommenden Lehrers erreicht der Autor nicht nur ein Lächeln in den Gesichtern der Kinder, sondern vermittelt dabei auch, wie wichtig Pünktlichkeit ist: Man kann schliesslich nicht nur die Ausreden des Herrn Kratochwil verpassen. Auf jeden Fall ist es ein fantasievolles Rezept gegen das Zuspätkommen und damit sicherlich pädagogisch korrekt.
Der zunächst schrullig wirkende Lehrer bekommt durch Heide Stöllinger ein passendes Outfit, er überzeugt auf ganzer Linie. Es ist ein Lehrer mit Haarzopf, kleiner Nickelbrille, leichtem Stoppelbart, legerer Kleidung, der durch seine besondere, fast schlacksige, aber dennoch dynamische Körperhaltung ein wenig auffällt. Die Bilder, gezeichnet mit lockeren Bleistiftstrichen und Wachsmalkeide, überzeugen in ihrer Farbgebung und Aussage. Mit vielen lustigen Details in den Bildern schafft es die Illustratorin diese lockere Umgehensweise des Lehrers mit der Klasse aufs Papier zu bringen. Die Mimik der dargestellten Personen zeigt mit gekonntem Strich deren Emotionen: Staunen, Rätseln, Lachen, Skepsis.
Herr Kratochwil ist ein überzeugender Protagonist, wunderbar inszeniert und dargestellt vom Autoren/Illustratoren- Team. Er erlangt mit seinem Charakter und seinem Äusseren die volle Aufmerksamkeit und die höchste Konzentration aller Schüler in der Klasse, aber auch die des Lesers und Zuhörers.

Bleibt nur die Frage, was ist Herrn Kratchowil wirklich passiert, als er eines morgens klatschnass in die Klasse kommt?...

Fazit:

Ein lebensfrohes,witziges Buch mit Nachklang. Es zeigt, dass man mit etwas Fantasie seine Ziele so einfach erreichen kann – und das ganz ohne Vortrag über die Zier der Pünktlichkeit. Damit ist „Herr Kratchowil kommt (fast) immer zu spät“ ein echtes Plädoyer wider dem pädagogisch-korrekten Ernst.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

Meinungen zu diesem Buch

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Birgit meint:
Die Handlung ist mehr oder weniger abgekupfert, nur die Rolle von Schüler und Lehrer ist gedreht. Das Original Kati Sommer und Lehrer Linke lief lange als Fortsetzung in der Sendung mit der Maus.
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